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Drei Tage vor seinem 38. Geburtstag

Zwei 16-Jährige prügeln einen harmlosen jungen Mann auf offener Straße tot – und die Behörden mauern

RED
Mordopfer Alex Coughlan

Blanchardstown – so heißt ein kleiner Vorort im Nordwesten der irischen Metropole Dublin. Hier ereignete sich am 17. Mai eine Tragödie, die das ganze Land in tiefe Trauer und Bestürzung stürzte.

Denn an diesem Samstagnachmittag gegen 16:20 Uhr befand sich der 36-jährige Alex Coughlan, Mitarbeiter einer Krankenversicherung, IT-Spezialist und leidenschaftlicher Rugby-Fan, allein auf dem Weg zu seinem Zuhause – zur falschen Zeit am falschen Ort.

Coughlan nutzte die Mill Road in Blanchardstown, eine Straße, die zu dieser Uhrzeit meistens von Spaziergängern und Anwohnern frequentiert wird. Nichts deutete darauf hin, dass dieser Ort innerhalb weniger Minuten zum Schauplatz eines furchtbaren Verbrechens werden sollte.

Wie die Ermittlungen der irischen Polizei (Garda Síochána) später ergaben, war das, was dann passierte, völlig unprovoziert. Es gab keine „Vorgeschichte“ zwischen dem Opfer und den Tätern, keinen vorherigen Streit, überhaupt keinerlei Interaktion, die den folgenden Gewaltausbruch hätte erklären können. Alex Coughlan wurde schlichtweg zur Zielscheibe eines willkürlichen, bösartigen Angriffs.

Chronologie der grausamen Attacke

Die Rekonstruktion des Tathergangs, die vor dem Dubliner Bezirksgericht (Dublin District Court) präsentiert wurde, zeichnet das Bild eines unvorstellbaren Horrors.

Die beiden Jugendlichen bedrängten Coughlan auf der Straße und begannen sofort, mit äußerster Brutalität auf den Mann einzuschlagen. Eine Aussage von Garda Sergeant Emma Ryan vor Gericht verdeutlichte die schockierende Wehrlosigkeit des Opfers.

Coughlan ging unter den ersten Schlägen zu Boden, ging auf die Knie und begann zu weinen. Er flehte seine Angreifer verzweifelt an, aufzuhören, und schrie laut um Hilfe. Doch die Jugendlichen zeigten keinerlei Empathie oder Gnade.

Stattdessen eskalierte die Gewalt weiter. Die Teenager traten auf den am Boden liegenden, wehrlosen Mann ein. Einer der beschuldigten 16-Jährigen gab später in den polizeilichen Vernehmungen zu, mit voller Wucht auf den Kopf und den Oberkörper des Opfers eingeprügelt und eingetreten zu haben. Die Wucht der Schläge war so enorm, dass sich einer der Angreifer bei der Tat selbst eine schwere Handverletzung zuzog, die später von Medizinern im Gewahrsam dokumentiert werden musste.

Während des Angriffs ging es den Jugendlichen jedoch nicht nur um die körperliche Misshandlung. Sie nutzten die Wehrlosigkeit Coughlans aus, um ihn auszurauben. Sie entwendeten seine Bankkarten und rissen ihm einen markanten Goldring im Wert von etwa 300 Euro vom Finger.

Ein besonders verstörender Aspekt des gesamten Vorfalls kam im Rahmen der Kautionsanhörung ans Licht: Die Jugendlichen nutzten ein Smartphone, um Teile der brutalen Attacke auf Video aufzunehmen.

Diese Aufnahmen wurden von den Tätern im Anschluss im Internet verbreitet. Das Video kursierte kurzzeitig auf verschiedenen Social-Media-Plattformen und löste dort eine Welle des Entsetzens aus, bevor die Behörden eingriffen und Richterin Susan Fay eine strikte rechtliche Warnung aussprach, dass jegliches Bildmaterial sofort von allen Plattformen gelöscht werden müsse, um die Integrität des schwebenden Verfahrens und die Identität der minderjährigen Angeklagten zu schützen.

Als die Rettungskräfte und die Polizei nach ersten Notrufen von geschockten Zeugen am Tatort auf der Mill Road eintrafen, bot sich ihnen ein verheerendes Bild.

Alex Coughlan lag bewusstlos in einer Blutlache auf dem Asphalt. Die Sanitäter erkannten sofort die Lebensgefahr und transportierten den schwerstverletzten Mann umgehend in das nahegelegene Connolly-Hospital in Blanchardstown.

Dort wurde Coughlan auf die Intensivstation gebracht. Die Ärzte kämpften drei Tage lang verzweifelt um sein Leben. Er hatte durch die massiven Tritte gegen den Kopf schwerste Schädel-Hirn-Traumata und innere Verletzungen erlitten. Nach drei Tagen verloren die Mediziner den Kampf: Alex Coughlan wurde offiziell für tot erklärt.

Dank der Auswertung von Überwachungskameras in der Umgebung der Mill Road, Zeugenaussagen und nicht zuletzt des sichergestellten Belastungsmaterials auf dem Mobiltelefon konnten die beiden 16-jährigen Verdächtigen innerhalb kürzester Zeit identifiziert und festgenommen werden.

Bei den Gerichtsterminen Ende Mai kam es zu emotionalen Szenen. Da es sich bei den Beschuldigten um Minderjährige handelt, greift in Irland der strikte Children Act von 2001. Dieser verbietet es Medien und der Öffentlichkeit kategorisch, die Namen, Gesichter, Wohnorte oder Schulen der Jugendlichen zu veröffentlichen.

Am 30. Mai 2026 – dem Tag, an dem Alex Coughlan eigentlich seinen 38. Geburtstag feiern wollte – fand seine Trauerfeier in Ballyfermot statt.

Hunderte Menschen kamen zusammen, um Abschied zu nehmen. In einer herzzerreißenden Rede beschrieb seine Familie ihn als „wahrhaft schöne Seele“ und als den Klebstoff („the glue“), der die gesamte Familie stets zusammengehalten habe.

Der Fall Alex Coughlan hat in Irland eine tiefgreifende Debatte über die Verrohung von Jugendlichen und die rechtlichen Grenzen des Jugendstrafrechts bei schweren Gewaltverbrechen entfacht. Aufgrund der restriktiven Informationspolitik der Behörden kursieren bis heute allerlei Gerüchte und Theorien über die Herkunft der beiden 16-Jährigen.

Auf Plattformen wie X (ehemals Twitter), Facebook und Instagram kursieren unbestätigte Behauptungen, wonach die beiden Jugendlichen einen Migrationshintergrund haben, konkret einen somalischen oder zumindest muslimischen Hintergrund.

Weil die Behörden selbst nichts dazu sagen, verbreiten sich diese Erzählungen immens. In der irischen Öffentlichkeit und im Internet gelten sie in weiten Teilen der Bevölkerung inzwischen als wahr.

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Klaus Kelle, Chefredakteur