Reden wir über Manuel Neuer…
Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
der Fußballsport ist so einfach gestrickt, wie wir Männer es auch sind.
Also nehmen wir mal an, bei der bevorstehenden Weltmeisterschaft in den USA hält unser Torhüter Manuel Neuer im Viertel-, Halb- und dann im Finale jedes Mal einen Elfmeter. Und nehmen wir an, Deutschland wird dann Weltmeister. Dann werden alle positiv durchdrehen, die Medien und das gemeine Volk. Aus, aus, aus, Deutschland ist Weltmeister…
Und Julian Nagelsmann ist dann der neue Sepp Herberger!
Der Mann, der mit seinen klugen Entscheidungen bei der Auswahl seiner Spieler und besonders des Nationaltorhüters Nummer 1 das richtige Händchen bewiesen hat.
Aber, liebe Freunde, ich persönlich glaube nicht, dass es so kommt. Doch nichts ist so erfolgreich wie der Erfolg. (5 Euro ins Phrasenschwein)
In zwei Wochen startet das große Turnier, und ich gehe nicht davon aus, dass die deutsche Nationalmannschaft, die Gott sei Dank auch wieder so heißen darf, Weltmeister wird.
Persönlich denke ich, dass wir es bis ins Viertelfinale schaffen werden, wo dann aber auch Schluss ist. Aber wie gesagt, das sagt mir mein Bauchgefühl als Fußballfan, der seit Jahrzehnten den deutschen Fußball in all seinen Facetten und Spielern und Trainern bei Turnieren verfolgt.
Und auch wenn – darin sind wir schon Weltmeister – überall gejammert und Missmut verbreitet wird, ich freue mich auf diese WM, wie ich mich jedes Mal auf große Fußballturniere mit deutscher Beteiligung freue.
Ich werde die deutschen Spiele mit Freunden gucken, irgendwas Schwarz-Rot-Goldenes mitnehmen zum Public Viewing, Bier trinken und hoffentlich oft Grund zum Jubeln haben. Denn unsere Mannschaft ist gut, jedenfalls gibt es viele Top-Spieler im Team. Ob das als Mannschaft auch funktioniert, das werden wir sehen. Denn nur so kommt man weiter.
Zugegeben, Curacao, Elfenbeinküste und Ecuador sind jetzt nicht die Hammer-Gegner in der Vorrunde, aber die Wahrscheinlichkeit, dass Deutschland nicht so kläglich ausscheidet wie 2018 (Russland) und 2022 (Katar) ist hoch.
Zurück zu Manuel Neuer
Der Mann war über viele Jahre der Beste. Was der für Dinger gehalten hat – allererste Sahne. Nicht umsonst wurde er fünfmal zum besten Türhüter der Welt gewählt. Also, dass der Mann etwas von seinem Job versteht, dürfte außer Zweifel stehen. Aber ist er jetzt immer noch so gut, wie er unzweifelhaft war?
Mein Freund Ralf, der beruflich sein ganzes Leben mit dem Profisport zu tun hat, und den Sie nachts um 3.30 Uhr auf die Schulter tippen und fragen können, was beim WM-Spiel der Deutschen irgendwann im Jahr 1976 in der 33. Minute passiert ist – Ralf wüsste es. Er hat einfach Ahnung von seinem Metier wie kein anderer Mensch, den ich kenne.
Und er sagte mir schon vor zwei Jahren bei der EM, dass er nicht verstehen könne, wieso Manuel Neuer immer noch das deutsche Tor hütet. Ich musste nachfragen, warum er das so sieht, denn Manuel Neuer – hey, den stellt man nicht in Frage, der ist immer gesetzt. Aber nicht für Ralf…
Auf der anderen Seite ist Oliver Baumann ein klasse Torwart, starke Reflexe auf der Linie, physisch mega-fit und in der abgelaufenen Bundesligasaison parierte er 101 Torschüsse der gegnerischen Stürmer. Und so war folgerichtig, dass Nagelsmann ihn vor Monaten zur Nummer 1 im deutschen Tor erklärte.
Dass Nagelsmann jetzt einen Rückzieher gemacht und Neuer wieder zur Nummer 1 gemacht hat, ist nicht in Ordnung.
Natürlich darf Nagelsmann das, seine Entscheidungen für und gegen Spieler und seine Taktik werden über das Abschneiden unserer Mannschaft mitentscheiden. Und Nagelsmann muss dann vor der Fußball-Nation den Kopf hinhalten, wenn es falsch war. Aber so geht man nicht mit seinen Leuten um.
Im Übrigen: Ihnen allen gesegnete Pfingsten!
Ihr Klaus Kelle
Neueste Früher Vogel
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Klaus Kelle, Chefredakteur