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„Herzliche Einladung“ an Frau Merkel: Warum nicht mal Afghanistan besuchen?

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

die BILD, ich habe das schon ein, zwei Mal erwähnt, ist medial derzeit das Maß aller Dinge in Deutschland. Das einst oft geschmähte Blatt, wo beim Lesen angeblich das „Blut rausläuft“, bietet uns seit Wochen, ja seit Monaten, eine journalistische Gala der Extraklasse. Unter Chefredakteur Julian Reichelt macht BILD genau das, was die vornehmste Aufgabe einer Boulevardzeitung sein sollte: dem Volk aufs Maul schauen.

Nach vielen Jahren des Weichspülens und der Schönrederei der Merkelschen Katastrophenpolitik hat die auflagenstärkste deutsche Tageszeitung ihren Rhythmus gefunden und redet Klartext. Und sie gehen direkt dort hin, wo es wehtut. Während die Masse der deutschen Journalisten nachbetet, was die Deutsche Presse-Agentur (dpa) und damit das Bundeskanzleramt und Superaußenminister Maas so zu erzählen haben, hat Reichelt seinen Reporter Paul Ronzheimer nach Kabul geschickt. In einer Zeit, in der alle bloß nur da raus wollen, fliegt die BILD rein. Genau so muss Journalismus sein.

Und der BILD-Mann läuft da nicht einfach in den Straßen herum und verbreitet seine persönliche Befindlichkeit, wie wir es von den deutschen Staatssendeanstalten gewohnt sind. Er klopft mal direkt bei Zabihullah Mujahid an die Tür, dem Gesicht der Taliban in dieser Zeit, und führt ein Interview, fragt nach staatlicher Gewalt gegen demonstrierende Frauen und der Rolle der Frauen im neuen Afghanistan überhaupt. Mujahid ist bemüht, spricht von der traditionellen Freundschaft zwischen Deutschland und Afghanistan und vom neuen Kapitel in den Beziehungen, das man nach dem Krieg nun aufschlagen wolle. Von „guten Gesprächen“ mit Vertretern der Bundesregierung in Doha und vom Geld, das man dringend für den Wiederaufbau brauche.

Und niemand müsse sich Sorgen machen in Afghanistan, jeder, der wolle, dürfe gefahrlos das Land verlassen und – sinngemäß – Milch und Honig fließen da auch oder so, und Kabul werde das neue Silicon Valley.

Es ist völlig surreal, welche Gedankenwelt Mujahid offenbart. Ronzheimer und der Taliban-Sprecher sitzen da vor einer Bücherwand und plaudern nett, so als träfen sich Vertreter der Beneluxstaaten mit dem NRW-Ministerpräsidenten, um über den grenzüberschreitenden Individualverkehr unter Covid-19-bedingungen zu reden. Da gäbe es aber wenigstens Softdrinks, Kaffee und Kekse, in Kabul ist der Tisch vor Ronzheimer leer.

Liebe Leser, die Taliban sind die unterste Kategorie des real existierenden Islam auf diesem Planeten. Da wird gehängt, gesteinigt und ausgepeitscht, da herrscht die Scharia, da gibt es keine Parteien und NGOs, sondern Stämme und Clans, da werden für den Weltmarkt Drogen produziert, da ziehen sie neue Generationen von Mudschaheddin heran, die irgendwann Passagierflugzeuge in Hochhäuser steuern sollen und Frauen in deutschen Städten wie Würzburg mit Messern niedermetzeln.

Und Herr Mujahid, schöner Name übrigens, erzählt dem deutschen Reporter, Bundeskanzlerin Angela Merkel solle doch mal Afghanistan besuchen. Sie würde „besonders herzlich aufgenommen werden. Wir würden uns wirklich sehr über sie freuen.“

Ich habe so kurze Momente, da würde auch ich mich freuen, wenn Angela Merkel diese Einladung annimmt und am Hindukusch ihren Altersruhesitz bezieht.

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Klaus Kelle, Chefredakteur