Die „betenden Krieger“: Vor 900 Jahren begann der Aufstieg der Templer zum Finanz- und Militärimperium
Der betende Krieger: ein Sinnbild der historischen Templer
Es war heute vor fast 900 Jahren, am 13. Februar 1129, als der Templerorden auf dem Konzil von Troyes praktisch vollendet wurde. Als kleine Schutztruppe für Pilger im Heiligen Land gestartet, stieg er im Mittelalter zu einer militärischen und geistlichen Eliteeinheit der Christenheit auf, die als „betende Krieger“ in die Geschichte einging und unvergessen bleiben wird.
Dass eine Gruppe bewaffneter Männer die päpstliche Anerkennung erhielt, ist dabei einem beharrlichen Mann zu verdanken: Bernhard von Clairvaux.
Er stand damals vor einer theologischen Herausforderung: Wie ist das Töten im Krieg mit dem christlichen Gebot „Du sollst nicht töten“ zu vereinbaren? Er löste dies schließlich durch den neuen Begriff des „Malizids“ (das Töten des Bösen). In seiner berühmten Schrift „Lob der neuen Ritterschaft“ unterschied er den weltlichen Ritter, der aus Eitelkeit und Ruhmsucht kämpfte, vom Templer, der für eine höhere Sache zur Waffe griff. Für Bernhard war der Templer ein „Monachus et Miles“ – Mönch und Soldat zugleich. Ohne sein diplomatisches Geschick und seine Nähe zum Papst hätte der Orden vermutlich nie die Privilegien erhalten, die ihn später so mächtig machten.
Die Notwendigkeit christlicher Kampfeinheiten ergab sich aus der schon damals höchst instabilen Lage im Nahen Osten
Nach dem Ersten Kreuzzug war Jerusalem zwar in christlicher Hand, doch die Wege dorthin blieben für Pilger lebensgefährlich. Räuberbanden und fanatische muslimische Truppen, die den Kampf gegen die „Ungläubigen“ als religiöse Pflicht sahen, machten die Straßen unsicher. Hugo von Payns, Gründer und erster Großmeister des Templerordens, war nach dem Ersten Kreuzzug ins Heilige Land gereist und erschüttert von den brutalen Überfällen auf wehrlose Pilger. Im Namen Allahs wurde damals wie heute gemordet, was den Schutz der Gläubigen zu einer existenziellen Aufgabe machte. Besonders die berüchtigte Sekte der Assassinen verbreitete damals mit ihren fanatischen Selbstmordattentaten Schrecken – eine frühe Form des religiösen Terrors, dem die Templer als eiserne Schutzmacht gegenüberstanden.
Im Jahr 1119 schloss sich Hugo mit acht weiteren Rittern (darunter Gottfried von Saint-Omer) zusammen, legten vor dem Patriarchen von Jerusalem die Gelübde der Armut, Keuschheit und des Gehorsams ab, um als militärischer Arm der Kirche dieser Bedrohung entgegenzutreten.
Die Ordensregel, überschrieben mit „Gehorsam bis in den Tod“, legte fest, dass ein Tempelritter kein Privateigentum besitzen durfte. Selbst Briefe von den Eltern durften nur im Beisein des Meisters gelesen werden. Die Ritter mussten schweigend essen, Fleisch gab es nur dreimal die Woche. Übermäßiges Lachen und „Geschwätz“ waren verboten.
Das markanteste Merkmal, das in Troyes festgelegt wurde, war allerdings der weiße Mantel der Templer – weit mehr als nur eine Kleidung. Der Ordensmantel war ein theologisches Statement: Weiß stand dabei für die Reinheit und das abgelegte „finstere Leben“ der Welt. Bernhard von Clairvaux sah darin das Zeichen, dass die Ritter dem Fleischlichen entsagt hatten. Weiße Mäntel waren den adligen Rittern vorbehalten. Die dienenden Brüder und Sergeanten mussten braune oder schwarze Gewänder tragen, um die hierarchische Ordnung und den Stand der Demut zu verdeutlichen. Das berühmte rote Kreuz wurde übrigens erst Jahre später von Papst Eugen III. verliehen.
Mit dem 13. Februar 1129 begann der rasante Aufstieg eines Finanz- und Militärimperiums. Durch die kirchliche Anerkennung flossen Schenkungen in Form von Land, Gold und Söhnen des Adels in den Orden. Der Grundstein für die Legende, die bis heute Romane und Filme inspiriert, wurde an diesem Tag in der Champagne gelegt.
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