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Maskenpflicht vorbei? Naja, es gibt da so ein paar kleine Einschränkungen

Liebe Leserinnen und Leser,

als gute Staatsbürger bemühen sich die meisten von uns, Regeln und Gesetze irgendwie zu befolgen. Aber was wir erwarten dürfen ist wenigstens, dass man uns das, was wir tun sollen, plausibel erklärt. Also, dass wir auch verstehen, was die Gesellschaft, was der Staat von uns wollen und warum.

Das hat bei den Corona-Maßnahmen nicht wirklich funktioniert, wie wir alle wissen. Da kommt die Regierung und sagt: Es gibt jetzt dieses tödliche Virus und wir müssen Abstand halten und Maske tragen. Und dann müssen Gastwirte ihre Läden coronagerecht umbauen. Und wenn sie das getan haben, dann müssen sie ganz dichtmachen. Und dann ist Lockdown, und als der vorbei zu sein scheint, sagt Bundes-Jens, man hätte das gar nicht so dramatisch machen müssen. Und nur zwei Wochen später ordnet dieselbe Bundesregierung den harten Lockdown an. Nein, ganz überzeugend war das alles nicht, und ich finde immer noch gut und richtig, dass so viele Menschen gegen das Corona-Chaos auf die Straßen gegangen sind. Mit Masken wäre besser gewesen, aber man kann nicht alles haben.

So, nun soll es ja vorbei sein mit Corona, jedenfalls erstmal. Herdenimmunität weitgehend erreicht oder so, leichte Verläufe, läuft. Jetzt kommt der Sommer.

Ich genieße es, nicht mehr mit Maske rumlaufen zu müssen, wenn ich im Rewe Obst kaufe oder vor dem Betreten der Tankstelle nicht nach der Maske kramen zu müssen. Und ich empfinde es zunehmend als seltsam, wenn die Hälfte der Leute beim Einkaufen noch immer Maske tragen – freiwillig. Aber ich respektiere auch deren Entscheidung, denn Freiheit ist nicht nur für die Bürger da, die gegen irgendwas sind. Es steht auch jedem frei, mitzumachen, bei was auch immer.

In den vergangenen Wochen war ich mit Freunden unterwegs, Restaurant und Biergarten, ich war mehrfach im dichten Gedränge im ausverkauften Fußballstadion. Stehplatz hinter dem Tor, da, wo es richtig abgeht. Ohne Maske. Niemand trägt da Maske. Rockkonzert Joe Bonnamassa vergangene Woche ohne Maske natürlich. Zehntausend Kontakte im Monat, jede Menge Gelegenheiten, mich anzustecken, doch niemand hält mich mehr auf.

Bei längerem Bahnfahrten allerdings nervt mich das durchgehende Masketragen zunehmend. Weil es nicht nur die Atmung erschwert, weil es auch nervt, wenn meine Nasenschleimhäute dauernd trocken sind und ich kurz – wenn der Schaffner es nicht sieht – die Maske lüften muss, um zwei Sekunden Normalität zu erleben.

Am Abend erreicht uns eine Klarstellung des Bundesgesundheitsministeriums von Karl Lauterbach. Zwar habe die EU die Verpflichtung zum Tragen von Masken bei Flügen und auf Flughäfen weitgehend abgeschafft in der EU-Staaten. Aber…

Bei Flügen von und nach Deutschland gilt auch mit Inkrafttreten gelockerter EU-Empfehlungen weiterhin die Maskenpflicht zum – na was wohl? – Schutz vor Corona-Ansteckungen.

Dies betrifft nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums alle Maschinen, die in Deutschland starten oder landen. Beim Ein- und Ausstieg und während des gesamten Fluges sind FFP2- oder medizinische Masken zu tragen. Abnehmen darf man sie nur beim Essen und Trinken. Ausgenommen von der Pflicht sind Kinder unter sechs Jahren.

Ich bin ein wenig verwirrt, denn ich verstehe nicht – ist Covid-19 jetzt noch immer eine schwere Erkrankung, die mit dem Tod enden kann? Oder nicht? Wieso darf ich mit Tausenden im Stadion ohne Maske hüpfen und brüllen, aber nicht zehn Meter entfernt von einem anderen im ICE ohne Maske sitzen?

Ich bin nicht so der Berufsnörgler, aber warum kann niemand auf eine einfach Frage eine stringente und logische Antwort geben? Immer noch nicht.

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Klaus Kelle, Chefredakteur