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Modeikone feiert runden Geburtstag

Jil Sander –  die „Queen of less“ wird 80

Esther von Krosigk
Foto: depositphotos/Casimiro PT | Eingang eines Jil Sander-Geschäftes in Mailand.

Sie gehört zu den Großen der deutschen Modewelt: Der Name Jil Sander wurde vor allem in den 1980er Jahren zu einer bekannten Fashion-Marke, die für einen puristischen Stil stand. Neben Karl Lagerfeld und Wolfgang Joop gehört die Hamburgerin zu Deutschlands herausragenden Modedesignern. Als Frau, die in der jungen Bundesrepublik ein internationales Imperium aufbaute, ist sie einen einzigartigen Weg gegangen. Am 27. November feiert Jil Sander ihren 80. Geburtstag – an dem sie auf Reisen sein will.

Jil Sander zeichnete Kreativität, Trendgespür und ein ausgeprägter Geschäftssinn aus

Als Jil Sander ins Fashion-Business einstieg und mit dem Entwerfen von Mode begann, war sie jung, Mitte zwanzig, aber ihrer Zeit weit voraus: Während in den Siebziger Jahren modisch ein eher opulenter Stil vorherrschte, setzte sie gleich auf Minimalismus. Diesen behielt die Designerin zeitlebens als Markenzeichen bei und verpackte ihn in das Credo: „Die reinste Form von Luxus ist Reduktion. Ein Kleidungsstück ist perfekt, wenn man nichts mehr weglassen kann.“ Dafür erntete sie Spitznamen wie „Queen of less“.

Doch der Erfolg gab ihr recht: Erst in den Neunzigern erlebten minimalistische, monochrome Entwürfe einen regelrechten Boom. Da hatte Jil Sander ihre Ende der 1960er Jahre in Hamburg-Pöseldorf gegründete, schwarz lackierte Boutique längst zu einem riesigen Unternehmen aufgebaut und an die Frankfurter Börse gebracht. Was die Modedesignerin auszeichnete, war Kreativität, ein sicheres Trendgespür und ein ausgeprägter Geschäftssinn. Mit ihrer Marke expandierte sie schnell und eröffnete Niederlassungen unter anderem in Paris, New York und Tokio. Das Produktportfolio wurde ebenfalls sukzessive erweitert durch eine Duft- und Kosmetikserie sowie Accessoires, was sich als finanziell sehr lukrativ erwies. Schließlich kam Ende der 1990er-Jahre auch eine erste Kollektion für Männer hinzu.

Bereits als kleines Mädchen gab sie der ganzen Familie Ratschläge in Modefragen

Nie stand sie selbst im Mittelpunkt, sondern immer ihre Mode. Jil Sander galt stets als extrem medienscheue Person, die selten ein Interview gab – nicht mehr als ein oder zwei pro Jahrzehnt. Dem People-Magazin „Gala“ gestand sie jedoch einmal, dass sie schon als Kind mit sechs Jahren in Kleiderfragen sehr eigen war und die gesamte Familie in puncto Mode beraten habe. Aus ihrer frühen Neigung wurde später ein Beruf: Jil Sander absolvierte als junge Frau ein Textil-Ingenieur Studium in Krefeld, arbeitete kurz in Redaktionen von Magazinen wie „Constanze“ und machte sich sehr bald selbstständig. Auch als renommierte Modeschöpferin blieb sie sehr praktisch orientiert – es war ihr wichtig, Stoffmessen zu besuchen und die Materialien selbst in Augenschein zu nehmen und anzufühlen. Das tat längst nicht jeder Designer.

Jil Sanders Kundinnen waren wie sie selbst: modern, selbstbewusst, auf Qualität bedacht

Berühmt wurde sie mit ihren Hosenanzügen, denen sie eine feminine, zeitlose Linie verlieh und die bequem zu tragen waren. Wer damit auftrat, gehörte vielleicht noch nicht der Top-Etage eines Unternehmens an, aber sah schon nach CEO so aus. Jil Sander entwarf Mode für Kundinnen, die waren wie sie selbst: modern, selbstbewusst, eigenständig und auf Qualität bedacht.

Die „Jil Sander AG“ erlebte ihre Hochphase in den 1990er-Jahren – am Ende des Jahrzehnts verkaufte Sander ihr Unternehmen für geschätzte 275 Millionen Mark an die italienische Prada-Gruppe und trat überraschend vom Posten als Vorstandsvorsitzende im Jahr 2000 zurück. Sie kehrte zweimal wieder, aber verließ die Firma im Jahre 2013 endgültig, die jetzt einem japanischen Textilkonzern gehört.

Mit achtzig Jahren ist Jil Sander nach wie vor ein agiler Mensch. Sie unterhält Wohnsitze bei Plön, in Hamburg, Berlin, im schweizerischen Gstaad und auf der spanischen Insel Ibiza. Am Geburtstag selbst will sie auf Reisen sein – wohin es geht, verrät die diskrete Erfolgsfrau nicht.

 

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Klaus Kelle, Chefredakteur