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Datenlieferant für russische Geheimdienste?

James Bond geht anders: Wie der BND und das BKA auf Wirecard hereinfielen

RED
Die Wirecard-Zentrake in Aschheim

Es gibt Geschichten, die sind so absurd und gleichzeitig real – das kann man sich gar nicht ausdenken. Nehmen wir zum Beispiel unseren deutschem Auslandsgeheimdienst BND. Der suchte einst einen sicheren Weg, seine Agenten weltweit diskret zu bezahlen. Hotels in Beirut, Mietwagen in Moskau oder Schmiergeld in Südostasien – das bezahlen sie nicht mit einer Kreditkarte der Bundeskasse. Andernfalls würde jede Tarnung sofort auffliegen.

 

Anstatt also mühsam ein eigenes, absolut sicheres System aufzubauen, wählte man den Weg des geringsten Widerstands.

Widerstands. Denn Wirecard, das war damals eine Hinterhof-Klitsche, unverdächtig, ein bisschen schmierig als Zahlungsdienstleister für Spielhallen und Pornoseiten. Wer vermutet in solch einem Milieu James Bond?

 

Sie hätten mal genauer hinschauen sollen, die Herrschaften vom BND!

 

Denn an der Konzernspitze bei Wircard war mit dem gebürtigen Wiener Jan Marsalek ein smarter  Tech-Visionär, der schon damals für russische Geheimdienste arbeitete und bis heute immer noch tätig ist – allerdings unerreichbar für deutsche Zivilfahnder, da er in Russland unter falschen Namen und wechselnden Identitäten lebt.

 

Inzwischen ist bekannt, wie intensiv die Zusammenarbeit zwischen dem Zahlungsdienstleister, der es sogar in den DAX schaffte, bevor er zusammenbrach, und dem BND, später dann auch dem Bundeskriminalamt (BKA) war.

Der BND nutzte dutzende Wirecard-Karten, die auf Alias-Namen ausgestellt waren. Über diese Karten liefen operative Kosten in fünfstelliger Höhe. Was die Beamten in Pullach und Berlin dabei übersahen: Jede Transaktion hinterließ damals einen digitalen Fußabdruck auf den Servern von Wirecard. Und wer kontrollierte diese Server? Genau, ein Vorstand namens Jan Marsalek.

Das Bundeskriminalamt (BKA) ging sogar noch einen Schritt weiter. In einem fast schon grotesken Fall von operativer Überwachung „schenkte“ man einer Zielperson eine originalverpackte Wirecard-Visa-Karte. Der Clou: Das BKA hatte direkten Zugriff auf die Schnittstellen des Unternehmens und konnte jede Zahlung des Verdächtigen in Echtzeit mitlesen – ein digitaler GPS-Sender für den Geldbeutel sozusagen.

Besonders beunruhigend ist, dass Jan Marsalek vermutlich bereits zu der Zeit für russische Dienste wie den FSB oder den militärischen Nachrichtendienst GRU spionierte und Einfluss ausübte. In Moskau wird man jede Menge Spaß gehabt haben über diese Informationsquelle direkt aus dem Herzen des geheimdienstlichen Gegenspielers.

 

Konstruieren wir ein Beispiel: 

 

Ein BND-Agent bezahlt in einem Hotel in der Nähe einer russischen Militärbasis mit seiner „getarnten“ Wirecard-Kreditkarte. In der Zentrale in Aschheim poppt diese Transaktion auf. Marsalek, der einen direkten Draht nach Moskau hat, leitet die Information sofort weiter. Innerhalb von Minuten ist der deutsche Agent enttarnt, seine Bewegungsprofile werden erstellt, seine Kontakte identifiziert.

 

Der Wirecard-Skandal ist weit umfangreicher als nur ein verlorenes Vermögen für gutgläubige Privatanleger. Er ist ein Dokument des Versagens der deutschen Sicherheitsarchitektur. BND und BKA ließen sich von einem glitzernden Tech-Märchen blenden und vergaßen dabei die Grundregeln der Spionageabwehr.

 

Das BKA fahndet weltweit weiter nach seinem ehemaligen Geschäftspartner Marsalek. Obwohl alle Welt weiß, wo der sich aufhält.

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Klaus Kelle, Chefredakteur