Zum Hauptinhalt springen
Hungrig werden nach Gott, nicht nach Brot
Gehören Sie, wie ich auch, zu denen, die sich jedes Jahr vornehmen, im nächsten Jahr zu fasten? Also nicht nur ein bisschen oder mit Belanglosigkeiten, sondern richtig, so dass Sie den Verzicht auch spüren? Also mal konkret zum Beispiel bei mir: Nach dem Herzinfarkt 2016 habe ich aufgehört zu rauchen, was ich aus Gründen des Selbstschutzes auch durchziehe. Wenn dann die Fastenzeit beginnt und ich erzähle in meinem Freundeskreis, ich faste, indem ich 40 Tage nicht rauche, dann ist das nicht das, was mit Fastenzeit gemeint ist.
Vielleicht beginnen wir also mal ganz von vorn, wobei ich nicht das sogenannte Heilfasten meine, das viele Freunde und Bekannte tatsächlich jedes Jahr – meistens eine Woche – machen, um „runterzukommen“ und den Körper zu „entschlacken“. Ich meine das religiös begründete Fasten, dessen Zeit für Christen genau heute beginnt und sehr weit über den bloßen Verzicht auf Schokolade oder das berühmte Feierabendbier bei alten weißen Männern hinausreicht. In der katholischen Kirche nennt man diese Zeit jetzt auch offiziell nicht einfach „Fastenzeit“, sondern die „Österliche Bußzeit“. Eine Zeit der Reinigung des Herzens, der Vorbereitung und vor allem der Rückbesinnung auf die eigene Beziehung zu Gott.
Die Wurzeln der Fastenzeit liegen tief in der biblischen Geschichte und der frühen Kirche. Das Vorbild für die Dauer von 40 Tagen ist Jesus Christus selbst. Die Evangelien berichten, dass er unmittelbar nach seiner Taufe vom Heiligen Geist in die Wüste geführt wurde. Dort fastete er 40 Tage und 40 Nächte und widerstand manchen Versuchungen des Teufels. Und die Zahl 40 ist – wie fast alles in der Bibel – dabei hochsymbolisch:
Denn das Volk Israel wanderte 40 Jahre durch die Wüste, bevor es das Gelobte Land erreichte. Und Mose verbrachte 40 Tage auf dem Berg Sinai in der Gegenwart Gottes. Auch der Prophet Elija – Sie ahnen es – wanderte 40 Tage zum Berg Horeb.
Und so entwickelte sich im vierten Jahrhundert die Tradition, diese 40 Tage als Vorbereitung auf das höchste Fest der Christen, nämlich Ostern, zu nutzen. Ursprünglich war dies vor allem die Zeit, in der sich die „Katechumenen“ (Taufbewerber) intensiv auf ihre Taufe in der Osternacht vorbereiteten und die bereits Getauften ihre eigene Umkehr erneuerten.
Grundsätzlich ist deshalb jeder Gläubige eingeladen, die Fastenzeit bewusst in diesem Sinne zu gestalten. Laut Kirchenrecht sind der Aschermittwoch und der Karfreitag strenge Fast- und Abstinenztage (nur eine Sättigung am Tag, kein Fleisch). Alle Katholiken ab 14 Jahren (Abstinenz) bzw. 18 bis 60 Jahren (Fasten) sind dazu aufgerufen. Darüber hinaus ist die Fastenzeit aber auch eine Einladung an jeden, der spürt, dass sein Leben „unaufgeräumt“ ist. Es ist kein elitärer Club für besonders Fromme, sondern ein Angebot für die Suchenden und die Müden, die ihren geistlichen Akku wieder aufladen wollen.
Wenn es nicht um die Gesundheit geht, sondern um ein spirituelles Erlebnis, verschiebt sich der Fokus vom „Was lasse ich weg?“ zum „Wofür schaffe ich Platz?“. Damit Fasten religiös fruchtbar wird, muss es wehtun – nicht im körperlichen Sinne, sondern im Sinne einer Entwöhnung von der eigenen alltäglichen Ich-Bezogenheit. Dazu gibt es verschiedene Wege:
  • Das Fasten der Worte: Schweigen üben, weniger urteilen, auf Klatsch und Tratsch verzichten. Es schafft Raum, um die „leise Stimme“ Gottes wieder zu hören.
  • Das Fasten der Bequemlichkeit: Den „inneren Schweinehund“ überwinden, um Zeit für das Gebet oder den Besuch der Werktagsmesse zu finden.
  • Das Fasten des Konsums: Hier geht es nicht um Kalorien, sondern um die Freiheit von der Abhängigkeit. Wer auf das ständige Kaufen oder digitale Rauschen verzichtet, merkt oft erst in dieser Zeit, wie sehr diese Dinge die Seele verstopft haben.
Wie immer beim Glauben muss man sich aus eigenem inneren Antrieb darauf einlassen. So wie bei einer Beichte: Wenn Sie dem Priester Ihre kleinen und großen Sünden vortragen, aber gleichzeitig nicht bereuen und – was auch immer – weiterhin tun, dann können Sie auf das Beichten gleich verzichten.
Die Fastenzeit einzuhalten, das ist weit mehr als bloßes Willenstraining oder Traditionen zu folgen. Jesus selbst benennt in seiner Bergpredigt die „Drei Säulen der Umkehr“:
Der Verzicht auf Nahrung macht uns hungrig, aber nicht nur nach Brot, sondern nach Gott. Er zeigt uns unsere eigene Bedürftigkeit und Endlichkeit auf. Fasten ohne Gebet ist nichts anderes als eine Diät. Erst durch das Gebet wird die durch den Verzicht gewonnene Zeit und Energie Gott zugewandt. Die Lesung der Heiligen Schrift oder der Kreuzweg sind gute Schritte auf diesem Weg. Und zur Fastenzeit gehört nicht nur Verzicht und Gebet, sondern unbedingt auch das Almosen. Was wir durch unseren Verzicht einsparen (Geld, Zeit, Aufmerksamkeit), muss dem Nächsten zugutekommen. Ein spirituelles Erlebnis wird es dann, wenn wir erkennen, dass wir nicht verzichten, um uns besser zu fühlen, sondern um Gott und dem Nächsten näher zu sein.
Wer sich in diesen 40 Tagen selbst klein macht, bereitet den Boden, um dann an Ostern die Größe der Auferstehung Jesu überhaupt erst wirklich begreifen zu können.

