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Late Night-Techniken beim Frühen Vogel

Liebe Leserinnen und Leser,

heute ist so eine Nacht, wo ich zum ersten Mal nicht so richtig weiß, was ich für Sie aufschreiben soll. Verstehen Sie mich nicht falsch: Themen liegen immer und überall reichlich herum. An jedem Tag, in jeder Stunde. Ein Journalist hat immer etwas, auf das er aufspringen kann. Aber heute ist nichts, was bei mir selbst so das Feuer entzündet, genau DARÜBER sollte ich jetzt philosophieren. Irgendwie fühle ich mich wie der kleine Bruder von den Late-Night-Helden, die wenn sie nicht wissen, was sie am Abend machen, das zum Thema machen, dass sie nicht wissen, was sie machen sollen. Und dann holen Sie sich eine Kamerafrau auf die Bühne und fragen die, was sie macht, wenn sie nicht weiß, was sie machen sollen. Herrlich, ich liebe diese Shows.

Im Zentrum heute stand natürlich Putins große Parade auf dem Roten Platz im Moskau. Was hatten die Beobachter weltweit alles an Erwartungen artikuliert, welche Apokalypse werde wohl größer sein? Und dann hielt er einfach eine Rede, ähnlich der in den Vorjahren, natürlich mit Ukraine und Nazis bekämpfen und die gefallenen Soldaten betrauern, um deren Angehörige man sich mit Hingabe kümmern werde. Ja, schön, und weiter, denkt man unwillkürlich. Wir werden sehen.

Das Nachbeben der Landtagswahl in Schleswig-Holstein bietet natürlich eine Menge Diskussionsstoff. Die CDU auferstanden aus Ruinen als Volkspartei mit einem linksgrünen neuen Hoffnungsträger. Und nächste Woche das gleiche nochmal in NRW aber mit Hendrik Wüst, dessen politisches Überleben anders als das Günthers keinesfalls sicher ist. Und dann die FDP, die abschmiert und die AfD, die erstmals seit Gründung aus einem deutschen Landtag rausgewählt wurde. Wegen der Putin-Besoffenheit in ostdeutschen Teilen der Partei, wir die Wahlforscher und die westdeutschen Parteifreunde meinen. Wir werden sehen.

Am Abend noch ein Telefonat mit meinem besten Freund über Attentate, also die Frage, wo ist die Grenze, da jemand das Leben eines anderen auslöschen darf, um eines höheren Gutes willen? Stauffenberg zum Beispiel, der wusste, wenn das Attentat misslingt, ist sein Leben keinen Pfennig mehr wert, und dass seiner Familie wahrscheinlich ebenso. Aber dennoch versucht er es. Sie alle wissen, wie es geendet ist.

Auch in diesen Tagen wird immer wieder im Internet fabuliert, es bräuchte jetzt mal einen russischen Stauffenberg, aber das ist Quatsch und wird nicht passieren. Gibt es Menschen, die es wirklich verdient hät…da unterbrach mich mein Freund, der es seit gemeinsamen Jugendtagen immer gut gemeint hat mit mir, so wie ich mit ihm. Wenn wir hier ungerührt – natürlich nur theoretisch – über Attentate plaudern, das könnte ja mal irgendein Terroristenjäger der NSA mithören, und um 3 Uhr stehen dann die Herrschaften vom BKA vor der Tür und begehren nachhaltig Einlass. Wir beendeten das – natürlich rein hypothetische – Telefonat kurz darauf. So, wie ich jetzt diesen „Vogel“.

Morgen habe ich wieder etwas Gehaltvolleres für Sie aufzuschreiben. Versprochen!

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Klaus Kelle, Chefredakteur