ROM/MÜNCHEN – In der kargen Bergregion nahe der österreichischen Grenze, dort, wo die Transalpine Pipeline (TAL) durch das zerklüftete Gelände von Terzo di Tolmezzo verläuft, wurde in der Nacht vom 26. auf den 27. März die krtische Infrastruktur Europas angegriffen und der Rohölfluss nach Süddeutschland für drei Tage unterbrochen. Was zunächst wie eine technische Störung im italienischen Stromnetz aussah, entpuppte sich nach Medien-Recherchen als präziser Sabotageakt.
Terzo di Tolmezzo liegt an der Route der TAL, die Rohöl vom Hafen Triest über die Alpen bis nach Ingolstadt pumpt. Die dortige Pumpstation ist dabei ein neuralgischer Punkt: Fällt hier der Druck ab, stockt der Fluss von täglich bis zu 120.000 Tonnen Rohöl gravierend.
Der Verlauf des Anschlags Ende März zeugt nicht nur von hoher krimineller Energie und erheblichem technischem Fachwissen der Täter. Denn die attackierten nicht nur die Pipeline selbst – was eine massive Umweltkatastrophe ausgelöst und sofortige Aufmerksamkeit erregt hätte –, sondern die externe Stromversorgung der Pumpstation. Durch das gezielte Kappen der Energiezufuhr fielen die massiven Pumpen aus. Der Ölstrom kam binnen Minuten zum Erliegen. Die Schäden an der Anlage selbst waren zwar reparabel, doch der systematische Stillstand der wichtigsten Versorgungsader Süddeutschlands war ein beunruhigender Erfolg der Saboteure.
Die Auswirkungen des Stillstands trafen Bayern und Baden-Württemberg mit Verzögerung, dann aber heftig. Da die TAL die Raffinerien in Ingolstadt, Vohburg und das MiRO-Werk in Karlsruhe speist, sank die Rohölzufuhr für die Kraftstoffproduktion über Tage hinweg bis auf null. Die Versorgung mit Benzin, Diesel und Flugkraftstoffen stand auf der Kippe. In einer Region, die kaum über alternative Pipeline-Anbindungen verfügt und im Frühjahr 2026 bereits mit volatilen Energiemärkten kämpfte, drohten leere Zapfsäulen und Flugausfälle an den Drehkreuzen München und Stuttgart. Erst durch den Einsatz von Notstromaggregaten und eine massive Erhöhung der Sicherheitsvorkehrungen entlang der Trasse konnte die TAL den Betrieb nach Tagen wieder stabilisieren.
Wer steckt dahinter?
Offiziell gelten die Kriminellen als unbekannt, doch die italienischen Ermittlungsbehörden arbeiten unter Hochdruck. Das deutsche Bundeskriminalamt (BKA) ist in ständigem Kontakt mit den Kollegen in Italien, wie ein Sprecher des Bundesinnenministeriums bestätigte. In Sicherheitskreisen werden zwei Hauptszenarien diskutiert:
- Professionelle Söldner im Auftrag staatlicher Akteure: Das häufigste Schlagwort in diesem Zusammenhang ist Russland. Experten für hybride Kriegführung sehen im Anschlag ein klassisches Muster russischer Destabilisierungsversuche: Es wird kein offener Krieg geführt, aber die wirtschaftliche Basis des Gegners – in diesem Fall die Energieversorgung – wird durch verdeckte Operationen angegriffen. Ziel wäre es, die politische Unterstützung für die Ukraine in Deutschland durch sozialen Druck und steigende Preise zu untergraben.
- Extremistische Gruppierungen: Auch wenn die technische Präzision eher für staatliche Profis spricht, wird die Beteiligung militanter Aktivistengruppen geprüft. In der Vergangenheit gab es in Italien wiederholt Angriffe auf Infrastrukturprojekte durch anarchistische oder linksradikale Umweltgruppen, doch die TAL-Sabotage übersteigt deren bisheriges Aktionsniveau deutlich.
Der Buchautor Thorsten Mann warnt seit Jahren unter anderem in seinem verstörend schlüssigen Buch „Weltoktober“ vor der Gefahr einer „Operation Ouvertüre“, mit der Moskau den Angriff auf Europa vorbereitet. Dieser Begriff stammt ursprünglich vom GRU-Überläufer Viktor Suworow, der ihn 1987 in seinem Buch „Speznas“ verwendete. Suworow war damit nicht allein, auch Jan Sejna und Stanislav Lunev haben damals über die russischen Pläne zur Sabotage wichtiger westlicher Infrastruktur im Vorfeld eines Krieges gesprochen.
Der Anschlag von Terzo di Tolmezzo hat die tiefe Verwundbarkeit auch der deutschen Energieversorgung erneut gezeigt. Die Bundesregierung hat reagiert und die Sicherheitsstufen für Raffinerien und Pipelines verschärft.