Zum Hauptinhalt springen

Trump versucht das Unmögliche

Krieg im Nahen Osten: Wenn die AfD merkt, dass es dort wohl etwas instabil ist

KLAUS KELLE
Rauchsäulen nach Explosionen in Irans Hauptstadt Teheran.

Ausgerechnet die AfD, die seit ihrer Gründung oft genug in Berlin als einzige relevante Partei den Finger in die Wunde zu legen wagte und die auch vor unbequemen Wahrheiten nicht zurückschreckte, lässt in diesen Tagen auf (für mich) unerwartete Weise erkennen, dass sie in der Außenpolitik eine verstörende Laienspielschar ist. Ich meine, AfD-Chef Tino Chrupalla bei „Lanz“ im ZDF auf die Frage nach russischen Kriegsverbrechen mit der Antwort „Mir hat Putin nichts getan“, das war schon ein Stück weit gaga. Aber die neueste Erklärung zu den Militärschlägen der Amerikaner und Israelis auf das Mullah-Regime in Teheran zeigt, dass das vielleicht gar kein Ausrutscher eines Einzelnen war, sondern dass die AfD einen außenpolitischen Kreiselkompass hat, dessen einzig erkennbare Richtung zu sein scheint, auf jeden Fall irgendwie dagegen zu sein, was alle Etablierten sagen.

Aber: Hauptsache dagegen – das reicht einfach nicht, wenn man Verantwortung für unseren Staat übernehmen will

In einer gemeinsamen Presseerklärung zur aktuellen Lage teilten Chrupalla und die Co-Chefin Alice Weidel mit:

„Mit großer Sorge haben wir die Angriffe Israels und der USA auf den Iran zur Kenntnis genommen. Wir forderten alle Kriegsparteien zur unbedingten Zurückhaltung auf. Die Zivilbevölkerung und die zivile Infrastruktur müssen geschützt bleiben. Das Völkerrecht sowie das humanitäre Völkerrecht müssen uneingeschränkt eingehalten werden. Die erneute Destabilisierung des Nahen Ostens liegt nicht im deutschen Interesse und muss beendet werden.“

Die erneute Destabilisierung des Nahen Ostens? Euer Ernst?

Der Nahe Osten ist seit 70 Jahren instabil. Donald Trump hat doch jetzt gehandelt, um die seit Jahrzehnten andauernde Destabilisierung des Nahen Ostens endlich zu beenden. Deswegen die Angriffe auf iranische Militäranlagen und das Regierungszentrum, deshalb das Ausschalten der größten Terrorunterstützer auf dem Planeten. Trump macht wenigstens was. Ob es ein Erfolg wird, werden wir vermutlich in den nächsten drei, vier Wochen sehen. Und im Nahen Osten ist immer alles möglich. Das Potenzial irrer Handlungen ist dort – wie wir alle wissen – höher als in anderen Regionen der Welt.

Aber dass ausgerechnet die AfD im Gleichschritt mit der SPD und Annalena Baerbock marschiert, das ist sicher auch für ihre treuesten Wähler erstaunlich

Und wenn die beiden obersten AfD-Köpfe gratismutig fordern: „Die Zivilbevölkerung und die zivile Infrastruktur müssen geschützt bleiben“, dann fragt man sich unwillkürlich, wo eigentlich solche AfD-Erklärungen zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine mit hunderttausenden Toten bleiben. Man merkt die Doppelmoral und ist verstimmt…

Dabei geht Donald Trump mit seinem rigorosen Vorgehen auch persönlich ein hohes Risiko in den Vereinigten Staaten ein.

Denn im Wahlkampf hat er immer wieder darauf verwiesen, dass die USA unter seiner ersten Präsidentschaft nicht einen einzigen Krieg geführt haben. Und die Ukraine erklärten er und seine Administration zu einem Problem der Europäer. Wir halten uns raus, kloppt ihr euch ohne Amerika – so die Botschaft.

Aber in einer Welt voller politischer Irrer kann sich die führende Macht auf dem Planeten nicht einfach so heraushalten

Genauso wie sich Deutschland als führende Macht in Europa nicht heraushalten kann. Im schlimmsten Fall einer kriegerischen Auseinandersetzung liefert man Kopfschmerztabletten und das war’s dann. Diese gemütlichen Zeiten sind vorbei. Wadephuls Erklärung gestern Abend, man sei nicht in der Lage deutsche Staatsbürgr aus dem Nahen Osten zu evakuieren, ist ein wirkliches Armutzeugnis.

Amerika ist wieder Weltpolizist. Und sie machen es mit einer Entschlossenheit und Präzision, die atemberaubend ist und sicher auch in Peking genau beobachtet und analysiert wird.

In Russland auch, denken Sie?

Die Art, wie das US-Militär jüngst in Venezuela und jetzt im Iran performte, zeigt, wie viele Lichtjahre zwischen den USA und Putins Regionalmacht Russland liegen. Wer heute noch davon schwurbelt, dass Russland in einem Konflikt mit den USA oder auch der NATO siegen könnte, der macht sich einfach nur noch lächerlich.

Die Lage im Nahen Osten ist mehr als gespannt. Der DAX fällt, die Gaspreise explodieren, das Öl wird teurer. Die US-Botschaft in Kuwait brennt, mehrere US-Kampfjets sind in Kuwait abgestürzt und es ist unklar, wieso. Israel hat am Morgen Ziele im Libanon bombardiert, der Iran hat mit Raketen und Drohnen Ziele in Katars Hauptstadt Doha, in Dubai, in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Bahrains Hauptstadt Manama angegriffen.
Niemand kann sicher sagen, wie es ausgehen wird. Aber eines ist klar, und es nötigt mir den allerhöchsten Respekt ab: Was Trump und die USA jetzt versuchen, hat noch niemand gewagt. Und wer anders als die Vereinigten Staaten könnte das tun?

Spendenaufruf

+++ Haben Sie Interesse an politischen Analysen wie diesen?
+++ Dann unterstützen Sie unsere Arbeit
+++ Mit einer Spende über PayPal@TheGermanZ
oder einer Überweisung auf unser Konto DE03 6849 2200 0002 1947 75 +++


Klaus Kelle, Chefredakteur