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Jetzt wäre eine gute Zeit, um sich auf die wichtigste Reise Ihres Lebens zu begeben

KLAUS KELLE

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser!

Ich weiß nicht, ob es Ihnen aufgefallen ist, aber gestern hat die Karwoche mit dem Palmsonntag begonnen. Für gläubige Christen sind diese Tage spirituell die wichtigsten im ganzen Jahr.

Der Palmsonntag erinnert an den triumphalen Einzug Jesu in Jerusalem. In vielen Kirchen weltweit werden Palmzweige geweiht und Prozessionen abgehalten. Am Gründonnerstag gedenken wir Christen dann des letzten Abendmahls. Am Karfreitag herrscht eine düstere Grundstimmung. Es ist der Todestag Jesu, ein stiller Tag ohne Glockengeläut, an dem der Kreuzigung des Herrn gedacht wird. Und dann folgt die Osternacht mit dem bombastischen Fest der Auferstehung Christi.

Selbst wenn Sie persönlich kein gläubiger Mensch sind, sollten Sie wissen: Wenn diese Geschichte wirklich wahr ist, dann ist es die größte und wichtigste Geschichte seit Anbeginn der Menschheit.

Und Sie sollten wissen, dass die Lehre Jesu für uns alle – Sie und mich – entscheidende Auswirkungen auf unser Leben und unsere Gesellschaft bis heute hat. Ob Sie das wollen oder nicht.

Denn die Lehre, dass jeder Mensch ein Abbild Gottes ist (Imago Dei), legte den Grundstein für das Konzept universell geltender Menschenrechte. Das Gebot der Nächstenliebe weist uns an, zu helfen, wo immer Menschen in Not sind. Oder auch mal ganz praktisch: Es waren die Klöster im Mittelalter, die zu Zentren der Bildung wurden. Sie bewahrten das Wissen der Antike und gründeten sogar die ersten Universitäten (Bologna, Paris). Das moderne Krankenhauswesen hat seine Wurzeln in der christlichen Klostermedizin und den Hospitälern des Mittelalters, die Kranke kostenlos versorgten. Und so weiter. Die christliche Kirche besteht nicht ohne Grund seit über 2.000 Jahren.

Nebenbei: Die gern erzählte Geschichte von den Mönchen, die angeblich das Bier erfunden haben, stimmt nicht. Aber es waren Mönche, die im Mittelalter daraus dieses wunderbare Getränk entwickelten, indem sie den Hopfen entdeckten und diese eigentlich ungenießbare Kräutermischung beifügten. Mönche fanden nämlich heraus, dass Hopfen das Bier konserviert. Dadurch konnte es gelagert und über weite Strecken transportiert werden. Und ganz wichtig: Erst der Hopfen verlieh dem Bier seine typische herbe Note und klärte die Flüssigkeit, wodurch es ansehnlicher wurde. Aber das ist eine andere Geschichte.

Der christliche Glaube und die Kirche – das ist viel mehr als ein paar Leute, die einem vermeintlichen Aberglauben folgen. Das muss man wissen in einer Zeit, in der in unserer Gesellschaft Bürgerinitiativen gegen das Glockenläuten am Sonntagmorgen und gegen das Tanzverbot am Karfreitag mobilisieren. Diese Gesellschaft ist wirklich intellektuell und moralisch auf der untersten Stufe der geistigen Nahrungskette angekommen.
Ich erzähle Ihnen das heute wieder einmal, weil ich Sie für dieses Thema sensibilisieren möchte.

Denn wir reden so oft über die vielen, die ausgetreten sind

Aber wir reden selten über die, die weiterhin dabei sind: 19,8 Millionen Katholiken, 17,9 Millionen EKD-Protestanten, 3,5 Mio. Orthodoxe, 500.000 Freikirchler und etwa 100.000 andere wie die Altkatholiken gibt es in Deutschland. Das ist eine ganze Menge. Und wer heute noch in der Kirche ist – trotz der furchtbaren Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche, trotz leider vieler links-grüner Spinnereien in den EKD-Kirchen –, der denkt sich etwas dabei. Und damit meine ich nicht nur die, die aus Gewohnheit jeden Sonntag zur Kirche schlurfen oder drin bleiben, damit sie festliche Eheschließungen, Taufen und Begräbnisse bekommen.

