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„Don’t Pay the Ferryman“ in Sherwood Forest

„Robin Hood“ in Berlin von Chris de Burgh meisterhaft auf die Bühne gebracht

KLAUS KELLE
Weltstar Chris de Burgh (r.) gestern Abend mit den Schauspielern auf der Bühne im Berliner Admiralspalast.

Lieben Sie Musicals? Leichte Muse, wie man sagt? Beste Unterhaltung, gern mit Happy End? Im Berliner Admiralspalast feierte gestern „Robin Hood“ eine wirklich rauschende Premiere. Robin Hood, der in der grünen Stretchhose, der mit Pfeil und Bogen und einer Schar Outlaws durch den dichten Wald von Nottingham streift und die Reichen ausraubt, um die Beute unter den Armen zu verteilen. Der König der Diebe, den wir alle aus dem gleichnamigen Film mit Kevin Kostner kennen. Über 30 Jahre ist das schon wieder her…

Die Inszenierung gestern Abend hat eine positive Besprechung verdient, denn – ehrlich gesagt – als ich da in den altehrwürdigen Admiralspalast an der Friedrichstraße schlenderte, erwartete ich eben ein Mantel- und Degen-Musical, leichte Unterhaltung und jede Menge Wald- und Fechtszenen. Und genau das wurde es nicht, was den Abend so wundervoll machte.

Geschrieben hat die Musik für dieses Musical kein Geringerer als der große Chris de Burgh, der in Wahrheit gar nicht so groß daherkommt, in Zusammenarbeit mit dem erfolgreichen Musical-Komponisten Dennis Martin. de Burgh schrieb acht Songs exklusiv für diese Produktion und verlieh dem bekannten Hit „Don’t Pay the Ferryman“ eine mitreißende deutsche Version, die zur Hymne von Robin und seinen Gefährten wurde. Und statt „Don’t Pay the Ferryman“ heißt es dann eben „Freiheit für Nottingham“. Naja, kann man machen…

Dennis Martin, der mit dem Musical „Der Medicus“ bekannt wurde und mit Weltstars wie Meat Loaf und La Toya Jackson zusammengearbeitet hat, steuerte die übrigen Songs bei.

Mit seiner einzigartigen Musik begeistert Chris de Burgh seit vielen Jahren ein weltweites Publikum. Die Legende von Robin Hood hat ihn schon in seiner Kindheit fasziniert, da seine eigene Familiengeschichte mit ihr verknüpft ist. Ein Vorfahre von ihm war tatsächlich Chefjustiziar unter König Johann Ohneland, dem Bruder von Richard Löwenherz, im 13. Jahrhundert. Daher diente König Johann Ohneland als historisches Vorbild für die Figur des Prinz/König John in der Geschichte.

Aber zurück zur Geschichte, die jeder von uns seit Kindheit kennt

Fechtszenen im Wald kommen praktisch gar nicht vor, klar, ein paar Pfeile werden abgeschossen. Und Robin, Lady Marian, Bruder Tuck und Little John – alles dabei. Aber neben der mitreißenden Musik und Choreografie der überzeugenden Darsteller wird eine Neuinterpretation geboten, die fasziniert. Im Mittelpunkt steht die charakterliche Entwicklung von Robin, der als Sohn des Earls von Huntington geboren wird. Nach einer Zwangshochzeit flieht er in den Kreuzzug, um seinen adeligen Pflichten zu entkommen. Nach seiner traumatischen Rückkehr muss er seine Ängste und Zweifel überwinden, um sich von seinem Stand loszusagen. Im Kampf für Gerechtigkeit findet er in den Wäldern von Sherwood Forest seine innere Freiheit, bevor ihn seine Vergangenheit einholt.

Die letzten beiden Sätze stammen aus der Pressemappe, und weil sie richtig sind, habe ich Sie übernommen, damit sie eine Ahnung davon haben, dass es kein Happy End gibt. Es werden ernsthafte Inhalte gestreift, wie etwa den Missbrauch von Mädchen, ohne mit erhobenem Zeigefinger über die Bühne zu tanzen. Und natürlich bekommt auch die Kirche – klar, wir sind in Berlin – ihren Teil ab. Der fröhliche und trinkfreudige Bruder Tuck reißt es allerdings komplett wieder raus.

Bis zum 20. April ist „Robin Hood“ noch in Berlin zu sehen, ab Juli geht es dann weiter in Linz. Sehr sehenswert!

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Klaus Kelle, Chefredakteur