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Ein Fehler im System verschafft mir gute Laune und kaltes Veltins am Feuerkorb

Liebe Leserinnen und Leser,

Sie haben es bemerkt. Wo sonst jeden Tag ein bunter Strauß an Artikeln zirkuliert, war gestern Funkstille auf TheGermanZ. Was war passiert?

Unser Redaktionssystem ließ ansatzlos nicht mehr zu, dass wir Fotos der Deutschen Presse-Agentur (dpa) hochladen und auf die Seite stellen konnten. Es funktionierte einfach nicht. Seit 14 Monaten war das nie ein Problem gewesen, und dann klappt es nicht. Probiert, dpa angerufen, nochmal probiert, wordpress runtergefahren, neu gestartet, das System insgesamt runtergefahren und neu gestartet. Null. Zero. Nada.

Wenn wir aber berichten wollen über die Toten beim Zugunglück in Garmisch-Patenkirchen oder Putins Getreide-Blockade für Afrika – dann kann eine ernsthafte Tageszeitung das nicht ohne Fotos tun. Oder über die Schüsse in Saarbrücken auf einen Polizisten, da haben wir keine Redaktion, wo ich mal eben jemanden losschicken kann wie früher bei BILD. Da sind wir angewiesen auf die zuverlässige Belieferung eben auch mit dpa-Fotos, jedenfalls so lange nicht mehr Leser Abos abschließen oder Geld für unsere Arbeit spenden.

Zwei herausragende ITler, die uns beraten, haben dann am Nachmittag den Gordischen Knoten gefunden, jetzt gleich sollte alles wieder normal funktionieren. Und statt 10.300 Seitenaufrufen sollten es dann über den Tag auch wieder mehrere Zehntausend sein wie sonst auch.

Am Abend hatte ich dann situationsbedingt aber mehr Zeit als gewöhnlich, um einer privaten Einladung zu folgen von einem Freund, den ich seit Jahren kenne, aber (noch) nicht wirklich gut. Er hatte mich über WhatsApp eingeladen zu einem Männer-Grillabend im Rheinland, ausgerichtet von einer Freikirchlichen Gemeinde in Zusammenarbeit mit einer christlichen Pfadfindergruppe, und – wie er mir vorhin gestand – nicht erwartet, dass ich wirklich kommen würde. Wahrscheinlich hätte er rechtbehalten, denn abends ab 20 Uhr bin ich oft am Newsdesk und im Stress.

Aber da ich nun plötzlich Zeit hatte und in vielerlei Hinsicht den zweifelsohne schlechtesten Tag bisher in diesem Jahr erlebt habe, war ich neugierig und freute mich auf zwei, drei kalte Biere (Veltins), einen gegrillten Brocken Rindfleisch und gute Gespräche mit vielen neuen Leuten. Und all das bekam ich, herzlich aufgenommen als katholischer Konvertit unter 100 evangelischen Jungs aller Altersklassen. Rund um einen der Feuerkörbe Gespräche mit richtig spannenden Leuten. Der eine, der sich im Krankenhaus, wo er arbeitete, kritisch zu den Corona-Maßnahmen geäußert hatte und von seiner Vorgesetzten zu hören bekam: „Wenn Sie das noch einmal wiederholen, dann muss ich Sie melden…“ Dann muss ich sie melden, nicht zu fassen, oder? Und ein anderer, der erzählte, wie er für wenig Geld mehrere Bauwagen erstanden und für seine Kinder im Garten aufgestellt hatte, natürlich schick gemacht und Heizung rein. Und die Kinder lieben es, und der Vermieter drückt beide Augen zu. Und so weiter und so weiter, wir alle per Du, alle auch ehrlich interessiert, was ich Journalist wohl so für ein Vogel bin.

Bei der Verabschiedung fragte mich Sascha, mein Gastgeber, ob ich wohl auch mal sonntags vorbeischauen mag, wenn Gottesdienst in der Gemeinde ist. Und klar mag ich das, auch wenn unser System wieder rund läuft. Für den Lieben Gott muss immer Zeit sein.

Ein schönes Wochenende wünscht

Ihr Klaus Kelle

 

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Klaus Kelle, Chefredakteur