Wussten Sie, dass Ghislaine die Tochter von Robert Maxwell ist?
Erstaunliche Wende im Epstein-Komplex: Die „Honigfalle“ kennen wir doch noch von früher
Der klassische „Honey Pot“ russischer Geheimdienste.
Die Schauspielerin Larissa Kronberg (34) hieß eigentlich Larissa Sobolewskaja und arbeitete für den sowjetischen Geheimdienst KGB, als sie in den späten 50er-Jahren über den Dichter Sergei Michalkow bei einem gesellschaftlichen Anlass den französischen Botschafter in Moskau, Maurice Dejean (58), kennenlernt. Sie sei unglücklich verheiratet, erzählte Kronberg dem bis dahin untadeligen Diplomaten, der bekannt war für ein durchaus genussreiches Leben. Und sie weckte so sein Interesse.
Über mehrere Monate wurde der Kontakt geschickt aufgebaut und gepflegt, und 1958 verabredete man sich dann zum sehr persönlichen Miteinander in einer konspirativen Wohnung in Moskau. Während man sich körperlich schnell näherkam, stürmten zwei KGB-Agenten die Wohnung, von denen einer den wütenden Ehemann Larissas spielte. Die überraschten Gäste zerrten den französischen Diplomaten aus dem Bett und verprügelten ihn fürchterlich.
Kronberg spielte die verzweifelte Ehefrau, der vorgebliche „Ehemann“ und sein „Freund“ drohten, Dejean bei der Polizei anzuzeigen, was einen internationalen Skandal zur Folge gehabt hätte.
Doch da tauchte – zufällig – ein russischer „Bekannter“ Dejeans auf, der auch für den KGB arbeitete, und bot angesichts der pikanten Situation seine Hilfe an. Um Aufsehen zu vermeiden, werde er seine „Kontakte zur Moskauer Miliz“ nutzen, um den Botschafter aus der peinlichen Lage zu befreien und vor einer Gefängnisstrafe zu bewahren. Dejean sagte ohne zu zögern zu, und kurz darauf meldeten sich ein paar Herrschaften vom KGB, um im Gegenzug für Dejeans Ruf und Ehre ein paar kleine Gefälligkeiten zu verlangen.
Anstatt den Vorfall sofort bei seiner Regierung zu melden, hielt Dejean die Affäre geheim, was ihn für Jahre erpressbar machte.
Dejean lieferte dem KGB Details über Frankreichs Haltung zum Nahen Osten nach der Suezkrise. Der KGB erhielt von ihm Zugang zu internen Einschätzungen über die Sicherheitslage Westeuropas und die Koordination der westlichen Geheimdienste. Der französische Botschafter empfahl Paris eine sowjetfreundlichere Politik und so weiter. Der KGB wertete die Operation intern später als einen seiner größten Erfolge, da man den Botschafter einer westlichen Großmacht über Jahre als Einflussagenten geführt hatte.
Alles flog erst 1964 auf, als der KGB-Offizier Juri Nosenko in den Westen überlief und die Details der Operation preisgab. Dejean wurde daraufhin sofort nach Paris zurückbeordert und entlassen.
An Geschichten wie diese, die ich schon seit den 70er-Jahren aus dem Standardwerk „KGB“ von John Barron kenne, erinnere ich mich in diesen Tagen immer wieder, da die Medien voller Geschichten und Enthüllungen über Jeffrey Epstein stehen und sich eine Systematik all der Vogänge ganz von selbst bildet.
Barron beschrieb in seinem internationalen Bestseller die „Honey Pot“-Methode russischer Geheimdienste: junge, attraktive Frauen an mächtige Männer heranzuspielen, die eitel, einsam oder sexuell seltsam orientiert sind, und sie in eine sexuelle Abhängigkeit zu bringen. Dabei ging es dem KGB nicht um einen schnellen Verrat, sondern darum, das Opfer in eine ausweglose psychologische Situation gegenüber Familie und Arbeitgeber zu bringen – und sie so möglicherweise ein Leben lang als Einflussagenten im Sinne Moskaus zu führen.
Die gleiche Strategie verfolgte auch die DDR-Staatssicherheit, die westdeutsche Politiker immer ins schicke Hotel „Neptun“ in Warnemünde führte. Das ganze Hotel war durch und durch mit Mikrofonen und Kameras durchsetzt, mehr als 100 Mitarbeiter – von der Servicekraft über das Zimmermädchen bis zum Rezeptionisten – arbeiteten für den Geheimdienst des SED-Regimes.
Ist es also nicht angebracht, auch den Fall Epstein unter diesem Gesichtspunkt zu betrachten?
Ein schwerreicher Lebemann aus der Mitte der amerikanischen Gesellschaft, der anderen reichen und mächtigen Männern in luxuriösem Ambiente auf seiner Insel oder in Privatflugzeugen junge Frauen zuführt. Bill Clinton saß bei Epstein im Whirlpool, Trump war bei seinen Partys, Tech-Milliardäre auch, die norwegische Kronprinzessin korrespondierte schlüpfrig mit Epstein… kann sich ein Geheimdienst ein besseres Biotop vorstellen, um Männer der globalen Eliten kennenzulernen und zu kompromittieren? Und warum sollte ausgerechnet Russland nicht höchst interessiert daran sein?