Die „betenden Krieger“: Vor 900 Jahren begann der Aufstieg der Templer zum Finanz- und Militärimperium

Es war heute vor fast 900 Jahren, am 13. Februar 1129, als der Templerorden auf dem Konzil von Troyes praktisch vollendet wurde. Als kleine Schutztruppe für Pilger im Heiligen Land gestartet, stieg er im Mittelalter zu einer militärischen und geistlichen Eliteeinheit der Christenheit auf, die als „betende Krieger“ in die Geschichte einging und unvergessen bleiben wird. Dass eine Gruppe bewaffneter Männer die päpstliche Anerkennung erhielt, ist dabei einem beharrlichen Mann zu verdanken: Bernhard von Clairvaux. Er stand damals vor einer theologischen Herausforderung: Wie ist das Töten im…

Nicht des Sex ist das Problem, sondern die Entwürdigung
Wir leben in allen traditionell „westlichen“ Gesellschaften und darüber hinaus in einer stark auf Sexualität fixierten Zeit. Das ist eine rein faktische Feststellung und hat zunächst einmal gar nichts mit Wertung zu tun. Aber wenn es stimmt, dass das späte 19. Jahrhundert prüde und verklemmt war, d…
Beliebte Kritiken

Im Hörsaal einer namhaften deutschen Universität. Einführungsvorlesung Theoretische Physik. Der Professor behandelt kurz die Geschichte der Physik, dazu projiziert er erläuternde Abbildungen an die Leinwand. Ein paar Slides über antike Denker, die Anfänge der Atomtheorie, kosmologische Überlegungen…
Vor 176 Jahren veröffentlichte der Papst „Nostis et nobiscump“
Wir leben in Zeiten, in denen Teile des deutschen Protestantismus mit dem Gedanken liebäugeln, Jesus Christus und seine Lehre könnten die legitimen Vorreiter des Sozialismus gewesen sein. Auf den ersten Blick könnten Progressive dem tatsächlich etwas abgewinnen, denn Jesus identifizierte sich st…
Geste der Wiederverzauberung an Heiligabend
Man muss im November nur einmal um die Riddagshäuser Teiche spazieren, um das zu verstehen. Erst 1934 in die Stadt Braunschweig eingemeindet, blickt Riddagshausen auf eine bald neunhundertjährige bewegte und stolze Geschichte zurück. Mit der Ankunft des Konvents aus Amelungsborn und Gründung des Kl…

Leidenschaftlicher Weckruf gegen Lauheit und Gleichgültigkeit
Das erste offizielle Lehrschreiben von Papst Leo XIV. behandelt ein zentrales Thema der Christenheit: gelebte Nächstenliebe und Zuwendung zu den Armen. Es hat die Form einer „Apostolischen Exhortation“ (quasi eine Art päpstlicher Weckruf), ist also weniger eine gelehrte theologische Abhandlung, als ein Aufruf an das ganze „Gottesvolk“, an alle Gläubigen weltweit. Es dient in erster Linie der Schärfung des Bewusstseins für ein zentrales Problem nicht nur unserer Zeit, sondern der Menschheit insgesamt. Öffentlich vorgestellt wurde das Schreiben in Rom am 9. Oktober. Unterschrieben hat es der…

