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Der albackene Feminismus hat Spuren hinterlassen

Warum verstecken so viele deutsche Frauen öffentlich ihre Weiblichkeit – und Osteuropäerinnen nicht?

KLAUS KELLE
Attraktive Großstädterin, schick. .

Erlauben Sie mir ein paar Vorbemerkungen, bevor ich zum eigentlichen Thema komme. Die Idee zu diesem Artikel kam mir gestern in Berlin, als ich an der Schönhauser Allee zu Fuß unterwegs war. Die Sonne schien, es herrschte buntes Treiben auf den Straßen. Die meisten Frauen unter 40, die dort herumliefen, waren … sagen wir … suboptimal gekleidet.

Verstehen Sie mich nicht falsch, wir leben in einer freien Gesellschaft, und jeder kann herumlaufen, wie er oder sie möchte. Aber zur Freiheit gehört auch, dass einem das nicht alles gefallen muss.

Und das meiste da gestern gefiel mir wirklich nicht

Und liebe Frauenbewegte und Femo-Lobbyisten, ihr müsst jetzt ganz stark sein!

Auch wenn ich ein alter, weißer Mann und gläubiger Katholik bin, erfreut mich der Anblick gepflegter und gut gekleideter Menschen im „Stadtbild“, auch und besonders, wenn sie attraktive Frauen sind.

Ich habe einfach einen Sinn für Schönheit und Eleganz, ohne „Sexist“ zu sein oder wie man sich sonst dafür beschimpfen lassen muss.

Wann und warum hat das eigentlich angefangen, dass Frauen unbedingt ihre Weiblichkeit verbergen zu müssen meinen?

Ich meine, offene wilde Haare – fein. Aber diese Pluderhosen und unförmigen bunten Umhänge im Stile von Claudia Roth – muss ich das gut finden? Ist das ein Zeichen von männlichem Emanzipationsgetue? Und vor allem: Finden Frauen das wirklich selbst schön, wie sie da herumlaufen, oftmals gar nicht mehr als solche zu erkennen?

Das ist nur die Vorgeschichte, denn der Gedanke, darüber zu schreiben und mit Ihnen ins Gespräch zu kommen, kam mir, als ich ein wunderschönes Wesen inmitten dieses Geflimmers gestern entdeckte. Dezent geschminkt, Lippenstift, die Haare zusammengebunden und ein Minikleid. Dunkel, schick und kurz. Es war, als hätte ich eine Erscheinung.

Und als ich an ihr vorbeiging – sie sprach in ihr Smartphone – hörte ich, dass sie aus Osteuropa kommt. Von wo genau, konnte ich nicht erkennen. Vielleicht Polin, Ukrainerin oder Russin. In Berlin ist alles möglich.

Und gleichzeitig fielen mir andere Gelegenheiten ein, wo ich in Osteuropa unterwegs war und mich erinnerte, wie sehr die Frauen dort Wert auf ihr Äußeres legten. Übrigens auch in der Türkei, zumindest in der Metropole Istanbul, fiel mir das auch schon auf.

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Aber als ich das erste Mal in Russland war – es war in der Zeit der zusammenbrechenden Sowjetunion, muss also irgendwann 1991 gewesen sein – fiel es mir schon auf: diese wahren Horden attraktiver junger Frauen, die trotz Sozialismus unglaublich gepflegt und gut gekleidet waren. Und alle trugen Mini.

Und ich dachte mir, wenn diese Frauen mal aus Moskau, Kiew oder Warschau rauskommen irgendwann…

…dann erleben sie in Berlin oder Hamburg einen echten Kulturschock. Und seit den 90er-Jahren ist es ja nicht besser, sondern ernüchternder geworden.

Während in Osteuropa die Boulevards oft einem Laufsteg gleichen, dominiert im deutschen Stadtbild eine Ästhetik, die man nur sehr wohlwollend als praktisch, eher aber als schlampig bezeichnen kann.

Und bitte: Wie bei allen Themen gilt es, nicht zu verallgemeinern. Es gibt wunderbar gekleidete Frauen hier, auch im Stadtbild, aber erkennbar deutlich weniger als in Warschau, Budapest oder Split.

Natürlich gibt es auch deutsche Frauen, die nicht nur attraktiv sind, sondern auch jede Gelegenheit nutzen, sich aufzubretzeln – etwa, wenn sie zu einer Hochzeitsfeier eingeladen sind oder in die Oper gehen. Da nutzt man die Gelegenheit genauso wie unsereins, der bei der Fußball-WM das Deutschland-Trikot überstreift und schwarz-rot-goldene Fahnen aus dem Wohnungsfenster hängt oder ans Auto bappt.