Ich schreibe immer mal wieder darüber, um denen, die noch nicht genau wissen wohin, Mut zu machen. Auch mit meiner eigenen Geschichte.

Ich stamme aus dem reformatorischen Fürstentum Lippe in Nordrhein-Westfalen, durch und durch evangelisch. Mein „Glaube“ bestand darin, dass meine Eltern und ich jedes Jahr am Heiligabend vor der Bescherung in den Gottesdienst unserer kleinen Gemeinde in Holzhausen-Sylbach gingen. Sozusagen Tradition oder, wenn Sie so wollen, Weihnachtsfolklore.

Dann kamen zwei Jahre Konfirmationsunterricht und die Konfirmation selbst mit Feier und vielen Umschlägen mit Geld darin. Und damit war das Thema Christentum für mich durch.

Ich glaubte nicht an einen Gott, lebte nicht wirklich christlich – welcher junge Mann, der das weibliche Geschlecht entdeckt, macht das denn? In meiner Selbstwahrnehmung war ich Atheist. Manchmal, wenn das Thema beim Bier abends aufkam – selten –, argumentierte ich energisch und selbstgewiss, dass das doch alles nur Quatsch sei.

Ich habe mich geirrt

Weil ich mich irgendwann, 15 Jahre später, aus einem banalen Grund plötzlich mit dem Thema Glaube und Kirche konfrontiert sah. Das ist eine lange Geschichte, die hier zu weit führen würde. Aber zusammengefasst: Wenn man sich darauf einlässt, zu glauben und Christ zu sein, kommen Sie niemals in Ihrem irdischen Leben an ein Ende. Klingt merkwürdig? Ist es aber nicht.

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Ich wurde damals nach vier Jahren Lernen und Prüfen katholisch, und ich dachte: Jetzt bin ich da. Was ich überhaupt nicht begriff, ist, dass dieser Moment nicht das Ziel ist, sondern nur der erste Schritt auf einer langen Reise durch das eigene Leben. Es dauerte damals noch gut 30 Jahre, bis ich beschloss, mich nun komplett auf das alles einzulassen. Und ich schwöre: Von diesem Moment an fügte sich plötzlich alles in einer erstaunlichen Klarheit und Logik zusammen.

Glaube ich heute an Gott? Nein!

Ich weiß heute, dass es ihn (oder „etwas“) gibt. Ohne jeden Zweifel.

Vor einigen Jahren gab es einmal eine kurze Situation, als ich morgens im Hausflur meine Jacke anzog, um zur Sonntagsmesse zu fahren. Unsere jüngste Tochter kam aus der Küche vorbei und sagte zu mir: „Papa, musst du schon wieder in die Kirche?“ Und ich nahm mir die Zeit, ihr darauf ausführlich zu antworten, obwohl ich eigentlich los musste.

Dass ich nämlich überhaupt nichts „muss“ und niemand mich maßregeln oder gar bestrafen würde, wenn ich jetzt meine Jacke wieder ausziehe und mir noch ein Marmeladenbrot schmiere. Und dass ich in die Kirche will, weil es mir, wenn ich dort hineingehe und den Gottesdienst feiere, anschließend besser geht als vorher.

Ich bin nicht sicher, ob unsere Prinzessin das damals verstanden hat. Ich hoffe sehr, dass sie diesen flüchtigen Moment heute noch genauso lebendig in Erinnerung hat wie ich selbst.

Die Ostertage sind in meiner Erinnerung fast immer schöne Sonnentage gewesen. Suchen Sie mit den Kindern bunt bemalte Eier im Garten, genießen Sie das Frühstück mit Ihren Lieben und natürlich: Schmeißen Sie am Sonntagnachmittag den Grill an und nutzen Sie die Zeit mit Familie, Freunden und Nachbarn! Aber bitte vergessen Sie nicht, um was es eigentlich geht an diesen Tagen: Das vielleicht wichtigste Ereignis in der Geschichte der Menschheit…

Ihnen allen eine schöne Karwoche!

Ihr Klaus Kelle

 

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Klaus Kelle, Chefredakteur