Hungrig werden nach Gott, nicht nach Brot
Gehören Sie, wie ich auch, zu denen, die sich jedes Jahr vornehmen, im nächsten Jahr zu fasten? Also nicht nur ein bisschen oder mit Belanglosigkeiten, sondern richtig, so dass Sie den Verzicht auch spüren? Also mal konkret zum Beispiel bei mir: Nach dem Herzinfarkt 2016 habe ich aufgehört zu rauchen, was ich aus Gründen des Selbstschutzes auch durchziehe. Wenn dann die Fastenzeit beginnt und ich erzähle in meinem Freundeskreis, ich faste, indem ich 40 Tage nicht rauche, dann ist das nicht das, was mit Fastenzeit gemeint ist. Vielleicht beginnen wir also mal ganz von vorn, wobei ich nich…
Es war heute vor fast 900 Jahren, am 13. Februar 1129, als der Templerorden auf dem Konzil von Troyes praktisch vollendet wurde. Als kleine Schutztruppe für Pilger im Heiligen Land gestartet, stieg er im Mittelalter zu einer militärischen und geistlichen Eliteeinheit der Christenheit auf, die als „betende Krieger“ in die Geschichte einging und unvergessen bleiben wird. Dass eine Gruppe bewaffneter Männer die päpstliche Anerkennung erhielt, ist dabei einem beharrlichen Mann zu verdanken: Bernhard von Clairvaux. Er stand damals vor einer theologischen Herausforderung: Wie ist das Töten im…

Johannes Hartl organisiert den neuen Aufbruch des christlichen Deutschlands
Dr. Johannes Hartl ist der wahrscheinlich wichtigste Kirchenmann Deutschland derzeit. Der katholische Theologe und Philosoph hat mit seinem Gebetshaus in Augsburg und mit seinen überkonfessionellen MEHR-Konferenzen mehr für das Miteinander der Christen in Deutschland getan, als ein Kardinal Marx od…
Ihre Meinungen
Es wird sie meist nur die Minderheit der deutschen evangelischen Christen von 25 Prozent kennen:Die EKD-Ratsvorsitzende und Stimme des protestantischen Herrn in Deutschland, Annette Kurschuss. Annette Kurschus ist damit so etwas wie der protestantische Gegenpapst zu Franziskus, aber ohne Avignon, Z…
Wahrheitsanspruch der Kirche
von MARTIN D. WIND MÜNCHEN – „Dogmatisch“ – was für ein Trigger! Der Begriff ist eine Zumutung für aufgeklärte, ein Ärgernis für freiheitsliebende, ein Unfug für rationale Menschen. Und dennoch: Es gibt da draußen eine Organisation, die nimmt für sich in Anspruch, bestimmte Sachverhalte „dogmati…

Die Erregung über Kalifats-Ankündigungen in Deutschland kommt zu spät
„Warnzeichen gab es eigentlich genug, nur keiner wollte sie beachten – weder Politik noch Medien noch Kirchen.“ Das schreibt WELT-Chefredakteur Ulf Poschardt in einem der wenigen reflektierenden Mainstreammedien unserer Zeit. Unter der Überschrift „Am Ende der Unterwerfung“. „Unterwerfung“ -…
Wenn Muslime katholisch Kirchen vor Muslimen schützen
Die Meldung ist eine große, dürre auf X, vormals Twitter. Der Deutschlandfunk gibt bekannt: „Liebe Follower, angesichts der Entwicklungen auf dieser Plattform haben wir uns dazu entschlossen, diesen Kanal nicht länger zu betreiben. Wir danken für Ihr Interesse und freuen uns, wenn Sie uns auf ander…

Verstörendes Stadtmarketing
Karlstadt am Main ist ein beschauliches kleines Dörfchen in Unterfranken. Hübsche, gepflegte Fachwerkhäuschen schmiegen sich in dem 15.000-Seelen Ort aneinander. Und zur Weihnachtszeit lässt sich hier wirklich ein schön kitschiger Weihnachtsmarkt mit allem Zipp und Zapp abhalten. Jedes Jahr im Nove…
Schwule sind keine Opfer
von JULIAN MARIUS PLUTZ BERLIN – Ich bin homosexuell. Nicht dass das besonders wichtig ist. Es ist auch nicht gut so, wie es ein ehemaliger Berliner Oberbürgermeister einmal meinte. Genauso wenig wie es schlecht ist. Es ist einfach so.So wie der Regen nass, Zucker süß ist und Fürth neben Nürnber…