Ich behaupte: Frauen wollen von Natur aus gut aussehen, das liegt praktisch in ihren Genen. Und weil ich als Mann das schreibe, erwarte ich jede Menge Beschimpfungen in den kommenden 24 Stunden.

Um zu verstehen, warum gerade Frauen in Osteuropa so viel Wert auf ein makelloses Äußeres legen, muss man vielleicht auch einen Blick in die Geschichte werfen.

In der Ära des Staatssozialismus war Individualität oft ein Luxusgut, das offiziell nicht gewünscht wurde. Schöne Kleidung war Mangelware, und das Grau der Plattenbauten spiegelte sich auch in der Mode wider.

Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks wurde das äußere Erscheinungsbild so etwas ähnliches wie eine Demonstration der Selbstbehauptung. „Sich schick zu machen“ war kein Zeichen von Oberflächlichkeit, sondern ein Akt der Freiheit und ein Symbol für den sozialen Aufstieg.

In Ländern wie Polen, der Ukraine oder Russland ist Weiblichkeit ein zentrales kulturelles Kapital

Eine Frau, die sich pflegt, die hohe Schuhe trägt und Wert auf ihr Make-up legt, signalisiert Disziplin und Selbstachtung. Das Äußere ist eine Visitenkarte. Dabei geht es nicht vorrangig darum, Männern zu gefallen, sondern um eine Form der weiblichen Solidarität und Konkurrenz gleichermaßen. Ein gepflegtes Auftreten ist ein Zeichen von Respekt gegenüber dem Gegenüber und sich selbst.

Ganz anders stellt sich die Situation in Deutschland dar

Hier hat sich ein Schönheitsideal etabliert, das fast schon eine Gegenreaktion auf klassische Weiblichkeit und das Streben nach einer makellosen Erscheinung ist. Wer sich in Deutschland zu sehr aufbrezelt, gerät schnell unter den Verdacht der Oberflächlichkeit, ein „Cappuccino-Mäuschen“ zu sein.

Der deutsche Feminismus der 70er- und 80er-Jahre hat hier tiefe Spuren bis heute hinterlassen. Weiblichkeit wurde oft mit Schwäche oder Liebedienerei gegenüber dem männlichen Partner gleichgesetzt. So wurden in Zeiten von Gender-Gaga bequeme Schuhe, kurze Haare und weite Schnitte zum Symbol für die moderne Frau, die über ihren Intellekt, ihre Leistung und ihr Einkommen definiert werden will, nicht über ihre Beine.

Die moderne deutsche Frau möchte oft gar nicht mehr als „klassisches Weibchen“ wahrgenommen werden, weil sie befürchtet, dadurch an Autorität zu verlieren. Und weil das so ist, laufen sie heute besonders in den urbanen Zentren unseres Landes oft so unerfreulich herum.

In der deutschen Debatte wird heutzutage oft von „Gender-Neutralität“ gesprochen. Mode soll „unisex“ sein, funktional und vor allem unaufgeregt.

Das führt dazu, dass viele Frauen in Deutschland bewusst auf Signale der Weiblichkeit verzichten. Die „Mutti-Jeans“ oder die berühmte wetterfeste Outdoor-Jacke sind nicht nur praktisch, sie sind ein Statement der Verweigerung. Man will nicht mehr „Objekt“ sein.

Aber dieser Trend hat eine Kehrseite

Denn das, was wir (Männer) empfinden, wenn wir wie ich gestern die geballte Verweigerung der Weiblichkeit erleben, sehen wir auch als einen deutlichen Verlust an Ästhetik und Lebensfreude bei diesen Damen, egal welchen Alters. Ich denke bei so einem Anblick nicht an Selbstbestimmung, sondern an modische Kapitulation.

Letztlich spiegelt die Kleidung das jeweilige Frauenbild der Gesellschaft wider. In Osteuropa spürt man, wie stolz Frauen auf ihre Weiblichkeit und – ja, auch – auf ihre Wirkung auf Männer sind. In Deutschland verweigern viele Frauen demonstrativ ihre Weiblichkeit, um das als Ausdruck ihrer Emanzipation zu präsentieren.

So, und jetzt los! Beschimpfen Sie mich…

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Klaus Kelle, Chefredakteur