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Großbritannin schickt Truppen in den Nahen Osten

Keine Landerechte für Amis in Italien und Spanien: Eskaliert der Streit in der NATO jetzt komplett?

KLAUS KELLE
Global einsatzfähig: Amerikanischer Militärtransporter

Der italienische Flughafen Sigonella hat für die NATO und die USA eine ähnliche Relevanz wie der deutsche Flughafen in Ramstein. Und dennoch unterscheiden sich beide Drehkreuze des westlichen Militärbündnisses. Ramstein dient den Amerikanern als primäres Logistik- und Lufttransportdrehkreuz für Operationen in Europa und Afrika sowie als Schlüsselpunkt für die Koordination der Hilfe an die Ukraine. Sigonella dagegen ist die zentrale Basis für die US Navy im Mittelmeer und unterstützt Operationen der 6. Flotte sowie anderer NATO-Kräfte. Was beide Basen eint: Sie sind mittendrin in die aktuellen Konflikte im Nahen Osten und der Ukraine eingebunden.

Nun hat Italiens Verteidigungsminister Guido Crosetto, ein Mann aus Melonis Fratelli d’Italia, den US-Flugzeugen, die im Einsatz unterwegs in den Nahen Osten sind, verboten, auf ihrem Weg auf der Basis in Sigonella zwischenzulanden.

Tatsächlich war das aber kein unfreundlicher Akt gegenüber dem mächtigen Verbündeten, sondern eher eine Frage des Prinzips.

Denn Italien wurde über die Mission der Amerikaner erst informiert, als die Flugzeuge schon lange in der Luft waren. Niemand hatte die italienischen Verbündeten vorher um eine Genehmigung gefragt. Die Amerikaner machen es halt, weil sie die Amerikaner sind. Und die Italiener spielen dieses Mal nicht mit.

Es ist anzunehmen, dass dieser kleine Konflikt zwischen Washington und Rom auf dem kleinen Dienstweg schnell beigelegt werden kann.

Nicht so der mit Spanien

Denn der dortige Ministerpräsident Pedro Sánchez und seine Regierung beurteilen den amerikanischen Angriff auf den Iran als völkerrechtswidrig. Das Land will im Nahost-Konflikt weiter eine neutrale Rolle einnehmen und nicht Kriegspartei werden. Die gemeinsam mit den USA betriebenen Stützpunkte – Rota und Morón – werden deshalb derzeit nur für Zwecke genutzt, die durch bestehende bilaterale Abkommen oder die UN-Charta gedeckt sind.

Die Folge: US-Flugzeuge, wie etwa die B-52-Bomber, müssen weite Umwege um die Iberische Halbinsel fliegen, was zusätzliche Tankstopps (z. B. auf den Azoren) erforderlich macht und die Kosten sowie die Komplexität der Einsätze deutlich erhöht.

Bezieht man in die Betrachtung der real existierenden NATO dann noch das ständige Blockieren Ungarns und der Slowakei im Bündnis und in der EU bei Maßnahmen gegen Russland mit ein, dann zeigt sich, wie fragil das mächtige Militärbündnis im Ernstfall ist.

Kein Wunder, dass US-Präsident Donald Trump richtig sauer ist

Denn schon in seiner ersten Amtszeit (2017–2021) äußerte er sich immer wieder äußerst skeptisch darüber, was das Bündnis eigentlich für die Amerikaner bringe, die das Rückgrat der NATO stellten. Durch erheblichen Druck brachte er die europäischen Verbündeten wenigstens dazu, ihre Rüstungsausgaben massiv zu erhöhen – immerhin. Aber das Durcheinander jetzt nervt Trump total. Und sein Bannstrahl trifft auch Deutschland und besonders Großbritannien.

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NATO-Länder, die den Iran-Krieg nicht aktiv unterstützen, wie etwa Großbritannien, „das sich geweigert hat, sich an der Enthauptung Irans zu beteiligen“, sollten ihr Öl dann entweder in den USA kaufen oder es selbst von der Straße von Hormus holen, so Trump auf seiner Plattform Truth Social. Länder wie das Vereinigte Königreich müssten „lernen, für euch selbst zu kämpfen“, und: „Die USA werden nicht mehr da sein, um euch zu helfen, so wie ihr nicht für uns da wart.“

In Moskau und Peking knallen vor dem Hintergrund dieses Streits die Sektkorken

 Aber man soll bekanntlich den Tag auch nicht vor dem Abend loben. Denn so richtig Trump mit seiner oft scharfen Kritik auch liegt: Partner sind Partner, und es gibt Spielregeln, an die sich alle Partner halten müssen. Sonst funktioniert es für alle nicht.

Es ist im Interesse des Westens insgesamt, dass man zu Geschlossenheit und alter Stärke zurückfindet. Und die USA merken ja gerade an den aktuellen Beispielen Italien und Spanien, dass sie auch Freunde in aller Welt brauchen. Und die NATO-Staaten sind normalerweise gute Freunde. Mit Italien wird sich die Verstimmung schnell wieder einrenken. Wenn Viktor Orbán in Ungarn in zwei Wochen Geschichte ist, kann man davon ausgehen, dass Péter Magyar das Land zügig zurück in den Kreis der westlichen Nationen zurückführen wird.

Und dann ist da Donald Trump selbst, dessen Amtszeit in zwei Jahren ausläuft. Vorher wird die NATO nicht aufgelöst, weil das so schnell gar nicht möglich ist – und weil die politischen Mehrheiten in den Vereinigten Staaten auch anders sind. Trumps aktuelle Umfragewerte dürften im Weißen Haus jedenfalls mit Sorgenfalten zur Kenntnis genommen werden.

Eben kommt eine „Breaking News“ herein

Großbritannien kündigt an, Truppen in den Nahen Osten zu entsenden, um die arabischen Verbündeten dort gegen iranische Attacken zu verteidigen. Und in Russland ist vor einer Stunde erneut eine Ölraffinerie explodiert und brennt aus. Der Westen ist noch lange nicht am Ende.

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Klaus Kelle, Chefredakteur