Sachsens Kretschmer sorgt wieder für Zoff in der Union: Wann ist der „Ossi-Bonus“ aufgebraucht?
Auch wohlmeinende Beobachter fragen sich schon lange, was eigentlich mit Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) los ist. Nachdem er schon vor der Landtagswahl in Brandenburg im September 2024 öffentlich die Wahl von Dietmar Woidke und dessen SPD empfahl, um diese gegen die starke AfD über die Ziellinie zu drücken – was übrigens bei den Parteifreunden der CDU um Jan Redmann in Potsdam ganz und gar nicht gut ankam –, schlägt er nun erneut zu.
Die Union, die in Mecklenburg-Vorpommern in den Umfragen hinter AfD und SPD liegt und mit ihrem Spitzenmann Daniel Peters einen verzweifelten Kampf gegen den Bedeutungsverlust der CDU an der Ostsee führt, bekam nun vom Parteifreund Kretschmer aus Sachsen attestiert, was doch die SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig für eine kompetente Regierungschefin in Schwerin sei.
Im Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (FAS) sagte Kretschmer: „Ich erlebe sie als besonders durchsetzungsstark. Solche Persönlichkeiten, die auch bundespolitische Entscheidungen verändern können, sollten wiedergewählt werden.“ Kein Wunder, dass Peters schäumt.
„Wenn Herr Kretschmer häufiger in Mecklenburg-Vorpommern wäre, würde er ein anderes Urteil fällen“, kanzelte Peters den vorlauten Sachsen kühl ab und verwies auf die großen Probleme vieler Bürger in Mecklenburg-Vorpommern.
Warum macht Kretschmer das?
Denn wie einst bei Angela Merkel im Kanzleramt fällt es selbst gutmeinenden CDU-Wählern auch in Sachsen immer schwerer zu erkennen, warum sie eigentlich noch CDU wählen sollten. Zumal der Bundestrend nach einem Jahr Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) alles andere als ein Freund von Kretschmer und Peters ist.
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Kretschmer hat in der Vergangenheit immer wieder gegen die eigene Parteilinie gesprochen und gehandelt, besonders bei Fragen im Zusammenhang mit dem russischen Ukraine-Krieg und den Russland-Sanktionen. Im Konrad-Adenauer-Haus hat man das angesichts der besonderen Situation im Freistaat und der Kreml-Radikalisierung bei der AfD zwar nicht gutgeheißen, aber toleriert. Wenn aus der Sachsen-Union Seltsames zu verlauten war, antwortete Merz dann oft lapidar: „Das ist nicht die Meinung der Union.“ In der Bundes-CDU sieht man in Kretschmers Vorstößen aber zunehmend eine Gefährdung der eigenen außenpolitischen Glaubwürdigkeit.
Und so dürfte auch jetzt das Echo aus Berlin unerfreulich für Kretschmer werden
Schon bei dessen Wahlempfehlung für Woidke in Brandenburg hatte der CDU-Chef und Bundeskanzler davon gesprochen, dass Kretschmers Verhalten der CDU „massiv geschadet“ habe. Paradoxerweise segelt der Sachse auf Bundesebene aber stabil im CDU-Wind, wie das Wahlergebnis von 87,8 Prozent als Stellvertreter beim jüngsten Bundesparteitag in Stuttgart vermuten lässt. Kretschmer hat wohl so etwas wie einen „Ossi-Bonus“ in der Union, weil er derzeit in Ostdeutschland der einzig markante und meinungsstarke CDU-Spitzenmann ist.
Die gebeutelten Sozialdemokraten freuen sich über Kretschmer
SPD-Landesgeneralsekretär Julian Barlen trocken: „Offensichtlich arbeiten die beiden gut zusammen und haben offenbar einen ähnlichen Blick darauf, was es heißt, Verantwortung für ein Bundesland zu tragen.“
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Klaus Kelle, Chefredakteur