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Frau Meloni und zwei (störrische) alte weiße Männer

Liebe Leserinnen und Leser,

haben Sie sich auch gefreut, als vor Wochen in Italien eine Koalition aus Rechten und Konservativen gewählt wurde und die Wähler die sozialistische Vorgängerregierung zum Teufel jagte? Also, ich schon, wenngleich ich bereits am Wahlabend kurz dachte: Ob das wohl gutgeht?

Denn die neue Chefin im Ring ist Giorgia Meloni, ihre rechte Fratelli d’Italia ging mit 26 Prozent klar als stärkste Kraft aus der Wahl hervor, die „alten Hasen“ Berlusconi und Salvini kamen je auf nur etwa acht Prozent. Meloni ist 40 Jahre jünger als der schillernde Medien-Milliardär Berlusconi, ein Alphatier, einer, der gewohnt ist, dass er bekommt, was er will. Der aber auf keinen Fall damit klarzukommen scheint, dass da jetzt diese junge Frau die Zügel fest in der Hand hat.

Gleich bei der ersten Parlamentssitzung in Rom rutschte das neue Rechtsbündnis nur haarscharf an einer Blamage vorbei. Da kandidierte Ignazio La Russa von den Fratelli d’Italia Melonis als Parlamentspräsident, und Berlusconis Forza Italia machte nicht mit. La Russa wurde dennoch gewählt, weil er einige Stimmen aus den linken Fraktionen erhielt. Aber Berlusconi „zeigte die Werkzeuge“, denn Meloni hat ohne die beiden Männer und ihre Truppen keine eigene Regierungsmehrheit.

Also bevor das Regieren der Neuen begonnen hat, wird Kanonenboot-Politik betrieben. Die mutige Frau Meloni soll wissen, dass ohne die beiden alten weißen Männer nichts läuft.

Zu Beginn der ersten Sitzung des Parlaments hatte Berlusconi einen Notizzettel gut lesbar für die Fernsehkameras vor sich auf den Tisch gelegt. Darauf stand: „Giorgia Meloni: Ihr Verhalten ist erstens anmaßend, zweitens selbstherrlich, drittens arrogant, viertens beleidigend. Keine Bereitschaft, sich zu ändern. Mit ihr kann man sich nicht einigen.“

Nach der Sitzung darauf angesprochen, zeigte sich Meloni unbeeindruckt: „Berlusconi hat auf seinem Zettel noch einen Punkt vergessen: Ich bin auch nicht erpressbar.“ Ich finde die Dame wirklich beeindruckend…

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Klaus Kelle, Chefredakteur