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Nachdem Christian Lindner abgewunken hat

Überlebenskampf der FDP: Jetzt wirft Wolfgang Kubicki seinen Hut in den Ring

KLAUS KELLE
Wull Parteichef werden: FDP-Urgestein Wolfgang Kubicki

Nach den Wahlklatschen der jüngsten Zeit gibt es für die FDP nur noch wenige personelle Alternativen, wenn sie doch eine Zukunft in Deutschland haben will. Nachdem der frühere Parteichef Christian Lindner unmissverständlich ausgeschlossen hat, an die Spitze seiner Partei zurückzukehren, und sein Nachfolger Christian Dürr nicht einmal ansatzweise performed, richteten sich alle Augen auf den, der wohl die letzte Chance für das Überleben der FDP sein dürfte: Wolfgang Kubicki (74).

Stellvertretender Vorsitzender ist er jetzt noch, nun hat er angekündigt, neuer Parteichef werden zu wollen. Gegenüber der „Bild am Sonntag“ (BamS) sagte er: „Ich werde den Delegierten meiner Partei im Mai ein Angebot machen, bei dem sie sicher sein können: Ich werde alles tun, die Partei wieder erfolgreich zu machen.“ Das Büro des Politikers bestätigte den Bericht zu den Plänen des 74-Jährigen.

Die FDP war im März bei Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg jeweils an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert. In Rheinland-Pfalz war sie bis dahin sogar Koalitionspartner in der Landesregierung. Im vergangenen Jahr war die FDP schon aus dem Bundestag geflogen – auch das direkt aus einer Regierungskoalition.

Kubicki will nun seiner traditionsreichen Partei, die zum politischen Inventar der alten Bundesrepublik zählt, neues Selbstbewusstsein einhauchen und wieder mitmischen bei den großen politischen Debatten in Deutschland.

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Nach dem schlechten Abschneiden der FDP zuletzt bei den Landtagswahlen im Südwesten war der Bundesvorstand um den Vorsitzenden Christian Dürr komplett zurückgetreten. Dürr kündigte aber gleich an, wieder für den Vorsitz kandidieren zu wollen. Dann erklärte auch der nordrhein-westfälische FDP-Landes- und Fraktionsvorsitzende Henning Höne, sich für den Chefposten bewerben zu wollen. Er hat den größten Landesverband hinter sich – 17.000 der bundesweit 68.000 FDP-Mitglieder sind in Nordrhein-Westfalen.

Agnes-Marie Strack-Zimmermann, streitbare Verteidigungspolitikerin und Europaabgeordnete sowie eines der wenigen verbliebenen markanten Gesichter der FDP, hatte vergangene Woche auch angekündigt, kandidieren zu wollen. Nun hat sie das zurückgenommen und will wohl Höne unterstützen.

Ist Wolfgang Kubicki mit 74 Jahren ein Zukunftsmodell?

Zumindest ist er streitbar, ein echter Liberaler, der nicht in einer Traumwelt unterwegs ist und die Probleme Deutschlands in Talkshows und Interviews seit Jahren immer wieder klar benannt hat – egal, ob das gerade die Linie seiner Partei ist oder nicht. Ein Politiker, der einfach das sagt, was er denkt. Eigentlich genau das, was unser Land braucht, ebenso wie eine liberale Kraft in den Parlamenten, die dem Etatismus und der Bürokratie erkennbar entgegentritt und die wieder zu einer echten Lobby für die Mittelständler und Freiberufler in Deutschland wird.

Kubicki trat 1971 im Alter von 19 Jahren in die FDP ein. Nach der Bundestagswahl 1990 zog er erstmals über die Landesliste Schleswig-Holstein in den Bundestag ein. Sollte Kubicki zum Parteivorsitzenden gewählt werden, will er den bayerischen FDP-Politiker Martin Hagen als Generalsekretär.

Ich finde, die FDP ist zum ersten Mal seit Jahren wieder spannend …

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Klaus Kelle, Chefredakteur