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China und Indien schauen nicht mehr einfach zu

„Mondbasis Donald Trump“? Der neue Wettlauf um die Vorherrschaft auf dem Mond entwickelt sich rasant

RED
Längst kein Science Fiction mehr: Modell einer Basis auf dem Mond.
Während im Internet Schwachsinns-Erzählungen weiter Konjunktur haben, dass die Landung der Amerikaner auf dem Mond am 21. Juli 1969 gar nicht stattgefunden haben könnte, beginnt die US-Raumfahrtbehörde erneut, ein ganz großes Rad zu drehen. Unter Führung von Jared Isaacman hat die NASA eine radikale Neuausrichtung angekündigt. Kern soll dabei der Abschied von der geplanten Mond-Raumstation „Gateway“ zugunsten einer direkten, permanenten Präsenz auf der Mondoberfläche sein. Ältere von Ihnen erinnern sich vielleicht noch an die Fernsehserie „Mondbasis Alpha 1“ aus den siebziger Jahren …
Der „Ignition“-Plan, den Isaacman gerade in Washington vorgestellt hat, markiert das Ende des „Gateway“-Projekts. Die Raumstation im Mondorbit, an der auch die europäische ESA maßgeblich beteiligt war, soll nun „eingestampft“ werden. Statt Milliarden US-Dollar in eine orbitale Zwischenstation zu investieren, die zu Recht als bloßes logistisches Nadelöhr kritisiert wird, fließen die Mittel nun direkt in den Bau des „Artemis Base Camp“ am Südpol des Mondes.
Rund 20 Milliarden Dollar sind für die nächsten sieben Jahre bereitgestellt. Weitere 10 Milliarden sollen nach 2032 folgen.
Die Umsetzung wird über Dutzende Missionen geplant, mit denen Infrastruktur, Habitate und Energieversorgung zum Mond transportiert werden. Der Beginn des Baus auf dem Mond soll dann – was sonst – noch in der Amtszeit von US-Präsident Donald Trump erfolgen. Und wir beginnen zu ahnen, wie die Mondbasis heißen wird…
Der militärische und geopolitische Faktor
Die Beschleunigung des Programms ist kein reines Forschungsprojekt, sondern ein Wettlauf um nationale Sicherheit und auch zukünftige strategische Vorherrschaft. Denn der Rivale China plant mit seiner „International Lunar Research Station“ (ILRS) ebenfalls eine Basis auf dem Erdtrabanten bis 2035. Die USA befürchten nun offenbar, dass Peking durch eine frühe Präsenz die Kontrolle über strategisch wichtige Ressourcen beanspruchen könnte. Denn bekannt ist: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst …
Doch das ist nur ein Aspekt, denn in Zeiten globaler militärischer Spannungen, die derzeit eher noch zunehmen, ist die Ökonomie nur ein Nebenfaktor.
Die beiden Supermächte – und Indien als Tiger auf dem Sprung nach ganz vorn – betrachten den Mond inzwischen als eine Art ultimatives militärisches Hochplateau. Eine Basis auf dem Mond: Von dort aus könnte derjenige, der dort fest stationiert ist, ungestört die Überwachung des erdnahen Raums perfektionieren, militärische Systeme von hier aus steuern und Erdsatelliten konkurrierender Staaten stören oder auch zerstören.  Isaacman deutlich: „Amerika wird den Mond nie wieder aufgeben.“
Um die Versorgung der Basis während der zweiwöchigen Mondnächte zu sichern, setzt die NASA übrigens auf Kernenergie. Mini-Kernreaktoren sollen die zukünftige Station unabhängig von Sonnenlicht machen. Noch vor Ende 2028 soll ein ebenfalls nuklearbetriebenes Raumschiff zum Mars starten. Es wird drei Hubschrauber (Nachfolger von Ingenuity) absetzen, um nach unterirdischem Wasser und Landeplätzen für bemannte Missionen zu suchen.
Für die internationalen Partner der NASA wie die ESA ist die Kursänderung ein Schock, da europäische Module bereits in der Entwicklung waren. Doch für die USA zählt jetzt nur noch das Tempo. Mit Jared Isaacman an der Spitze wandelt sich die NASA von einer längst behäbig gewordenen Behörde wieder zu einem dynamischen Akteur, der eng mit Firmen wie „SpaceX“ und „Redwire“ verzahnt ist.

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Klaus Kelle, Chefredakteur