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„Geld muss dienen und nicht herrschen“
Strukturen der Sünde, „die Abgründe zwischen Arm und Reich, zwischen Privilegierten und Ausgeschlossenen, zwischen Freunden und Feinden aufreißen“, war das Thema von Papst Leo XIV. heute bei seinem kurzen Besuch im Fürstentum Monaco. Und wer die Bedeutung dieser Rede vom Balkon des Fürstenpalasts vor Albert II. wirklich einordnen will, der muss sich zuvor mit dem Kleinstaat zwischen Italien und Frankreich mit seinen gerade einmal 39.000 Einwohnern genauer beschäftigen.
Denn etwa ein Drittel der Monegassen sind Millionäre, manche Schätzungen gehen sogar von 40 Prozent aus.
Das durchschnittliche persönliche Vermögen pro Einwohner wird auf über 20 Millionen US-Dollar geschätzt. Monaco ist Luxus pur. Die „Ureinwohner“ sind eigentlich nur etwa 9.000 Menschen, alle anderen Wohlhabenden leben hier, weil es extrem sicher ist und man weder Einkommens- noch Erbschaftssteuer zahlen muss.
Wer in Monaco leben will, ohne dort auch zu arbeiten, muss mindestens 500.000 Euro bei einer monegassischen Bank hinterlegen. Der Kleinstaat gilt als der teuerste Immobilienmarkt der Welt. Als Quadratmeterpreise werden in der Spitze bis zu 100.000 Euro aufgerufen. Wer in Monaco ein angemessenes Leben führen will, muss pro Haushalt zwischen 7.500 und 20.000 Euro zur Verfügung haben.
Das ist der Hintergrund des Papst-Besuches
„Hier zu leben stellt für einige ein Privileg dar und für alle eine besondere Aufforderung, sich nach dem eigenen Platz in der Welt zu fragen“, sagte das Oberhaupt der katholischen Weltkirche vorhin. Und weiter: „Das Geschenk der Kleinheit und ein lebendiges geistliches Erbe verpflichten Ihren Wohlstand zum Dienst an Recht und Gerechtigkeit, besonders in einem Moment der Geschichte, in dem die Zurschaustellung von Macht und die Logik des Machtmissbrauchs der Welt Schaden zufügen und den Frieden gefährden.“

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Was wohl in den Köpfen der schwerreichen Zuhörer bei diesen Worten vorgegangen sein mag? Der Katholizismus ist in Monaco als Staatsreligion in der Verfassung verankert. Mehr als 80 Prozent der Einwohner sind katholisch.
Direkt an diesem Ort von der Verpflichtung des Reichtums zu sprechen und davon, dass es in der Kirche Jesu keine sozialen Klassen geben dürfe, mutet geradezu revolutionär an und scheint gleichzeitig ein deutlicher Bezug zu seinem Amtsvorgänger Papst Franziskus zu sein. Während dieser immer wieder demonstrativ an Orte der Armut und des Elends ging und sich an jene richtete, deren Leben sich am Rande abspielt, wählt Papst Leo den anderen Weg und geht dorthin, wo das große Geld ist.
Die „Kluft zwischen Privilegierten und Verstoßenen“ direkt im Fürstentum Monaco anzusprechen, das ist eine fast schon provokante Direktheit. Und seine Formulierung, dass „Geld dienen und nicht herrschen“ soll, klingt wie ein Zitat aus dem apostolischen Schreiben Evangelii Gaudium von Franziskus.
Reichtum an sich wird nicht verdammt, aber die Gleichgültigkeit, die oft mit ihm einhergeht (die „Globalisierung der Gleichgültigkeit“, wie Franziskus es nannte) – das ist genau der Punkt, den die Kirche Jesu immer wieder hervorheben muss.

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