Totale Abhängigkeit von China
Abwärts bei Industrie, Demografie und Technologie: Wie lange kann Putin das noch durchhalten?
Ein alter Mann sucht in Müllcontainern im russischen Ulan_Ude. etwa 5.600 km östlich von Moskau nach Verwertbarem. Solche Videos verbreiten FSB-Trolle im Westn nicht.
Seit fast vier Jahren führt Wladimir Putin einen Krieg, der nicht nur die Ukraine, sondern zunehmend das Fundament der Russischen Föderation selbst erschüttert. Während die Kreml-Propaganda weiterhin das Bild einer stabilen Festung zeichnet, offenbart der Blick auf die nackten Zahlen und geopolitischen Realitäten des Jahres 2026 ein Land, das seine Zukunft für kurzfristige imperiale Träume opfert. Die Frage ist nicht mehr, ob Russland gewinnt, sondern wie lange das System diesen umfassenden Erosionsprozess noch überleben kann.
Das Ende des Rüstungsbooms
Die russische Wirtschaft hat sich in eine „Kriegswirtschaft auf Steroiden“ verwandelt. Das BIP-Wachstum der vergangenen Jahre war kein Zeichen von Wohlstand, sondern das Ergebnis massiver Staatsausgaben für Panzer und Munition. Doch dieser Effekt verpufft.
Die russische Zentralbank unter Elwira Nabiullina hat den Leitzins auf über 20 Prozent gehoben, um die galoppierende Inflation zu bremsen – ein Schritt, der private Investitionen im Keim erstickt und nach Verzweiflung riecht. Unternehmen außerhalb des Verteidigungssektors stehen vor dem Ruin, da Kredite unbezahlbar sind. Gleichzeitig sind die flüssigen Mittel des Nationalen Wohlfahrtsfonds (NWF) nahezu erschöpft. Ohne dieses Finanzpolster ist der Staat direkt von den volatilen Einnahmen aus dem Energieexport abhängig, die durch Preisdeckel und die Abkehr Europas massiv geschrumpft sind.
Die demografische Katastrophe
Die militärischen Verluste haben eine Dimension erreicht, die Russland über Jahrzehnte lähmen wird. Schätzungen zum Jahreswechsel 2025/26 gehen von über einer Million Gefallenen und Schwerverwundeten aus. Dies ist nicht nur eine menschliche Tragödie, sondern ein wirtschaftlicher Totalschaden. Russland leidet inzwischen unter dem schlimmsten Fachkräftemangel seiner modernen Geschichte. Zu den Opfern an der Front kommen Hunderttausende junge, gut ausgebildete Menschen, die das Land verlassen haben. Das Ergebnis ist eine „vergreisende Kriegswirtschaft“, in der es kaum noch Leute gibt, der Innovationen vorantreiben oder die Infrastruktur instand halten könnte.
Die totale Abhängigkeit von China
Putins Strategie, sich vom Westen abzuwenden, hat nicht zu Souveränität geführt, sondern in eine beinahe demütigende Abhängigkeit von Peking. Russland ist heute faktisch nicht viel mehr als ein Lieferant billiger Rohstoffe für China und Indien.
Diese großen Abnehmer – China hat auf Druck der USA schon begonnen, das zurückzufahren – diktieren die Preise für Gas und Öl, während russische Unternehmen bei Hochtechnologie, Mikrochips und Maschinenbau vollständig auf chinesische Gutwilligkeit angewiesen sind. Diese Asymmetrie wird langfristig dazu führen, dass Russland strategische Entscheidungen nur noch im Einklang mit Pekings Interessen treffen kann. Der Einflussverlust im Kaukasus (Armenien/Aserbaidschan) und in Zentralasien zeigt zudem, dass selbst ehemalige Satellitenstaaten die Schwäche Moskaus erkannt haben und eigene Wege gehen.
Das Ende der „Festung Russland“
Eines der Hauptargumente für den russischen Angriffskrieg war die Verhinderung der NATO-Osterweiterung. Das Ergebnis 2026 ist das exakte Gegenteil: Mit Finnland und Schweden als voll integrierten Mitgliedern ist die Ostsee zu einem „NATO-See“ geworden. Die Grenze zum westlichen Bündnis hat sich verdoppelt. Russland muss nun enorme Ressourcen aufwenden, um diese neuen Grenzabschnitte zu sichern – Ressourcen, die an der Front in der Ukraine fehlen.
Instabilität der Satelliten: Kuba, Venezuela und Transnistrien
Das russische Imperium bröckelt auch in der Ferne. Kuba steht Anfang 2026 vor dem Kollaps, da die Öl- und Finanzhilfen aus Moskau und Caracas versiegen. In Transnistrien wächst der Druck, sich der Republik Moldau und damit der EU anzunähern, da Russland diese Region logistisch nicht mehr versorgen kann. Die Kosten für den Erhalt dieser Einflusszonen werden für den Kreml unbezahlbar.
Alles Schlaglichter, aber klar ist: Russland kann diesen Status Quo nicht mehr lange aufrechterhalten. Die Kombination aus massiver Inflation, demografischem Ausbluten und technologischer Isolation deutet darauf hin, dass das System Putin auf einen „strukturellen Bruch“ zusteuert. Experten gehen davon aus, dass 2026 das Jahr der Entscheidung wird. Entweder gelingt es dem Kreml, den Konflikt einzufrieren, um die Wirtschaft wieder zu Atem kommen zu lassen, oder das Land rutscht in eine unkontrollierte Abwärtsspirale aus Staatsbankrott und innerer Instabilität. Die Geschichte lehrt: Ein Regime, das seine Armee, seine Währung und seine Jugend gleichzeitig verliert, steht auf tönernen Füßen.
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