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Graphit wird nicht nur zur Herstellung von Bleistiften verwendet

Das chinesische „Phantom“: Li Fangwei alias Karl Lee

MICHAEL STING
FOTO: pixabay/geralt | Wie konnte der Mann von China aus Waffengeschäfte mit dem Iran einfädeln?

Kürzlich habe ich nochmal den Film „Händler des Todes“ gesehen. Ein spannender Thriller über einen internationalen Waffenhändler, der u.a. einen Großteil seiner Geschäfte auf dem afrikanischen Kontinent verrichtet. Angelehnt ist dieser Film an Wiktor Anatoljewitsch But, der, bis zu seiner Verhaftung 2008, eine große Rolle im internationalen Waffenhandel spielte. Er wurde im Dezember 2022 im Rahmen eines Gefangenenaustausches zwischen den USA und Russland freigelassen.

Der Name Wiktor But ist bei vielen Menschen bekannt, jedoch die meisten können mit dem Namen Li Fangwei alias Karl Lee nichts anfangen. Dieser Mann, genannt das „Phantom“ ist selbst für die Geheimdienste ein Rätsel und gleichzeitig einer der meist gesuchten Männer der Welt. Die amerikanische Regierung hat ein Kopfgeld von 5 Millionen US-Dollar auf ihn ausgesetzt.

Zulieferer für das Atomprogramm

Li Fangwei, geboren 1972 in der chinesischen Provinz Heilongjiang, ermöglicht es dem Iran, sein Atomprogramm sowie den Bau von Raketen und Massenvernichtungswaffen voranzutreiben. Doch anders als Waffen im herkömmlichen Sinne, liefert Li Fangwei die benötigten Einzelteile und Rohstoffe an den Iran, die normalerweise auf der internationalen Sanktionsliste gegen den Iran stehen.

Zu einem Teil seines Netzwerkes gehört u.a. die Firma Sinotech (Dalian) Carbon & Graphite Manufacturing Corporation, an der er mit 24,3 Prozent der Firmenanteile beteiligt ist. Der Rest gehört seinem jüngeren Bruder Li Fangdong. Das Unternehmen steht seit 2014 auf der Sanktionsliste der USA.

Rohstoffe für den Raketenbau

Warum ist Graphit so relevant für den Iran? Nun, Graphit wird nicht nur zur Herstellung von Bleistiften verwendet, sondern dient auch zur Herstellung von Strahlrudern von Raketen. Strahlruder ermöglichen eine effiziente Lenkung dieser Waffen.

China hatte am 23. Dezember 2006 im Rahmen des UN-Sicherheitsrates den Sanktionen den Iran zugestimmt.  Gleichzeitig ist China einer der effizientesten Überwachungsstaaten der Welt. Wie ist es also möglich, dass Li Fangwei über weit mehr als ein Jahrzehnt ohne mögliche Konsequenzen erfolgreich den Handel mit dem Iran betreiben konnte?

Warum machte China Zugeständnisse gegenüber den USA?

Am 8. Januar 2021 postete ein anonymer Nutzer auf dem chinesisch sprachigen Wikipedia-Artikel zu Li Fangwei, dass dieser im April 2019 von der Polizei wegen des Schmuggels verbotener Güter verhaftet worden sei. Zu dem Zeitpunkt der Verhaftung von Li Fangwei fand ein Treffen zwischen dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping statt, bei dem über mögliche Strafzölle der USA gegenüber China verhandelt worden ist. Und dabei von chinesischer Seite mehrere Zugeständnisse gemacht worden sind.

Das ist weitgehend eine Spekulation. Doch ich vermute, dass Li Fangwei ein Teil des Deals zwischen den USA und China gewesen ist. Denn China ist dafür bekannt, mit einer einfacheren Kosten/Nutzen-Rechnung zu arbeiten. In dem Moment, als sich die Prioritäten verschoben haben, wurde Li Fangwei aus dem Verkehr gezogen. Dabei möchte ich anmerken, dass seine Firmen weiterhin aktiv sind und nicht zerschlagen wurden.

Eine sehr eigene Philosophie

Li Fangwei ist ein Beispiel dafür, welche möglichen taktischen Fäden im Verborgenen gezogen werden können, selbst wenn die offizielle Haltung eine andere ist.

Dazu passt ein Zitat des chinesischen Generals Sun Tzu ( 550 und 490 v. Chr. )

„Wenn du etwas vorhast, tue, als ob du es nicht vorhättest. Wenn du etwas willst, tue, als ob du es nicht benutzen wolltest.“

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Klaus Kelle, Chefredakteur