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Zwölf Jahre im wenig freundlichen Berliner Umfeld
Das war ein eindrucksvoller Empfang dieser Tage, als sich Erzbischof Dr. Nikola Eterović in Berlin von seinem Posten als päpstlicher Nuntius in Deutschland verabschiedete. In der Tradition europäischer Diplomatie ist es üblich, dass der Nuntius – also der Botschafter des Vatikans – jeweils auch der Doyen des diplomatischen Korps ist. Das ist ein Ehrentitel, in dem noch Respekt und Hochachtung vor seiner Funktion als Vertreter des Papstes zum Ausdruck kommt. In der Welt der Diplomatie ist ein Botschafter formal gesehen immer der direkte Vertreter des jeweiligen Staatsoberhauptes; und es gibt nun mal keinen zweiten Staatschef, der zugleich das Oberhaupt von fast anderthalb Milliarden Gläubigen rund um den ganzen Globus ist. Dementsprechend war der Abschiedsempfang des Nuntius Eterović auch ein diplomatisches Großereignis, selbst wenn die deutsche Medienlandschaft davon kaum Notiz nahm. Immerhin zwölf Jahre lang hatte Nikola Eterović in Deutschland gewirkt, auf einem für den Vatikan stets „heißen“ Pflaster. Die Hauptstadt des stramm protestantischen Preußen war für einen päpstlichen Botschafter überhaupt erst mit Abschluss des Konkordates von 1929 zugänglich geworden. Die Büste jenes ersten, berühmten Nuntius steht noch im Vestibül der Nuntiatur in der Lilienthalstraße in Berlin: es war kein Geringerer als Eugenio Pacelli, später Papst Pius XII. (vgl. den Artikel dazu). Auch eine Straße in Berlin trägt noch seinen Namen; jedenfalls noch so lange, wie sie dem jakobinischen Umbenennungs-Furor in der Hauptstadt der Republik entgeht. In seinen zwölf Jahren als Botschafter des Vatikans hatte Nikola Eterović freilich weniger mit der jeweiligen Bundesregierung zu kämpfen, als ausgerechnet mit dem deutschen Katholizismus. Und das ist nun mal die zweite Hauptaufgabe eines jeden Nuntius: Den Kontakt zu den Katholiken – Bischöfen, Priestern und allen Gläubigen – im Gastland zu halten und darauf zu achten, dass Glaubenslehre und Praxis nicht verdunkelt werden. Dass das gegenüber den stolzen deutschen Bischöfen nicht einfach ist, ganz zu schweigen vom hypertrophen Selbstbewusstsein des organisierten deutschen Gremienkatholizismus, bedarf wohl keiner Erläuterung. Deren permanente Konflikte mit Rom sind legendär, auch wenn sie dank des diplomatischen Geschicks und der Diskretion des Nuntius in der Öffentlichkeit immer wieder gemildert wurden, soweit das möglich war. Da war es schon eine glückliche Fügung, dass bei der Verabschiedung des Nuntius nicht mehr sein ewiger Widerpart, der verkappt antirömische Georg Bätzing für die Deutsche Bischofskonferenz sprechen musste, sondern deren neuer Vorsitzender Heiner Wilmer, Bischof von Hildesheim. Und dieser fand warme Worte des Dankes, wie es sich gehört. Und Dank gebührt dem jovialen Kroaten Eterović in der Tat, ganz besonders von Seiten der deutschen Katholiken. In einer Zeit scheinbar unstillbaren Dranges zur Abwendung von Rom, kaum verhüllt durch verbale Kapriolen und sophistische Redensarten, vom notorischen „Zentralkomitee“ der Gremienkatholiken bis tief hinein in die Reihen der Bischöfe, brauchte die Kirche wirklich dringend einen kompetenten Beobachter vor Ort, und zwar einen, der gelegentlich auch mal ein Machtwort sprechen und eine Kurskorrektur einfordern konnte. Solche Mahnungen und Einsprüche im Namen des Papstes waren auf dem berühmt-berüchtigten „Synodalen Weg“ immer und immer wieder vonnöten. Nikola Eterović hat sich dadurch bei vielen deutschen Bischöfen unbeliebt gemacht Aber das war nun mal der Job Description des Nuntius geschuldet. Manch ein Bischof mit uneingestandenen „los-von-Rom“-Neigungen mag nun drei Kreuze machen und darauf hoffen, dass die Ära Eterović bald vergessen werde. Dazu darf man wohl auch den Münchener Oberhirten zählen, der quasi parallel zur Verabschiedung des Nuntius (an der er nicht teilnahm), wieder in die antirömische Kerbe schlug, als er, darin anderen DBK-Mitgliedern folgend, ein von Rom längst verworfenes Verfahren zur Segnung von Homoehen in seiner Diözese einführte. Nur um sich sogleich einen deutlichen Refus des Papstes Leo XIV. einzuhandeln. Auf seinen Nuntius wollte er ja nicht hören. Der wird nicht so schnell vergessen werden, und es wirkt fast wie eine feine List des scheidenden Nuntius, dass er zum Abschied eine Sammlung von Ansprachen aus seinen zwölf Jahren hinterließ. Jeder Besucher des Abschiedsempfangs bekam ein Exemplar geschenkt. Diese Quasi-Festschrift trägt den sprechenden Titel „Stärke deine Brüder – Impulse für eine lebendige Kirche in Deutschland“. Sie zu lesen ist nicht nur ein intellektuelles Vergnügen – lässt sich doch die Entwicklung der Kirche über mehr als ein Jahrzehnt nachverfolgen. Es ist auch eine wirklich aufmunternde Lektüre, denn die spirituelle Ermutigung des Erzbischofs Eterović ist unter den deutschen Katholiken durchaus auf fruchtbaren Boden gefallen. „Stärke deine Brüder“ – das sind nicht die Worte eines klerikalen Reaktionärs, der einer genderpolitischen Umerziehung entgangen ist. Es sind vielmehr die Worte Jesu Christi an seinen Jünger Petrus (Lk. 22, 32). Und diese Worte gelten deshalb für jeden Nachfolger auf dem Stuhle Petri, in dessen Dienst Bischöfe und Nuntien auf der ganzen Welt stehen. Nikola Eterović darf nun mit dem Gefühl in den Ruhestand in seiner kroatischen Heimat gehen, dass er „den guten Kampf gekämpft“ und seinem Herrn gut gedient hat.

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