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Ministerin Aminata Touré – eine grüne Karriere

Aminata Touré – ein grüner Shootingstar auf dem Ministersessel.

von THILO SCHNEIDER

KIEL – In Schleswig-Holstein findet dieser Tage eine außergewöhnliche Ministerinnenernennung statt: Aminata Touré wird die grüne Ministerin für Soziales, Jugend, Familie, Senioren, Integration und Gleichstellung. Eine für eine 30-Jährige bemerkenswerte Karriere, Zeit also, sich mit der jungen Frau einmal näher zu beschäftigen.

Sicher, leicht wurde Aminata Touré diese Karriere nicht gemacht. Sie musste die Ochsentour gehen, wie jeder Minister der Grünen: Abitur 2011 an der Gemeinschaftsschule Faldera in Neumünster, einem Eliteinstitut, dessen gnadenlose Auswahlkriterien so manchen gehobenen Traum restlos zerstört haben. Danach dann ein sozial zielgerichtetes Studium der Politikwissenschaften und der französischen Philologie (also der französischen Sprachwissenschaft) an der Christian-Alberecht-Universität zu Kiel, die vor allem bekannt und als renommiert in den Feldern Meereswissenschaften, Nanowissenschaften und Entzündungsforschung gilt. Ihre Studien schloss Aminata Touré 2016 mit einem Bachelor ab, musste sich aber zwischendurch von 2014 bis 2017 finanziell als irgendeine Mitarbeiterin der Grünen-Abgeordneten Luise Amtsberg durchbeißen. Ein Knochenjob, ein Höllenjob. Jeder, der einmal in Schleswig-Holstein unter Tage gearbeitet hat, weiß das.

Aminata Touré fand ihre politische Heimat bereits 2012 bei den Grünen, bei denen sie 2013 zur Sprecherin der Grünen Jugend wurde, 2016 dann der Sprung zur Beisitzerin in den Vorstand der Grünen Schleswig-Holsteins. Dort wurde sie dann Lautsprecherin für fast alles, insbesondere Antirassismus, Flucht, Migration, Frauenpolitik, Gleichstellung. Queerpolitik, Religion und, ganz überraschend und unstringent, für die wirklich exotischen Nebensparten Katastrophenschutz und Rettungsdienste. Wobei Aminata Touré in den beiden letztgenannten Bereichen auf eine langweilige Erfahrung von sechs Stunden härtester Grundausbildung beim THW Kiel zurückblicken kann. Wenn sie nicht gerade französische Termini des Spätmittelalters und der Renaissance studierte, saß sie im Innen- und Rechtsausschuss, dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss und, als stellvertretendes Mitglied, im Petitionsausschuss. 2019 wurde sie aufgrund ihrer hervorragenden Qualifikationen hauptsächlich zur jüngsten Vizepräsidentin eines deutschen Landtags gewählt, nachdem ihr Vorgänger und Fraktionskollege Rasmus Andresen mutwillig ins Europa-Parlament wechselte.

Bei der Landtagswahl 2022 kandidierte Aminata Touré gemeinsam mit Monika Heinold, die sehr gerne Ministerpräsidentin geworden wäre, als Spitzenduo und gewann für die Grünen 5 Prozent  hinzu, leider hatten die anderen beiden großen Parteien noch mehr Stimmen erhalten. Aber irgendwas ist ja immer. Nichtsdestotrotz zog Aminata Touré über die Liste in den Landtag ein.

Die rüstige 30-Jährige, die die Besucher ihrer Website duzt und auf leicht nachahmliche Weise ihren „Job“ erklärt, ist seit 2018 verheiratet. Sie dreht in ihrer Freizeit gerne TikTok-Videos, wie sie sich ausgehfein macht und führt somit liebgewonnene Traditionen von weiblich gelesenen Grünkernpolitikerinnen fort. Außerdem hat Aminata Touré, wie die große Vordenkerin der Grünen, Annalena Baerbock, ein Buch geschrieben, was eigentlich allein schon für eine Berufung zur Ministerin reichen sollte. „Wir können mehr sein – die Macht der Vielfalt“ heißt das einfältige Buch und ist leider noch keine Schullektüre, wäre aber sicher ein wichtiges Buch, sofern es Aminata Touré selbst geschrieben hat. Auf ihre Biografie muss die Welt allerdings noch warten, sie ist noch recht jung und dadurch wäre das Buch noch nicht so dick.

Aminata Touré gehört, glaubt man ihrer Instagram-Seite, tatsächlich zu den wenigen, wirklich gut und stilvoll gekleideten Frauen der Grün*Innen und könnte daher nicht nur aufgrund ihrer Größe eine Art Leuchttürminfunktion in ihrer Partei einnehmen. Ausbaufähig sind hingegen ihre Talente als Facility-Managerin und Vermieterin, sagt sie doch solche Sätze wie „Ich möchte den Rechten keine Räume überlassen, bin aber solidarisch mit all denjenigen, die sagen, dass sie das nicht für sich tun können und Angst davor haben, mit Rechten in einem Raum zu sein.“ Nein, ich verstehe es auch nicht so richtig. Da muss Aminata Touré noch mal bei.

Schließen möchte ich diese Kurzvorstellung dieser neuen Kraft am grünschimmlig-holsteinischen Himmel mit meinem Lieblingszitat von Aminata Touré, das durchaus auch einst als Motto über dem Gartentor der grünen Parteizentrale stehen könnte: „Warum zur Hölle tun wir so, als müsste man studiert haben, um Politik machen zu dürfen, irgendwas beanspruchen zu dürfen?“ Ja, warum, zur Hölle, tun wir so? Abgebrochene Studien, abgebrochene Ausbildungen, abgebrochene Neben- und Aushilfsjobs, abgebrochene Existenzen und das richtige Geschlecht und eine große Klappe sollten doch für ein mageres Salär von 8.425,- € monatlich wirklich mehr als genug als Qualifikation sein, oder? Was sollte da sonst noch von Belang sein?

(Weitere glashart recherchierte Artikel des Autors unter www.politticker.de)  

Von Thilo Schneider ist in der Achgut-Edition erschienen: The Dark Side of the Mittelschicht, Achgut-Edition, 224 Seiten, 22 Euro.

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Klaus Kelle, Chefredakteur