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Bremerhaven ist für die NATO extrem wichtig

Bremen bangt um seine Lufthansa-Verbindungen nach Frankfurt – denn hier sitzen starke globale Unternehmen

KLAUS KELLE
Der Bremer Flughafen – gemütlich wie die ganze Stadt Bremen.

Wieso braucht Bremen eigentlich einen eigenen internationalen Flughafen, wird sich mancher fragen, der die heiße Diskussion an der Weser in den vergangenen Tagen verfolgt hat. Denn ab dem 1. Juli gibt es keine Direktverbindung von Bremen nach Frankfurt/M. mehr, dem großen Drehkreuz, das Deutschland und damit Bremen mit der Welt verbindet. Weil die fünf täglichen Flüge auf dieser Strecke für die Lufthansa zunehmend unrentabel geworden sind, wird nun gespart und gestrichen.

Jetzt ist die Aufregung groß – und das zu Recht

Denn viele Menschen, die an das kleinste Bundesland denken, denken an die rot-rot-grüne Koalition dort, die SED-Erben in einem westdeutschen Bundesland in der Regierung. Sie denken an Misswirtschaft, sie denken daran, dass der Zwei-Städte-Staat seit Jahrzehnten finanziell klamm ist, sie denken an das rote Radio Bremen und – um mal etwas Positives zu nennen – an den SV Werder Bremen und Beck’s Bier.

Tatsächlich hat Bremen für so eine kleine politische politische Einheit eine stattliche Anzahl globaler Player aufzuweisen.

Da ist das Mercedes-Benz Werk Bremen, das mit zwischen 10.000 und 12.000 Arbeitnehmern der größte private Arbeitgeber der Region und eminent wichtig für den Mercedes-Konzern insgesamt ist. In Bremen betreibt Airbus sein zweitgrößtes Werk in Deutschland. Der weltweit größte Brauereikonzern Anheuser-Busch steuert sein Deutschland-Geschäft von Bremen aus. Der weltweit führende Stahl- und Bergbaukonzern ArcelorMittal betreibt hier ein hochmodernes und großes Hüttenwerk.

So irre die Bremer manchmal auch zu wählen pflegen, so beeindruckend ist es, was die Wirtschaft hier auf die Beine stellt.

Und weil das große Geschäft nicht mehr auf der heimischen Scholle zu machen ist, sondern nur global, ist es extrem wichtig, von Bremen aus leicht in alle Welt zu kommen und internationale Gäste an der Weser empfangen zu können.

Extrem wichtig: das Militär

Denn Bremerhaven, der kleinere Partner der Hansestadt, ist schon heute einer der wichtigsten Logistikhäfen des westlichen Verteidigungsbündnisses NATO in Europa.

Vor nicht allzu langer Zeit hat die Bundesregierung 1,35 Milliarden Euro bereitgestellt, um den Hafen und damit den Schutz vor russischer Aggression dort auszubauen. Sollte es eine offene militärische Konfrontation zwischen Russland und der NATO geben, dann wird über den Atlantik schweres Gerät – Panzer, Artillerie und Transportfahrzeuge – hier ankommen und dann von den Schiffen per Schiene und Autobahn in alle Richtungen verlegt werden.

Nun wollen wir hoffen, dass Bundeswehr und NATO eigene Flugzeuge und Hubschrauber haben, um Offiziere und Verteidigungspolitiker zu transportieren, aber das Bundesland Bremen ist in vielerlei Hinsicht darauf angewiesen, dass es eine Anbindung an die großen weltweiten Flugrouten gibt – und die führen in Deutschland hauptsächlich über Frankfurt.

Der Bremer Senat und Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) haben umgehend Kontakt zur Lufthansa aufgenommen. Es hieß, Lufthansa-Chef Carsten Spohr habe in einem Videocall mit Bovenschulte „Kompromissbereitschaft“ gezeigt. Man werde gemeinsam nach einer „wirtschaftlich tragfähigen Lösung suchen“. Es könnte sein, dass Bremen der führenden deutschen Airline dazu deutlich bei den Flughafengebühren entgegenkommt. Aber allein wird das nicht reichen.

Senatorin für Wirtschaft, Häfen und Transformation in Bremen ist mit Kristina Vogt übrigens eine Politikerin der Linken. Sie ist eine gelernte Rechtsanwaltsgehilfin und politisierte sich in der „Antikriegsbewegung und der antirassistischen Flüchtlingsarbeit“. Und heute stand die Wirtschaftssenatorin vor dem Mikrofon des Deutschlandfunks und kämpfte energisch mit Worten für den Erhalt der Lufthansa-Verbindungen. Schließlich müsse sichergestellt sein, dass die militärischen Anlagen in Bremerhaven mit der Welt verbunden bleiben.

Ich liebe Realpolitik…

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Klaus Kelle, Chefredakteur