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Angela Merkel und Olaf Scholz als Ziele

Mörderische Kopfgeld-Sammlung: „Reichsbürger“ aus Dortmund fühlte sich im „Darknet“ sicher – aber deutsche Dienste haben dazugelernt

RED
Allein im Darknet? Nimand ist mehr allein im Internet
Tief verborgen in den verschlüsselten Ebenen des „Darknets“ und nur über spezialisierte Browser und kryptische Adressen zu finden, existierte ein Ort, der die dunkelsten Fantasien deutscher Systemfeinde bis vergangenen November bündelte.  Die Plattform trug den Titel „Assassination Politics“, und dr Name sollte Programm werden. Wer die Seite aufrief, blickte auf ein digitales Schafott. In nüchterner Web-Optik waren dort die Namen von rund 20 Repräsentanten der Bundesrepublik Deutschland aufgelistet – versehen mit Titeln wie „Volksverräter“ und unterlegt mit fiktiven „Todesurteilen“. Wer auf diese Plattform stieß, fand eine moderne Form der Kopfgeldausschreibung. Nutzer konnten anonyme Beträge in Kryptowährungen auf spezifische Wallets einzahlen, um die Ermordung von Politikern, Richtern und Staatsanwälten zu finanzieren.
Heute hat die Bundesanwaltschaft vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Düsseldorf Anklage gegen den Betreiber dieser Seite erhoben. Vorwurf: Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat und Finanzierung von Terrorismus.
Die Ermittler sind überzeugt, dass es sich hier nicht um dumme Internet-Trollerei handelte. Durch das aktive Sammeln von Geldern und das Bereitstellen von detaillierten Anleitungen zum Bau von Sprengvorrichtungen habe der Beschuldigte die Rote Linie zur unmittelbaren Gefährdung des Staates überschritten.
Wer ist der Täter?
Hinter dem Pseudonym im Darknet steckte ein 49-jähriger Deutsch-Pole namens Martin S., der bis zu seiner Festnahme im November 2025 ein scheinbar unauffälliges Leben in Dortmund führte.
Doch der Mann war getrieben durch seine tiefe Verachtung für die demokratische Grundordnung. „Einsamer Wolf“, so nennt man Leute wie S. in Sicherheitsdiensten. Die Bundsanwaltschaft teilt mit, das der Angeklagte sich wohl während der Corona-Pandemie radikalisiert hatte. Die Ermittler ordnen ihn der „Reichsbürger“-Szene zu. Dass er dieser Ideologie anhängt, beweisen Dokumente , die Beamte des Bundeskriminalamts (BKA) in seiner Wohnung fanden, in denen er die Existenz der Bundesrepublik leugnete und sich selbst als „indigener Einwohner des Preußischen Staates“ bezeichnete. Vorher war S. deutschen Verfassungsschützer auch schon bei Demonstrationen aufgefallen, bei denen er Polizisten als „Söldner einer Firma“ beschimpfte – ein typisches Narrativ der Szene.
Lange Zeit glaubte Martin S.,  im Darknet sei er sicher. Er nutzte das Tor-Netzwerk, um seine IP-Adresse zu verschleiern. Doch die deutschen Sicherheitsbehörden haben in den vergangenen Jahren massiv aufgerüstet. Der entscheidende Hinweis kam vom Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV), das die Seite „Assassination Politics“ frühzeitig im Blick hatte.
Spezialisten des BKA gelang es schließlich durch eine sogenannte „Timing-Analyse“ und die Überwachung von Tor-Eintrittsknoten, das Datenaufkommen seinem physischen Internetanschluss in Dortmund zuzuordnen. Die Festnahme durch die GSG 9 erfolgte im November mit militärischer Präzision. Um zu verhindern, dass S. beim Zugriff eine „Panic-Button“-Verschlüsselung aktiviert, wurde er im Freien überwältigt, während er gerade sein Haus verließ. Sein entsperrter Laptop lieferte den Ermittlern die Beweise auf dem Silbertablett: Zugriffszahlen, Wallet-Adressen und die Entwürfe für die Todesliste, auf der prominente Namen wie Olaf Scholz, Angela Merkel und die einst grüne Aktivistin Jutta Ditfurth standen.
Das Verfahren vor dem OLG Düsseldorf wird als wegweisend für den Umgang mit digitalem Terrorismus betrachtet.
Martin S. droht eine mehrjährige Haftstrafe. Allein für die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat sieht das Gesetz bis zu zehn Jahre Gefängnis vor. Hinzu kommt die Terrorismusfinanzierung durch das Sammeln der Kopfgelder. Erschwerend könnte sich auswirken, dass er nicht nur Namen nannte, sondern durch die Anleitungen zum Bombenbau Dritten die Werkzeuge für Anschläge an die Hand gab.

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Klaus Kelle, Chefredakteur