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Von absurden Verhandlungen bei absurden Verhandlungen

KLAUS KELLE

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser!

Ich fürchte, dass es auch im Jahr 2026 keinen Frieden in und für die Ukraine geben wird. Das zeigt der Verlauf der aktuellen Verhandlungen in Genf. Anders als bei vorherigen Gesprächen gab es nicht einmal Informationen über einen Austausch von russischen und ukrainischen Kriegsgefangenen, was ja das Mindeste ist, das man erwarten könnte. Wenn es überhaupt etwas Positives aus dem Treffen mitzunehmen gibt, dann, dass die Europäer (Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien) wenigstens wieder mit am Verhandlungstisch sitzen.

Sie – wir – schultern inzwischen ja einen großen Teil der Unterstützung für die von Russland angegriffene Ukraine – militärisch, aber auch zivil. Seit Beginn von Putins sinnlosem Feldzug haben die EU und ihre Mitgliedstaaten insgesamt rund 193,3 Milliarden Euro an Hilfe bereitgestellt. Und anders, als Russlands politische Lautsprecher in Deutschland raunen, wurde das Geld nicht geschenkt, sondern als zinsloses Darlehen gewährt, das aber erst zurückgezahlt werden muss, wenn Russland nach einem Kriegsende Reparationen leistet.

Die Bilanz der Gesprächsrunden zwischen den direkten Kriegsparteien und den USA und der EU, ist ernüchternd

Russland will den vollständigen Rückzug der Ukraine aus den vier mehr oder weniger annektierten Regionen (Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson), einschließlich der Gebiete, die Moskau militärisch überhaupt nicht unter Kontrolle bringen konnte in den vergangenen vier Jahren. Und die Ukraine lehnt völlig zu Recht jede formelle Abtretung von Territorium ab und verlangt die Wiederherstellung ihrer staatlichen Souveränität.

Moskau beharrt darauf, dass die Ukraine offiziell auf einen NATO-Beitritt verzichtet. Das ist ja in Putins Erzählung über den Grund seines Krieges ein zentraler Punkt.

Das hätte Russland allerdings auch haben können, ohne dafür Hunderttausende Menschen umzubringen. Heute ist ein NATO-Beitritt der Ukraine – jedenfalls auf längere Sicht – wahrscheinlicher geworden. Und in die EU werden sie sicher kommen. Also: Putins Forderung nach einer zumindest neutralen Ukraine dürfte sich erledigt haben, wenn nicht wenigstens überzeugende Sicherheitsgarantien für Kiew gestellt werden. Und wer sollte das denn leisten außer den NATO-Staaten? Burkina Faso?

Zumal Russland ja eine massive Reduzierung der ukrainischen Armee will und die Stationierung westlicher Truppen oder Waffen auf ukrainischem Boden ablehnt.

Ja, Freunde, über was wollt ihr überhaupt noch „verhandeln“?

Die Bedingungen Russlands machen jede diplomatische Bemühung obsolet. Es wird keinen Waffenstillstand auf der Basis eines Putin’schen Diktatfriedens geben. Übrigens auch nicht, wenn Donald Trump heimlich oder auch offen von „Deals“ mit Putin träumt. Die Ukraine und übrigens auch die Europäer haben noch viele Freunde in Washington, und Donald Trump ist in zwei Jahren Geschichte.

Erst vergangene Nacht wurde bekannt, dass eine Delegation des US-Kongresses derzeit zu Besuch in Odessa weilt. Die demokratischen Senatoren hätten „die unerschütterliche parteiübergreifende Unterstützung für die Ukraine im US-Kongress und in der amerikanischen Bevölkerung“ bekräftigt, schreibt die „Ukrajinska Prawda“. Die US-Politiker forderten gleich nach Ankunft schärfere Sanktionen gegen Russland, mehr Druck auf das Putin-Regime und Länder wie China, Indien, Ungarn und Brasilien, die russisches Öl und Gas kauften. Außerdem müsse die russische „Schattenflotte“ noch stärker eingeschränkt werden auf den Weltmeeren.

Zum Schluss aber noch etwas Absurdes von den absurden „Verhandlungen“

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und Russlands Präsident Wladimir Putin haben sich beide grundsätzlich zu einem persönlichen Treffen bereit erklärt, um quasi von Mann zu Mann den Krieg zu beenden. Spontan fällt mir dazu übrigens die Eingangssequenz des Hollywood-Films „Troja“ ein …

Selenskyj will ein Treffen auf neutralem Boden, vielleicht in Istanbul oder Dubai. Putin will sich mit dem Widersacher nur dann treffen, wenn der Verhandlungsort Moskau ist. Die Mörderzentrale sozusagen, wo unbotmäßige Mitglieder der russischen Nomenklatura auch gerne mal versehentlich aus dem Fenster fallen, weil sie sich unpässlich fühlten, oder man in Straflagern fernab der Zivilisation weggesperrt und dann vergiftet wird.

Selenskyj müsste mit dem Klammerbeutel gepudert sein, nach Moskau zu reisen oder nach Minsk oder Pjöngjang oder Havanna. Das wäre nicht gut für seine Gesundheit.

Sie denken, sowas würde ein Staatschef einem anderen doch nicht antun (können). Ich traue dem KGB-Mann im Kreml inzwischen alles zu …

Mit herzlichen Grüßen

Ihr Klaus Kelle

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Klaus Kelle, Chefredakteur