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„Putin hat kein Interesse an Frieden“

Scheidender deutscher Botschafter in Moskau kritisiert „Re-Stalinisierung“ in Russland

RED
Machtzentrale Kreml in Moskau

Zum Abschied seiner dreijährigen Dienstzeit als deutscher Botschafter in Moskau hat Alexander Graf Lambsdorff eine düstere Bilanz der Situation in Russland gezogen. Bei Staatschef Wladimir Putin sieht er „keinen ernsthaften Willen zu Verhandlungen“ über ein Ende des Angriffskrieges auf die Ukraine. Gegenüber dem „Spiegel“ sagte Lambsdorff in einem Interview: „Putin wirkt sehr entschlossen, den Krieg fortzuführen, um ihn zu gewinnen“. Und derf deutsche Spitzendiplomat warnte, dass der Kreml nach der Duma-Wahl im September eine zweite Mobilmachung wehrfähiger Männer anordnen könne.

Lambsdorff beendet seine Karriere nicht

Er wird demanächst deutscher Botschafter in Israel.

Obwohl er Optimist sei, könne er „nur pessimistisch auf Russlands nahe Zukunft schauen“, so Lambsdorff. Kritiker der russischen Führung würden zunehmend drangsaliert, in der Russischen Föderation bahne sich eine durchgreifende „Re-Stalinisierung“ an. Hinzu komme „eine weitreichende Abschottung“ der Russen vom Westen durch die massiven Internetblockaden durch russische Behörden.

Besorgt äußerte sich Lambsdorff über den Umgang mit Menschen, die sich Politik in Russland entgegenstellen. Dabei nannte er drei Beispiele, die sich in den vergangenen Wochen abspielten: darunter ein politischer Oppositioneller, der für zwei Beiträge im Internet zu sieben Jahren Haft verurteilt wurde, ein LGBT-Clubbetreiber, der sieben Jahre in der russischen Strafkolonie verbringen muss, und sechs Friedensaktivisten, die bis zu zwölf Jahre ins Straflager müssen. „

Der deutsche Botschafter schilderte seinen letzten Termin, zu dem er am Montag ins russische Außenministerium einbestellt wurde. Die russische Außenamtssprecherin Maria Sacharowa verweigerte Lambsdorff bei dem Termin den Handschlag, was unter Diplomaten als übler Affront gilt.

Über seine Amtszeit in Moskazu erzählte er vom allgemein kühlen Gesprächsklima. Zwar habe er Zugang zum Kreml gehabt, allerdings „sehr reduziert“ und „in der Sache schwierig und hart“. Kontakte auf höherer Ebene hätten kaum mehr stattgefunden.

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Klaus Kelle, Chefredakteur