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Er holte die letzten KJriegsgefangenen aus Russland zurück

Konrad Adenauer und die öffentliche Meinung: Warum war der erste Kanzler so populär?

Dr. STEFAN WINCKLER
Der erste Bundeskanzler Konrad Adenaur (CDU)

von Dr. STEFAN WINCKLER

 BONN – Der erste deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) interessierte sich sehr für die öffentliche Meinung, was für einen Politiker in der Demokratie eine absolute Notwendigkeit ist. Im Jahre 1950 schloss die Bundesregierung deshalb einen Vertrag mit dem Institut für Demoskopie in Allensbach über die Analyse des politischen Klimas ab. Der Kanzler ließ sich dabei vor allem von Erich Peter Neumann, einem Mitgründer des Instituts, beraten.

Für Adenauer war die Frage, wie das Kanzleramt die öffentliche Meinung beeinflussen kann, essenziell.

Die Aussagen in der ARD erschienen ihm allzu links-oppositionell. Die Gründung eines weiteren Adenauer-nahen Deutschland-Fernsehens als zweites Programm scheiterte 1960 zunächst am Bundesverfassungsgericht.

Wachsende Zustimmung

Im Januar 1950 waren 33 Prozent der Bundesdeutschen „im großen und ganzen“ mit Adenauers Politik „einverstanden“, 22Prozent „nicht einverstanden“, und 45 „ohne Urteil“. Die Letzteren waren wohl diejenigen, die aus Desinteresse an der Politik oder aus einer falsch verstandenen Vorsicht die Antwort verweigerten.

Adenauer galt im November 1951 für 19 Prozent der Westdeutschen als „fähigster deutscher Politiker“ gegenüber Kurt Schumacher (SPD) mit 11 Prozent. Nach sehr günstigen Wirtschaftsdaten und beflügelt vom Wahlerfolg der Union kam Adenauer im November 1953 auf stolze 62, führte sogar bei SPD-Anhängern mit 43 Prozent gegenüber Ollenhauer mit 16.

Nach 1957 stieg offenbar die Zahl der Wähler, die vom betagten Adenauer (aber nicht unbedingt seiner Politik) genug hatten. Die Demoskopen fanden heraus, dass der wahrgenommene Charakter des „Alten“ immer weniger geschätzt wurde.

Eintrübung der Imagewerte

Lange verfolgte der CDU-Kanzler im Jahre 1959 das Ziel, Bundespräsident zu werden, verzichtete schließlich darauf und blieb weiter Regierungschef. Seine Imagewerte verschlechterten sich: Im November des Jahres hielten ihn nur noch 44 der Befragten für „klug“, nachdem 1954, 1955 und im Oktober 1958 Werte von 55 bis 57 Prozent gemessen wurden.

Ähnlich verhielt es sich mit der Zuschreibung „diplomatisch“: 43 % (1959) nach 54 bis 55 % in den Umfragen der Vorjahre. 22 Prozent, also jedem Fünften, war er immerhin noch „sympathisch“, aber auch das ein Wert, der ein Jahr zuvor noch bei 31 % lag. Stattdessen wurde ihm häufiger der negativ besetzte Begriff „eigensinnig“ zugeschrieben (35 %), ähnlich „herrschsüchtig“ (23 %).

Also lieber Erhard?

Vizekanzler Ludwig Erhard war für zahlreiche Bürgern eine ernstzunehmende Alternative. Im Jahre 1960 beantworteten 31 Prozent die Frage „Wer wäre Ihnen lieber als Bundeskanzler: Adenauer oder Erhard?“ mit dem Namen des Wirtschaftsministers und nur noch 25 mit „Adenauer“.

 Einverstanden mit dem Kanzler? Abschluss und Gesamtbild

Adenauers Ansehen litt im Herbst 1962 unter der Spiegel-Affäre. erholte sich dann aber wieder auf 47 %, möglicherweise wegen des Elysée-Vertrags über die deutsch-französische Freundschaft.

Zwischen 1950 und 1963 billigten im Durchschnitt knapp 44 Prozent der Deutschn Adenauers Politik, gegenüber einem mittleren Wert von 24,25 %, die ihr nicht zustimmten. Der Rest war unentschieden oder gab kein Urteil ab.

 Warum erfreute sich der erste Kanzler dieses Ansehens?

Als seine größte Leistung überhaupt nannten drei Viertel der Befragten die „Heimführung der deutschen Kriegsgefangenen aus Rußland“, die „Aussöhnung und Freundschaft mit Frankreich“ (70 %) sowie „dass er Deutschland wieder zu Ansehen und Geltung in der Welt verholfen hat“ (65 %) Und auch „die Bemühungen um ein politisch vereintes Europa“ und „dass er die Bundesrepublik zu einer geordneten und stabilen Demokratie gemacht hat“ fanden große Zustimmung.

So überzeugte Adenauers pro-europäische, pro-atlantische, antitotalitäre Linie, seine Skepsis gegenüber „Experimenten“ wie einem Neutralitätskurs, das Erreichen der Souveränität und der außenpolitischen Handlungsfähigkeit, das zähe Verhandeln in Moskau 1955 sowie die Stabilität der Demokratie – trotz des hohen Alters und der feindlichen Einstellung vieler Journalisten.

 

 

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Klaus Kelle, Chefredakteur