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Kubanische Agenten hatten die CIA-Ausbildungscamps infiltriert.

Das Desaster im Sumpf: Vor 65 Jahren scheiterte die Invasion in der kubanischen „Schweinebucht“

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Die Schweinebucht auf Kuba – Ort eines militärischen Desasters der USA.

Die Invasoren hatten von Anfang an keine Chance. Als die Schiffe der „Brigade 2506“ in der Nacht zum 17. April 1961 auf die Küste Kubas zusteuerten, wartete man bereits auf sie. Und überhaupt, aus heutiger Sicht: Die Vorstellung, man könne mit einer kleinen Gruppe Exilkubaner – und dann noch ohne Luftunterstützung – das sozialistische Castro-Regime stürzen, dürfte als eine der größten Fehleinschätzungen in die Militärgeschichte eingehen.

 

Denn schon im Oktober 1960 war Havannas Militärführung bekannt, dass in Guatemala und Nicaragua unter Anleitung des US-Geheimdienstes CIA Exilkubaner für eine Landungsoperation auf der Insel trainiert wurden. Die kubanischen Geheimdienste hatten diese Ausbildungslager mit eigenen Agenten erfolgreich infiltriert. Und – Amerika halt – US-Medien wie die New York Times berichteten offen über die Rekrutierung und Ausbildung kubanischer Exilanten.

 

Castro nutzte diese Vorwarnzeit und mobilisierte nicht nur die reguläre Armee, sondern vor allem die Volksmilizen. Zehntausende Arbeiter und Bauern wurden bewaffnet und darauf eingeschworen, die „Errungenschaften der Revolution“ gegen die „Yankees“ zu verteidigen. Als am 15. April 1961 – zwei Tage vor der Landung – dann auch noch amerikanische B-26-Bomber (getarnt als kubanische Maschinen) Angriffe auf kubanische Flugplätze flogen, war dies das letzte, unüberhörbare Warnsignal für Havanna. Castro ließ seine verbleibende Luftwaffe sofort verstreuen und tarnen. Die CIA-Strategen glaubten irrtümlich, Castros Luftabwehr sei bereits ausgeschaltet, bevor die eigentliche Invasion überhaupt begonnen hatte.

 

Die strategische Falle der Geografie

 

Die Wahl des Landungsortes, der Bahía de Cochinos (Schweinebucht), war ein taktischer Albtraum. Zwar war die Bucht abgelegen und bot theoretisch Schutz vor Entdeckung, doch sie war von unwegsamem Sumpfgelände umgeben. Die CIA ging davon aus, dass die Invasoren nach der Landung schnell ins nahegelegene Escambray-Gebirge flüchten könnten, um dort einen Guerillakrieg zu führen. Zwischen der Bucht und den Bergen lagen über 100 Kilometer Sumpf und feindliches Umfeld.

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Die kubanischen Verteidiger hatten zudem kurz zuvor eine Straße durch das Sumpfgebiet gebaut, die es Castros Truppen ermöglichte, schwere Artillerie und T-34-Panzer aus sowjetischer Produktion in Rekordzeit direkt an die Front zu bringen. Die Invasoren saßen am Strand in der Falle.

 

Der vielleicht kritischste Punkt im Plan der CIA war die Annahme, dass die Landung der Brigade 2506 eine Initialzündung für einen allgemeinen Volksaufstand gegen Castro sein würde. Man glaubte der eigenen Propaganda, die Castro als verhassten Diktator darstellte, den das Volk nur zu gerne loswerden wollte. Doch das Gegenteil war damals der Fall. Castro hatte im ersten Jahr seiner Herrschaft durch Landreformen und Alphabetisierungskampagnen eine breite Basis in der Landbevölkerung geschaffen. Anstatt sich den Invasoren anzuschließen, griff die lokale Bevölkerung zu den Waffen, um die Angreifer abzuwehren. Die CIA hatte die Stabilität des neuen Regimes und die Popularität Castros fundamental unterschätzt.

 

Ein weiterer Grund für das Scheitern war das Ausbleiben jeglicher Luftunterstützung durch die USA. Präsident John F. Kennedy, der die Pläne zur Invasion von seinem Vorgänger Eisenhower geerbt hatte. JFK war von Anfang an besorgt über die internationale Wirkung einer direkten US-Beteiligung. Er strich kurzfristig zusätzliche Luftangriffe, die notwendig gewesen wären, um Castros verbliebene Kampfjets am Boden zu zerstören.

Diese wenigen kubanischen Jets (Sea Furies und T-33) reichten dann aus, um die Versorgungsschiffe der Brigade zu versenken. Damit waren die Invasoren am Strand von Munition und Nahrung abgeschnitten. Ohne die versprochene Lufthoheit und ohne Nachschub war der Kampf nach nur 72 Stunden verloren.

 

Das Scheitern in der Schweinebucht war ein diplomatischer Totalschaden für die USA

 

Es festigte Castros Machtposition innerhalb Kubas und trieb ihn endgültig in die Arme der Sowjetunion. Aus der Angst vor einer weiteren, größeren US-Invasion bat Kuba die Sowjetunion um militärischen Schutz, was nur ein Jahr später zur Stationierung von Atomraketen und damit zur Kubakrise führte…

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Klaus Kelle, Chefredakteur