Als 1990 der Eiserne Vorhang in Osteuropa fällt und die Sowjetunion in ihren Grundfesten erschüttert wird, spielte sich hinter den Kulissen eines der größten finanziellen Husarenstücke der Zeitgeschichte überhaupt ab. Im Zentrum stand dabei Robert Maxwell, schwergewichtiger Medienzar, Verleger und wohl der wichtigste Geldwäscher des Kreml.
Während in Moskau die Inflation explodierte, versuchte der Kreml Wege zu finden, das Staatsvermögen so gut es ging vor dem drohenden Kollaps zu retten. Maxwell, der durch seinen Fachverlag Pergamon Press seit Jahrzehnten enge Beziehungen zum Kreml pflegte, veröffentlichte in seinem Verlag pompöse Biografien sowjetischer Staatschefs wie Leonid Breschnew oder Juri Andropow. Diese Bücher, die im Westen kaum einen Leser fanden, wurden vom KGB über Briefkastenfirmen in Millionenauflage „gekauft“. Was als Buchumsätze dargestellt wurde, war nichts anderes als ein System, hunderte Millionen Dollar an Devisen aus der UdSSR in den Westen zu schleusen und in den legalen Finanzkreislauf zu bringen.
So ähnlich wie die Döner-Bude oder Pizzeria in einer deutschen Großstadt, die kaum einen Kunden hat, aber jeden Monat 100.000 Euro versteuert. Und dann ist es nun mal da, das Geld – und der Staat hat auch noch was davon
Zurück zu Robert Maxwell
Der starb im November 1991 unter mysteriösen Umständen, als er von seiner Jacht namens „Lady Ghislaine“ in den Atlantik glitt – wie auch immer – und ertrank. Dabei hinterließ er ein finanzielles Trümmerfeld – und eine Tochter, die fortan nur noch wenig Geld hatte. Ihr Name: Ghislaine Maxwell.
Es gibt verschiedene Erzählungen, wie und bei welcher Gelegenheit sich Ghislaine Maxwell und Jeffrey Epstein im November 1991 kennenlernten. Jedenfalls passt das – sicher zufällig – perfekt zusammen. Ghislaine Maxwell hatte kein Geld mehr, aber dafür exzellente Kontakte in die britische und internationale Oberschicht. Epstein hatte jede Menge Geld. Und so wurde die Verlegertochter seine wichtigste Vertraute und „General Managerin“ seiner Immobilien und seines Lebensstils, die junge Mädchen besorgte.
Zusammengefasst:
- Robert Maxwell pflegte als westlicher Medienmogul engen Kontakt zum Kreml und wusch gewaltige Geldsummen für Moskau im Westen.
- Der KGB ist bekannt dafür, dass er seit Jahrzehnten „Honigfallen“ mit Erfolg aufstellt, um reiche und einflussreiche Männer im Westen unter Kontrolle zu bekommen.
- Ghislaine Maxwell ist die Tochter des russischen Einflussagenten und wird plötzlich nach seinem Tod die rechte Hand des Mannes, der genau dieser reichen globalen Elite Luxustrips auf seine Insel inklusive sexueller Dienstleistungen bietet – als Honigtöpfe, soweit das Auge reicht.
- Prominente Politiker, Wirtschaftsbosse und Mitglieder von Königshäusern gingen in Epsteins Zirkeln ein und aus. Und die Gebäude auf seiner Insel waren mit Kameras und Mikrofonen gespickt.
Und jetzt werden Sie mir wieder vorhalten, dass der Herr Kelle ja etwas gegen Russland habe, sogar russophob sei und wir endlich alle wieder Gas bei Putin kaufen sollten. Damit muss ich leben.
Aber ich bin froh, dass das amerikanische Justizsystem funktioniert und dass zunehmend Abgeordnete – auch der Republikanischen Partei von Trump – die Wahrheit wissen wollen.
Und die polnische und die britische Regierung haben Untersuchungen eingeleitet. Denn in den Epstein-Akten wird Russlands Staatschef Wladimir Putin mehr als 1.000 Mal erwähnt. Epstein soll sich laut FBI-Berichten von 2017 als „Vermögensverwalter von Wladimir Putin“ bezeichnet haben. Die Akten belegen außerdem Treffen Epsteins mit hochrangigen Russen, darunter der damalige stellvertretende Wirtschaftsminister Sergei Beljakow. Und Epstein bot dem russischen Außenminister Sergei Lawrow „Einblicke“ in die Politik von Donald Trump an.
Polens Ministerpräsident Donald Tusk ordnete Anfang der Woche eine Untersuchung an, da Dokumente die Rekrutierung von Frauen in Polen (speziell in Krakau) durch Epsteins Netzwerk nahelegen. Tusk äußerte den Verdacht, der ganze Epstein-Komplex sei eine russische Geheimdienst-Operation, um „Kompromat“ gegen westliche Führer zu sammeln.
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Klaus Kelle, Chefredakteur