WM-Generalprobe geglückt – auch bei Bier und Weißwurscht
Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
ich pflege seit vielen Jahren eine schöne Tradition, wenn ein großes Fußballturnier mit deutscher Beteiligung ansteht. Wenn das letzte Vorbereitungsspiel läuft, dann gönne ich mir ein kaltes Bier (früher auch mal drei oder vier). Dazu ein Teller mit zwei Weißwürsteln, einer Breze und einem Glas süßem Senf von Händlmaier. Dann kann es losgehen.
Weil wir ja heute im Zeitalter von Soschl Mihdiiia leben, fotografierte ich das ansprechende Stillleben und stellte es bei Facebook ein.
Was soll ich sagen?
Heute Morgen ging es in meinen Postfächern ausschließlich um dieses Foto, aber nicht um das Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen die Boys der USA.
Es ging darum, dass ich zu den Weißwürsten das falsche Bier trinke (Berliner Pilsner) und man außerdem Weißwürste nur bis zwölf Uhr mittags essen dürfe. Als „Preuße“ hätte ich ja wohl mal (wieder) gar keine Ahnung.
Ja, stimmt, liebe Freunde! Aber ich mache es halt trotzdem, wenn mir danach ist.
Und Ihr sagt doch immer, ich solle mich tapfer dem Mainstream widersetzen … Dann gilt das auch für die Auswahl meines Bieres.
Überhaupt, die Männer unter uns: Ist euch schon mal aufgefallen, wie sich der Biergeschmack immer wieder verändert und dass das auch mit regionalen Befindlichkeiten zu tun hat?
Wenn Sie jung sind, dann nehmen Sie das Bier, das man in der Nachbarschaft so trinkt. Bei mir damals in Lippe (Ostwestfalen) war das „Herforder Pils“, die Brauerei wird gerade abgewickelt.
In Bremen trank ich dann vornehmlich Beck’s und natürlich auch immer mal Kräusen Pils. Damals, hoch im Norden, entdeckte ich für mich dann „Jever Pils“, das viele Jahre meine persönliche Nummer 1 unter den deutschen Bieren blieb.
Berlin und die Wendezeit
Es gab ab 1990 nichts anderes für mich als Wernesgrüner, wobei ich bei meinen fast täglichen Erkundungsfahrten durch die real siechende DDR feststellte, dass man dort neben Radeberger fantastische Braukunst pflegte.
Später zog ich nach Köln, wo es kein Bier gibt
Aber ich fand eine Kneipe, die tatsächlich Herforder Pils ausschenkte. Sachen gibt’s…
Meine bayerischen Jahre eröffneten mir den Zugang zu herrlichen Klosterbieren und führten mich über Chiemseer dann endlich zum Bayreuther Hellen. Damit hätte ich für den Rest meines Lebens klarkommen können, doch dann verschlug es mich erst wieder nach Brandenburg und dann nach Berlin.
Und so trinke ich nun gern Lübzer von der Ostsee und Berliner Pilsner.
Das wurde bereits im Jahr 1902 im Berliner Ortsteil Weißensee erstmals gebraut, doch zum beliebten „Berliner Pilsner“ avancierte es während der DDR-Zeit, als es das VEB Getränkekombinat Berlin zum Devisenbringer und Exportschlager entwickelte, das sogar in den USA und Großbritannien verkauft wurde. Was es alles gibt! Wusste ich auch noch nicht und habe es mir beim Schreiben dieses Textes erarbeitet.
Ach ja, Fußball …
Gestern Abend wollte ich bei Bier, Brez‘n und Würschteln feststellen, ob ich Lust auf die nun beginnende Fußball-Weltmeisterschaft in den USA habe. Man hört da ja so einiges über unverschämt hohe Ticketpreise, über Einreiseverbote und diesen unmöglichen Herrn Trump.
Ergebnis: Ja, ich habe richtig Bock auf die WM, auch wenn die Vorrundengegner nicht so das Gelbe vom Ei sind
Ich meine Curaçao – das klingt wie ein Getränk aus der Karibik oder im deutschen Fußball wie der SV Sandhausen. Aber es machte mir wirklich Spaß, unseren Jungs gestern Abend zuzuschauen. Weitgehend dominierten sie das Spiel, außer in der zweiten Hälfte der ersten Halbzeit vielleicht. Aber sie spielten so, als hätte Julian Nagelsmann mit ihnen ein bisschen geübt.
Ein munteres Kräftemessen, das Deutschland durch die Tore von Kai Havertz in der 2. Minute (!) und Leroy Sané mit 2:1 gewann. „Die Jungs haben einen guten Eindruck gemacht“, resümierte der Bundes-Julian anschließend, und das fand ich auch.
Die WM kann also beginnen.Am Sonntag um 19 Uhr ist Anpfiff für unsere Nationalmannschaft. Da darf man keine Weißwürste mehr essen, aber Rostbratwurst ist wohl erlaubt…
Mit sportlichen Grüßen
Ihr Klaus Kelle
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Klaus Kelle, Chefredakteur