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Zu wenig Energie und zu wenig Lebensmittel

Gefährdet mit seiner Politik die Lebensmittelversorgung: Landwirtschaftsminister Cem Özdemir.

von MARTIN D. WIND

BERLIN – Landwirte empfinden nicht nur die folgende Bemerkung von Cem Özdemir – derzeit amtierender Bundeslandwirtschaftsminister von Bündnis 90/Die Grünen – als Drohung: „Ich nehme alle beim Wort: Ich schließe diesen Kompromiss für den Teller, nicht damit Getreide im Tank oder Trog landet“.

Betrachtet man die Agrarpolitik der Bundesregierungen der vergangenen 20 Jahre, dann kann man das Empfinden der Bauern durchaus verstehen. Bundesregierung und deren Agrar- oder auch Umweltminister scheinen sich dazu legitimiert zu fühlen, selbstständigen Unternehmern – und Landwirte sind das bisher noch – in übergriffiger Weise in die wirtschaftliche Nutzung ihres eigenen Grund und Bodens „hineinregieren“ zu dürfen. Tatsächlich scheint man staatlicherseits entsprechend rechtlich „aufgestellt“ zu sein.

Hintergrund dieses Spruchs des Landwirtschaftsministers Özdemir aus der Regierung Olaf Scholz von der SPD, im Bündnis mit der FDP und den Grünen, ist die notgedrungenermaßen zugestandene Realpolitik: Angesichts der zunehmend schwieriger werdenden Versorgung der Menschheit mit ausreichend Nahrungsmittel, musste selbst Özdemir letztlich den deutschen Landwirten die Weiternutzung ihres Landes für die Lebensmittelproduktion zugestehen – so wie das die restlichen EU-Landwirtschaftsminister und selbst die EU-Kommission schon geraume Zeit taten.

Nur der grüne Landwirtschaftsminister und seine grüne Kollegin im Bundesumweltministerium wollten aus ideologischen Gründen lieber Menschen hungern lassen, als der vorgeblichen Biodiversität vorerst einen Riegel vorzuschieben. Von der EU-Kommission kam noch vor dem Angriffskrieg Putins das Verdikt an die Mitgliedsstaaten, dass es dem Naturschutz und der Biodiversität zuträglich sein solle, wenn man mindestens vier Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche verwahrlosen ließe – mithin der „Natur überlasse“.

Abgesehen davon, dass bis heute nicht geklärt ist, welche „Natur“ bei diesen Verwahrlosungsvorgaben tatsächlich gemeint sein soll, sind die vorgeblichen Naturschutzziele der EU-Kommission ungefähr so durchdacht, wie die „Energiewende“ der Regierung Angela Merkel. So man jemals beide ideologisch getriebenen Projekte „vom Ende her gedacht“ haben sollte, muss man in jedem Fall zum Ergebnis gelangen, dass sie nicht funktionieren können – schon allein aus wissenschaftlichen Gründen.

Die Restriktionen gegenüber der Landwirtschaft waren auch ohne Putins Krieg gegen die Ukraine nicht nachvollziehbar

Wenn man einer Pflanze 20 Prozent der benötigten Nahrungsmittel vorenthält – so wie das die EU-Kommission unter U. v. d. Leyen wünscht – kann die Pflanze ihr Potential nicht „auswachsen“: Sie wird kümmerlich wachsen, kümmerlich Frucht bringen und mit großer Wahrscheinlichkeit nicht die notwendige Reife erreichen. Stellen Sie sich vor, Sie würden ihren Kindern bei jeder Mahlzeit 20 Prozent der notwendigen Nahrung vorenthalten. Was meinen Sie, was mit Ihren Kindern geschehen wird? Genau das fordert die EU-Kommission abr von Landwirten, indem sie die Verminderung der Düngung rigoros durchzusetzen gedenkt.

Ähnlich agitieren die EU-Kommission und die nachgeordneten Minister auf deutscher Ebene, Özdemir und Lemke, bei der Gesundheitsfürsorge für Pflanzen: Während man bei der Gesundheit am Menschen auf Regierungsebene mit Zwangsimpfungen oder auch erpressten Impfungen mit fragwürdigen Stoffen liebäugelt und das mit „Wissenschaft“ begründet, will die Regierung Landwirten verbieten, den Lebensmittelpflanzen Schutz gegen Schadinsektenfraß oder auch Schimmelbefall und Fäule angedeihen zu lassen. Obwohl die eingesetzten Mittel in diesem Fall im Vorfeld der Nutzung streng untersucht und getestet wurden. Vergiftungen mit konventionellen Pflanzenschutzmitteln gab es in Deutschland seit Jahren nicht mehr. Lebensmittelvergiftungen aus bakterienverseuchten Bioanbau-Sprossen hingegen mehrfach.

Es ist ein blöder Begriff: „Gesunder Menschenverstand“ – aber es ist genau das, was den Menschen in Deutschland, der EU und weltweit auf anderen Kontinenten helfen wird, die ausreichende Versorgung mit qualitativ hochwertigen und gesunden Lebensmitteln sicher zu stellen. Ideologisch betriebene Utopien à la „grünem Naturschutz“ – der inzwischen sowohl bei der Energiepolitik als auch bei der Wiederansiedlung der Wölfe zu Lasten der Biodiversität und des Tierwohls gehen – werden die Menschen nicht weiterbringen und schon gar nicht ein humanes Überleben sicherstellen können.

Im Gegenteil: Es steht zu befürchten – das hat inzwischen auch Außenministerin Annalena Baerbock kapiert – dass wir uns aufgrund ideologischer Politik, aufgrund „grüner“ Politik, in Deutschland in die Gefahr bewegen, sowohl zu wenig Lebensmittel als auch Energie zur Verfügung zu haben. Und, so Baerbock, das könnte zu „Volksaufständen“ und/oder „Unruhen“ führen. Fraglich ist bei diesen Aussagen allerdings, ob sie dabei an die betroffenen Bürger oder an den Machterhalt für sich und Ihre Genossen dachte.

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Klaus Kelle, Chefredakteur