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„Welcome home, guys!“

Ausgewandert nach Amerika: „Wir sehen in Deutschland keine Zukunft mehr für unsere Kinder“

KLAUS KELLE
Klaus Kelle im Gespräch mit Dr. Stefan Gehrold (r.).

Der Wunsch, Deutschland zu verlassen, ist in den vergangenen Jahren weit verbreitet. Der schlechende Verlust der Wirtschaftskraft, die üblen Folgen der unkontrollierten Massenmigration, der Verfall ganzer Stadtteile – viele Bürger sehen nicht mehr, warum sie sich selbst und ihren Kindern das noch zumuten wollen, zumal auch heute noch immer wieder viele Millionen Menschen die Verursacher dieser Entwicklung wählen und für solche regierungen sorgen, wie wir sie derzeit in Berlin haben.

Dr. Stefan Gehrold, USA-Korrespondent unserer Zeitung, vor allem aber ein sehr guter Freund, hat es getan. Mit seiner Frau und seinen Kindern. Sie sind in den USA übergesiedelt, in den Sunshine State, nach Florida. Wir sprachen mit ihm über seine Erfahrungen und die aktuellen Wahlkampf.

Stefan, Du bist vor 2 Jahren mit Deiner Familie in die USA ausgewandert. Nun seid ihr das erste Mal wieder zurück in der alten Heimat. Wie fühl sich das an für euch?

Richtig ist, wir waren im vergangenen Jahr schon wieder für 14 Tage in Deutschland. Wir hatten und haben sehr gute Freunde hier, insbesondere in meiner Heimat und unserer letzten deutschen Wahlheimat Süd-Oldenburg. Da kommen schon Tränen allenthalben, wenn wir wieder wegfahren. Ich hatte auch Zeit, meine zwei Ältesten in Holland und meinen langjährigen Freund, den 94jährigen Bernhard Worms in Köln, zu besuchen. Da wird einem das Herz schwer. Es ist unklar, ob wir solche Freundschaften je wieder erleben werden. 

Das heißt nicht, dass es nicht auch Freundschaften in den USA gibt. Ob sie so tief gehen, bleibt abzuwarten.

War das kompliziert für Euch, dauerhaft Bleiberecht zu bekommen, Green Cards?

Sehr kompliziert. So kompliziert, dass ich das Projekt abblasen und in meine alte Heimat Portugal ziehen wollte.

Der Umfang der Dokumentation, die Länge des Verfahrens und auch die Höhe der Kosten kamen nicht unerwartet, waren aber belastend. Meine Frau hielt das Verfahren am Leben. Es hing auch damit zusammen, dass wir wegen der Kinder einen dauerhaften Aufenthaltstitel anstrebten. Das ist uns gelungen. Und wenn uns jetzt der Grenzbeamte bei der Wiedereinreise mit den Worten „Welcome home, guys“ begrüßt, dann fühlen wir uns auch wieder zuhause.

Warum habt ihr Deutschland überhaupt verlassen?

Deutschland ist ein Auslaufmodell. Die Beschneidung persönlicher Freiheiten, die ideologische Indoktrination in Schule, Medien, Politik, schlicht umfassend im öffentlichen Raum, hat einen Grad erreicht, der Züge von Orwells Dystopie 1984 annimmt. Hinzu kommt eine Umverteilungsmaschinerie, die den Fleißigen bestraft und den Faulen belohnt. Wir sehen in dem Land keine Zukunft für unsere Familie, insbesondere nicht für unsere Kinder.

Es verwirrt, mit welch‘ pathologischem Eifer sich ein signifikanter Teil der Bevölkerung der systematischen Dekonstruktion der Gesellschaft widmet. 

Der Beobachter gewinnt den Eindruck, dass das Zerstörerische den Germanen irgendwie seit der Staatsgründung im Jahr 1871 anhaftet.

Kommt man im Alltag mit der amerikanischen Mentalität als Deutscher gut zurecht. Man sagt ja die seien schon anders als wir….?

Ja, kommt man. Sogar recht gut. Wer das nicht tut, ist selbst Schuld.

Ich habe ja in einer Reihe von Ländern gelebt und kenne ein weiteres halbes Dutzend recht gut durch meine berufliche und geschäftliche Tätigkeit; jedenfalls weit jenseits touristischer Aufenthalte. Jedes Land und jede Mentalität ist etwas anders, selbst innerhalb Deutschlands. Je größer die kulturellen Unterschiede, desto umfangreicher die Integrationsleistung, die der Migrant erbringen muss. Da die kulturellen Unterschiede in Europa und Nordamerika minimal sind, ist die Herausforderung für den Zuwanderer nicht ausgeprägt.

Im November wählen die Amerikaner ihren nächsten Präsidenten. Zur Wahl stehen zwei 80-Jährige. Gibt es bei 300 Millionen Menschen nicht auch jüngere  Alternativen?

Absolut. Und keine schlechten. Was sind also die Gründe für den „Wettkampf der Greise“? Die Erklärung bei den Demokraten ist einfach: Joe Biden wollte wieder, und er ist der amtierende Präsident. Wer will also ernsthaft den Königsmörder spielen? Wäre auch in Deutschland nicht anders.

Und die Republikaner? Zunächst ist richtig, dass Donald Trump im Gegensatz zu Joe Biden energisch und dynamisch wirkt. Sein Alter merkt man ihm nicht an.

Dann aber traten für die Republikaner eine Reihe von Schwergewichten an, die sämtlich für das Amt geeignet gewesen wären.

Das gilt sicher für Nikki Haley, Tim Scott, Mike Pence und Ron DeSantis. Trump schlug sie alle. Die wohl stichhaltigste Erklärung verweist darauf, dass der New Yorker die Partei veränderte. Ein Teil der Parteibasis wurde überhaupt erst wegen Trump politisch und schloss sich den Republikanern an. Dies gilt insbesondere für den kleinen weißen Mann aus der unteren Mittelschicht. Der klassische Republikaner ist gepflegt und zurückhaltend, legt Wert auf Umgangsformen. Aber er ist derzeit vermutlich in der Minderheit.

Zu guter Letzt höre ich immer wieder: Die Demokraten haben den demokratischen Konsens seit Obama aufgekündigt. Es bedarf jetzt eines Kriegers, um das Waffengleichgewicht wieder herzustellen. Keiner verspricht beherzter zu kämpfen als der deutschstämmige Trump.

Das Gespräch führte Klaus Kelle.

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Klaus Kelle, Chefredakteur