Zum Hauptinhalt springen

Eine ganz neue „Zeitenwende“ droht

Versuchen US-Oligarchen und der Kreml, alte russische Pipeline-Träume aufleben zu lassen und Deutschlands Infrastruktur in die Zange nehmen?

KLAUS KELLE
Benzintanks von TanQuid im Düsseldorfer Hafen

Der US-Ölmulti Sunoco hat vor wenigen Tagen die Kontrolle über zentrale Tanklager in Deutschland übernommen. Schaut man genauer hin, dann hat damit in Wirklichkeit ein gefährliches Spiel begonnen, das die deutsche Souveränität erheblich beeinträchtigen könnte. Der Verkauf von „TanQuid“, Deutschlands dominierendem Akteur bei der Lagerung von fossilen Brennstoffen, an den US-Konzern Sunoco wurde am 16. Januar abgeschlossen. Hinter Sunoco steht Kelcy Warren, ein milliardenschwerer Öl-Tycoon und ein wichtiger Finanzier der Trump-Wahlkampagne.

Das Bundesfinanzministerium in Berlin winkte den „Deal“ durch, hatte aber wohl auch keine echte Handhabe dagegen, selbst wenn es gewollt hätte. Angeblich gebe es „geheime Auflagen“, behaupten die Grünen.

Auflagen oder nicht: In diesen Zeiten der höchst angespannten geopolitische Gemengelage, werden Energieversorgung und Pipelines zu einem gefährlichen Politikum.

Denn TanQuid ist kein gewöhnliches Unternehmen

Es kontrolliert nun ein Fünftel der deutschen Lagerkapazitäten für Benzin, Diesel und Heizöl. Und es ist gleichzeitig an der Fernleitungs-Betriebsgesellschaft (FBG) beteiligt. Über deren Netz wird der Treibstoff für NATO-Flugplätze geliefert wird – auch für den Standort Büchel, wo die amerikanische „nukleare Teilhabe“ Deutschlands stationiert ist. Gibt man so etwas aus der Hand, auch wenn der Käufer aus den USA kommt, also dem wichtigsten Verbündeten Deutschlands, wenn es um unsere Sicherheit geht?

Der Alarm, den die Grünen auslösen, die vor einem „Ausverkauf kritischer Infrastruktur“ warnen, muss ernstgenommen werden.

Die Gefahr ist dabei nicht, dass Warren morgen die Hähne zudrehen könnte oder wollte. Die Gefahr bestünde eher in einer subtilen Erpressbarkeit Deutschlands bei Handelskonflikten oder Meinungsverschiedenheiten innerhalb der NATO. Das der US-Präsident keine Skrupel hätte, im ernsten Konfliktfall die jetzt bestehende teilweise Kontrolle über unsere Infrastruktur als Faustpfand zu nutzen, davon können wir, davon müssen wir ausgehen.

Der ganze Vorgang schlägt auch eine Brücke zur „Nord Stream“-Pipeline

Denn das gerade vereinbarte rein transatlantische Geschäft hat einen Haken, der bisher überhaupt nicht im Fokus steht.

Im Frühjahr des vergangenen Jahres tauchten Medienberichte über „Geheimgespräche“ zwischen US-Vertretern und dem Kreml auf, bei denen es angeblich um eine Neuordnung der europäischen Energiemärkte ging.

Diese Gespräche fanden wohl Anfang März 2025 in der schweizerischen Stadt Steinhausen (Kanton Zug) statt, in der sich der Hauptsitz der Betreibergesellschaft Nord Stream 2 AG befindet.

Und es waren keine Leichtgewichte da

Die Trump-Regierung hatte Richard Grenell geschickt, ehemaliger US-Botschafter in Deutschland. Er soll sogar mehrfach für inoffizielle Gespräche über Nord Stream in die Schweiz gereist sein.

Und natürlich war Matthias Warnig dabei, ehemaliger CEO der Nord Stream 2 AG und langjähriger Vertrauter von Wladimir Putin. Warnig ist das, was man eine schillernde Persönlichkeit nennt. Schon als 18-Jähriger verpflichtete er sich als hauptamtlicher Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit (Stasi). Dort wurde er bei der Hauptverwaltung Aufklärung (HVA), ausgebildet.

Ab 1986 wurde Warnig in Düsseldorf als Spion gegen die Dresdner Bank geführt. nach dem Mauerfall 1990 begann er eine steile Karriere als Banker.

Warnig lernte Putin im Januar 1989 in Dresden bei einem Fest des KGB (heute FSB) kennen.

 

Über das Geheimtreffen in Steinhausen wurde bekannt, dass auch eine Gruppe von US-Investoren Interesse signalisiert habe, Anteile an der Pipeline zu übernehmen, um sie vor dem drohenden Bankrott zu retten und den Betrieb unter neuen Bedingungen wieder aufzunehmen.

Ein großer Deal zwischen schwerreichen Trump-Freunden und Putins Russland mit dem Ziel, über die Köpfe der Deutschen und Europäer hinweg, Nord Stream 2 doch noch zu einer sprudelnden Erdgas-Quelle für Europa und damit Geldquelle für die marode russische Staatswirtschaft zu machen. Ein Horrorszenario…

Denn wer die Lagerhäuser (TanQuid) und die Verteilung kontrolliert, bestimmt auch über die Verwertung der Importe – egal ob diese per LNG aus den USA oder durch Pipelines aus Russland kommen. Ein US-Eigentümer mit guten Drähten zum Kreml und zum Weißen Haus könnte so zum zentralen Makler der deutschen Energieversorgung aufsteigen. So würde der perfide russische Plan, den führende SPD-Politiker (Schröder, Schwesig u.a.) über Jahre verfolgten, um Deutschland bei der Energieversorgung in eine tiefe Abhängigkeit von der Russischen Föderation zu führen, doch noch aufgehen. Unsere kritische Infrastruktur wäre dann nicht mehr ein nationales Sicherheitsgut, sondern Teil eines globalen Oligarchen-Portfolios.

Als Reaktion auf die massiven Bedenken der Grünen argumentiert die Bundesregierung übrigens jetzt, dass man einem NATO-Partner den Kauf nicht verwehren könne. Doch diese Sichtweise lässt außer Acht, dass die Grenzen zwischen staatlicher Politik und privaten Wirtschaftsinteressen in den USA anscheinend deutlich aufgeweicht wurden.

Betrachtet man also den aktuellen TanQuid-Deal im Zusammenhang mit dem Thema Nord Stream offenbart sich die Gefahr, dass Deutschland bei dieser ganzen Rochade nur noch ein Spielball wäre.

Wenn die Leitungen für den Militärsprit einem Trump-Unterstützer gehören und gleichzeitig über die Wiederaufnahme von Gaslieferungen aus Russland spekuliert wird, ist die deutsche „Zeitenwende“ greifbar. Allerdings ganz anders, als sich Ex-Kanzler Olaf Scholz (SPD) das damals vorgestellt hat…

Spendenaufruf

+++ Haben Sie Interesse an politischen Analysen wie diesen?
+++ Dann unterstützen Sie unsere Arbeit
+++ Mit einer Spende über PayPal@TheGermanZ
oder einer Überweisung auf unser Konto DE03 6849 2200 0002 1947 75 +++


Klaus Kelle, Chefredakteur