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Irische Aufklärungsflugzeuge entdeckten „Marinera“

16 vollbeladene Tanker der russischen „Schattenflotte“ aus Venezuela Richtung Europa getürmt – was wird die US-Marine jetzt tun?

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Russische Frachtschiffe im Eis des Hafens von Petrosawodsk (Symbolbild)

Die Festnahme des bisherigen venezuelanischen Diktators und Drogenverbrechers Nicolás Maduro hat in den vergangenen beiden Tagen ein maritimes Katz-und-Maus-Spiel zwischen der Karibik und Europa ausgelöst. Im Zentrum 16 verschwundene Tanker, die zur berüchtigten russischen „Schattenflotte“ gehören.

Als amerikanische Delta Force-Spezialkräfte am 3. Januar im Rahmen ihrer „Operation Southern Spear“ den venezolanischen Präsidenten festnahmen, brach automatisch auch das Maduro-System illegaler Ölexporte für die sanktioniert Russen-Flotte innerhalb von Stunden damit zusammen. Während in Caracas die Interimsregierung unter Delcy Rodríguez versuchte, die Kontrolle über das Land irgendwie zu behalten, fiel in den Ölterminals von Puerto José und Jose Terminal eine folgenschwere Entscheidung.

Russische Agenten ordneten an, dass die Kapitäne ihrer „Schattenflotte“ – weltweit über 600 Schiffe mit undurchsichtigen Besitzverhältnissen, die sanktioniertes Öl für Russland, den Iran und Venezuela transportieren – sofort auslaufen sollten. Mindestens 16 schwer beladene Tanker kappten daraufhin ihre Leinen und steuerten auf das offene Meer zu, um der drohenden Beschlagnahmung durch die US-Marine zu entgehen.

Prominentestes dieser Schiffe ist die „Marinera“, die bis vor wenigen Wochen noch unter der Flagge Panamas fuhr und den Namen „Bella 1″ hatte. Kaum hatte das Schiff die venezolanischen Hoheitsgewässer verlassen, begannen Matrosen den Namen zu überpinseln, der Kapitän schaltete den AIS-Transponder ab und hisste die russische Flagge.

Heute schließlich wurde die Marinera von einem Seefernaufklärer „P-3 Orion“ der irischen Luftwaffe in den stürmischen Gewässern westlich von Irland entdeckt. Das Schiff steuert mit hoher Geschwindigkeit nach Nordosten – Zielhafen ist vermutlich das russische Murmansk. Dicht dahinter: Ein Verband der US-Küstenwache und der Zerstörer USS Stockdale, die das Schiff seit Tagen beschatten.

Die Regierung unter Donald Trump stellte klar, dass sie diese Schiffe als „Beute“ und Instrumente der organisierten Kriminalität betrachte. Die USA berufen sich dabei auf das globale Recht, „staatenlose Schiffe“ in internationalen Gewässern zu entern. Doch die russische Flagge auf der Marinera ändert die Spielregeln. Moskau hat bereits eine scharfe Warnung ausgesprochen: Jeder Angriff auf ein russisches Handelsschiff werde als Akt der Piraterie und Aggression gegen die Russische Föderation gewertet.

In Washington wird nun hitzig debattiert, ob man das Risiko trotzdem eingehen soll.

Die US-Küstenwache verfügt auf jeden Fall über die notwendigen Mittel und genügend Einsatzkräfte, aber die politische Fallhöhe könnte groß ein. Ein gewaltsamer Zugriff könnte die ohnehin wackeligen diplomatischen Bemühungen zur Beendigung des Ukraine-Krieges zu nichte machen.

Es geht um mehr als um ein paar Millionen Barrel Öl dabei

Die Ladung der 16 Schiffe hat einen ungefähren Marktwert von mehr als 1,5 Milliarden US-Dollar. Dieses Geld ist die „Kriegskasse“ des alten Maduro-Regimes und russischer Oligarchen. Gleichzeitig ist die aktuelle Situation auch ein Test für die Wirksamkeit westlicher Sanktionen.

Wenn es der Schattenflotte gelingt, die US-Blockade trotz massiver Überwachung zu durchbrechen, wäre dies eine schwere Demütigung für die maritime Vormachtstellung der Vereinigten Staaten. Und weltweite Demütigung – das mag Mr. Trump definitiv nicht.

Die russische Schattenflotte ist wie Russland selbst auch. Sie besteht aus veralteten, schlecht gewarteten Schiffen, die oft ohne Versicherung fahren. Eine Havarie während einer Hochgeschwindigkeitsverfolgung im Nordatlantik würde wohl eine Umweltkatastrophe gigantischen Ausmaßes auslösen.

Während die Welt auf Grönland und die Arktis blickt, hat sich der Brennpunkt der globalen Sicherheit gerade jetzt in den Nordatlantik verlagert.

Die kommenden 48 Stunden werden entscheidend sein. Erreichen die Marinera und ihre Schwesterboote den Schutz russischer oder internationaler Gewässer, oder setzen die USA ein Exempel und entern die Schiffe auf hoher See?

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Klaus Kelle, Chefredakteur