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Soll man wirklich aufhören, wenn es am schönsten ist?

KLAUS KELLE

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

alles hat seine Zeit, sagt man ja immer so schön, wenn man mit irgendwas aufhören will oder muss, was einem liebgeworden ist.

Nach dem Desaster der FDP bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz hatten nicht wenige Liberale darauf gehofft, dass Christian Lindner zurückkomme und seiner Partei, deren Totenglöckchen schon länger und immer lauter schlägt, noch einmal in die Spur zu helfen. Doch daraus wird nichts.

In der ARD äußerte sich Lindner gestern in der Sendung „Hart aber fair“ wie folgt: „Die Wahrscheinlichkeit, dass ich mich für ein öffentliches Amt noch einmal bewerbe, die geht gegen null.“ Und: „Alles hat seine Zeit. Meine in der Politik liegt hinter mir.“

Noch Fragen?

Natürlich werden sie ihn auch jetzt noch immer mal wieder öffentlich ins Gespräch bringen, an ihn appellieren, an seinem Verantwortungsgefühl rühren, wo er doch seine Karriere nur der FDP zu verdanken habe und so.

Das stimmt einerseits, aber man darf auch die Frage stellen, ob diese FDP, die ja auch 2013 schon einmal aus dem Bundestag geflogen ist, ohne das Ausnahmetalent Lindners überhaupt so weit – sprich: zurück in den Bundestag – gekommen wäre.

Manchmal muss man auch loslassen. Das ist in der Politik ebenso wie im Beruf oder in einer Beziehung. Alles hat seine Zeit, Sie kennen die Wortstanzen dazu.

Zu den aus seiner Sicht richtigen Personen für eine strahlende FDP-Zukunft hat sich Christian Lindner übrigens nicht geäußert, obwohl er ja alle gut kennt, die derzeit so genannt werden. Und man kann sich vielleicht vorstellen, was er dazu denkt, wenn sein Nachfolger Christian Dürr, der erkennbar nicht der Richtige ist, der das Ruder für die FDP noch einmal rumreißen könnte, erklärt, Verantwortung zu übernehmen und zurückzutreten, um dann in ein paar Wochen erneut für den Vorsitz zu kandidieren. Es sind genau diese „Tricky Moves“, die so viele Bürger an der Politik heute abstoßen. Und das zurecht.

Ich hab der FDP keine Ratschläge zu erteilen

Wirklich nicht, obwohl ich den Liberalismus in einer freien Gesellschaft für eines der wichtigsten Elemente überhaupt halte.

Macht, was Ihr wollt! Kubicki, Strack-Zimmermann: Ja, das sind Typen, die für etwas stehen. Aber ist man in dem Alter noch ein Zukunftsmodell?

Wolfgang Kubicki als Bundespräsident – das wäre aus meiner Sicht passend. Und gegenüber dem Amtsinhaber Frank-Walter Steinmeier wäre es ein Quantensprung, der dem Amt des ersten Mannes im Staat wieder zu etwas neuem Glanz verhelfen würde. Aber natürlich machen Sie es nicht.

Weil es in der Politik selten um Überzeugungen und Reformen geht, aber immer um Macht.

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Die FDP ist politisch erledigt, nur ein Wunder kann sie noch retten. Warum sollten Union und SPD oder auch die Grünen einen von dieser am Boden liegenden Partei ins höchste Staatsamt hieven und damit indirekt die Konkurrenz aufpäppeln?

Das gilt übrigens auch für meine Zunft

Schon seit einiger Zeit lasse ich immer mal wieder den Gedanken zu, ob in dieser aufgeheizten Stimmung in Deutschland bürgerlich-konservative Stimmen noch einen „Markt“ haben. Alles hat seine Zeit, ja. Aber woran merkt man, wenn die Zeit vorbei ist?

Mein Freund und Kollege Boris Reitschuster hat das für sich vor zwei, drei Wochen öffentlich thematisiert. Es gibt so viele neue Medien, Influencer und ein hungriges Publikum – habe ich nicht genug getan?

Ja, Boris, hast Du! Du bist einer der besten und wichtigsten freien Publizisten in diesem Land – bis heute. Und Du fragst zurecht, ob Du sieben Tage die Woche 18 Stunden arbeiten willst. Was Du nicht schriebst, ist der Satz: „… und mich dann dafür auch noch anpöbeln lassen muss, wenn ich Putin nicht genug verehre“. Denn auch das gehört zur Wahrheit dazu: Wenn Sie nicht durch einen größeren Medienapparat oder finanziell potente Geldgeber geschützt sind, ist es im politischen Schützengraben verdammt ungemütlich. Zumindest für Bürgerliche.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!

Mit herzlichen Grüßen

Ihr Klaus Kelle

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Klaus Kelle, Chefredakteur