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Grenzen gibt es nicht ohne Grund

Der eigentliche Skandal beim ESC-Flopp: 400.000 Euro für nix….

Ein enttäuschter Frontmann Chris Harms von der Band Lord Of The Lost beim Finale des ESC in Liverpool. Foto: Peter Kneffel/dpa

von MICHAEL STING

LIVERPOOL – Am vergangenen Samstag war es mal wieder soweit. Die Länder Europas (und einige jenseits unserer europäischen Außengrenzen) sangen für Ihre Nation.

Grundsätzlich eine schöne Idee. Immerhin ist die Kunst der Musik und des Gesangs ein Kernmerkmal deutscher Kultur. Das spiegelt sich sogar in der zweiten Strophe des Deutschlandliedes wider. Dort heißt es:

„Deutsche Frauen, deutsche Treue, deutscher Wein und deutscher Sang. Sollen in der Welt behalten, ihren alten, schönen Klang.“

Nur dumm, dass wir beim ESC mal wieder mit einer Band angetreten sind, die nicht in ihrer eigenen Sprache singt. Aber gut. Der Sieg 2010 mit dem Lied „Satellite“ von Lena Meyer-Landrut war auch mit einem englischen Lied möglich.

Ich muss Ihnen leider gestehen, dass ich mir dieses Spektakel am Samstag nicht angesehen habe.

Ich hatte da dann doch für mich persönlich andere Pläne. Jedoch habe ich passend zur Punktevergabe wieder eingeschaltet. Und, oh welche Überraschung. Deutschland mal wieder auf dem letzten Platz. Wer hätte damit rechnen können? Wobei man zum Schutz ja auch sagen muss, dass unsere Nation gar nicht vertreten war. Die Band „Lord oft he Lost“ marschierte nämlich, im Gegensatz zu allen anderen europäischen Ländern, ohne unsere Landesflagge ein. Sie wissen schon. Die mit den Farben Schwarz-Rot-Gold. Die sieht man ja leider immer seltener.

Gerade bei dieser Veranstaltung ist es ein Unding.

Wenn Sie an einem Fußballturnier teilnehmen, sieht man den Namen des Vereines auf Ihrem Rücken und die Flaggen auf dem Sportplatz.

Wenn Sie in einer mittelständischen oder Großfirma arbeiten, tragen Sie häufig die Arbeitskleidung mit dem Firmenlogo und auch dort sieht man die Firmenbanner. Auch bei vielen privaten Vereinen wie dem Deutschen-Roten Kreuz ist das der Fall.

Das wird alles mit Stolz getragen, weil man sich damit identifiziert und dafür einsteht.

Nur bei unserem Land kommt der Selbsthass wieder zutage. Die Krönung des Ganzen war die Antwort der Band auf die Frage, wieso Sie keine Deutschlandflagge verwenden wollen. Das war bereits vor der Teilnahme deutlich und hätte aus einer Sicht eine entsprechende Reaktion der ARD verdient.

Zitat aus einem Interview mit der Deutschen Welle vom 11. Mai:

„Wenn es nach uns ginge, würden alle Länder unter neutraler Flagge auftreten und es wäre einfach ein Musikwettbewerb ohne Nationen, weil: Grenzen sind sowieso alle menschengemacht.“

Dann stellt sich für mich die Frage, wer diese Band eigentlich ausgesucht hat. Wer sich nicht mit seinem Land identifiziert, hat aus meiner Sicht hier nichts zu suchen und noch weniger das Recht, unser Land zu repräsentieren. Darum haben wir den letzten Platz mehr als verdient. Zumal der Name der Band schon die passenden Worte beinhaltet.

Grenzen gibt es nicht ohne Grund

Abgesehen davon, dass Sie der Sicherheit dienen (denn wer von Ihnen würde sein Haus verlassen und dabei immer die Türe offen lassen?), erfüllen Grenzen einen anderen Zweck. Sie markieren den Bereich einer Gesellschaft, die sich durch Sprache, Geschichte und Kultur zu einer Gemeinschaft bzw. Nation entwickelt hat. Natürlich gibt es im europäischen Raum Überschneidungen. Dennoch ermöglichen Grenzen, die Einzigartigkeit und Kultur dieser Länder zu erhalten.

Sei es die italienische Gastfreundschaft, der kostbare und köstliche Whiskey aus Irland, die britische Höflichkeit, die französische Skepsis gegenüber Ihrer Regierung, die Religionstreue der Polen. Dazu kommen die Einzigartigkeiten der nationalen Küchen und Kultur. Sollte man so etwas nicht schützen und dadurch mehr wertschätzen?

Es stellt sich mir ohnehin die Frage, warum wir uns das jedes Jahr aufs Neue antun? Unsere Teilnahme kostet pro Jahr rund 400.000 Euro. Zum Vergleich. Kleinere europäischen Länder bekommen mit ca. 100.000 Euro weitaus bessere Plätze. Also warum Geld ausgeben für eine Veranstaltung, auf der unser Land weder wirklich repräsentiert wird, noch erfolgreich ist? Das Geld wäre in Kitas und Grundschulen wesentlich besser aufgehoben.


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Klaus Kelle, Chefredakteur