Die Kirche Jesu ist keine Drückerkolonne
Christliche Volkskirchen in Deutschland verlieren 1,2 Millionen Mitglieder – na und?
Nachtgebet in einer orthodoxen Kirche.
Der frühere Erzbischof von Fulda Johannes Dyba (1929–2000) war bekannt für seine pointierten und manchmal provokanten Aussagen. Für mich als einen, der 1981 zum römisch-katholischen Glauben konvertierte, war Dyba ein geistliches Leuchtfeuer in einer immer dunkler werdenden Gesellschaft, in der Gott und die Lehre Jesu immer weniger Raum finden. Dabei wäre es heute viel wichtiger, aber das ist ein anderes Thema.
Der streitbare Gottesmann aus Fulda war ein leidenschaftlicher Vertreter des Konzepts einer „kleinen Herde“.
Dyba vertrat die Überzeugung, dass eine zahlenmäßig kleinere, dafür aber im Glauben gefestigte und profilierte Kirche besser sei als eine große „Volkskirche“ mit ihren Überbau und all den Gremien, die ihre theologischen Überzeugungen und ihren Glauben verwässert, um möglichst allen zu gefallen.
Aber die Kirche Christi existiert nicht seit über 2000 Jahren, weil sie sich angepasst hat. Kirchenführer beeindrucken mich nicht, weil sie geschmeidig mit dem Strom des Zeitgeistes schwimmen, sondern weil sie – gestützt auf ihren Hirtenstab – bei scharfem Gegenwind aufrecht stehen bleiben und dem Sturm widerstehen. Erzbischof Dyba kritisierte oft die „Sucht nach staatlicher Anerkennung und Subventionierung“ der Kirche. Die Verkündigung der christlichen Wahrheit ist wichtiger, als sich an den Buffets der Mächtigen anzustellen.
Dyba sah in sinkenden Mitgliederzahlen die Chance, dass nur diejenigen bleiben, denen es mit dem Glauben an Gott ernst ist. Die Idee, „ganz von vorn anzufangen“, war bei ihm eng mit der Rückkehr zu traditionellen Werten und einer klaren kirchlichen Lehre verbunden.
Diese Sichtweise teilte übrigens auch der große deutsche Papst Benedikt XVI., als er schon im Jahr 1969 – damals noch Joseph Ratzinger – von einer Kirche sprach, die „klein werden“ und als „Kirche der Gläubigen“ von vorn beginnen müsse.
Die christlichen Kirchen in Deutschland sind – anders als die in Afrika und Asien – dabei, dieser Vorhersage zu folgen
Im vergangenen Jahr verloren die katholische und die evangelische Kirche hierzulande zusammen rund 1,2 Millionen Mitglieder. Die Hälfte von ihnen durch aktiven, gewollten Austritt. Die evangelische verlor in 2025 350.000, die katholische 307.000 Mitglieder durch Austritt. Somit gehören jetzt noch 43,9 Prozent der Deutschen einer der beiden großen Kirchen an. Die Konfessionslosen sind inzwischen eine Mehrheit.
Über die Gründe muss man nicht spekulieren; sie liegen auf dem Tisch und sind durch zahlreiche Befragungen dokumentiert: 56 Prozent sehen keinen persönlichen Bezug mehr zum kirchlichen Leben. Die furchtbaren Missbrauchsskandale haben zu einem massiven Vertrauensverlust gegenüber der Kirche geführt. Und für die, die sowieso nur der Mutter zuliebe oder weil sie ein anständiges Begräbnis sicherstellen wollen, Mitglied der Kirche blieben, kommt dann die Kirchensteuer dazu, die irgendwann als Grund für den Austritt herhalten muss. Und zum Schluss kommen auch noch Sterbefälle dazu, die Taufen und Eintritte weit übertreffen. Allein bei der EKD waren es vergangenes Jahr 335.000.
Ich gehöre übrigens zu denen, die überhaupt keinen Zweifel daran haben, dass die christlichen Gemeinschaften auch in Deutschland eine Renaissance erleben werden. Nicht durch das Gewohnheitschristentum vieler alter Menschen. Wenn Sie genau hinschauen, was an der Basis und im Umfeld der christlichen Volkskirchen auch in Deutschland passiert, dann würden Sie staunen – vor allen Dingen, wie viele junge Menschen da unterwegs sind in den Freikirchen, den neuen geistlichen Gemeinschaften und auf Großevangelisationen wie bei der MEHR in Augsburg.
Es ist noch lange nicht vorbei, ich bin überzeugt, es wird niemals vorbei sein. Nur weil heute viele Menschen meinen, wenn man eine Krankenversicherung hat, kann einem auch ohne Gott nichts mehr passieren – vergessen Sie es! Jesus ist präsent, und wenn Sie es einfach unvoreingenommen zulassen, dann ist es irgendwann ganz selbstverständlich, zu glauben…
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Klaus Kelle, Chefredakteur